Was vor wenigen Monaten noch unvorstellbar schien, wird Realität: Noah Dettwiler steht vor seinem Comeback. Drei Monate nach seinem dramatischen Sturz in Malaysia will der 20-Jährige Ende April in Misano in der italienischen Supersport-Meisterschaft starten.
Bei seiner ersten Pressekonferenz seit dem Unfall spricht das Schweizer Töfftalent offen über die schwerste Zeit seines Lebens. "Ich habe eine harte Zeit hinter mir. Es war eine Achterbahnfahrt mit Hochs und Tiefs. Ich hatte da schon meine Zweifel, aber jetzt will ich unbedingt wieder zurück auf die Strecke", sagt Dettwiler.
Der Albtraum begann am 26. Oktober 2025 beim Moto3-Grand-Prix von Malaysia. In der Aufwärmrunde wurde Dettwilers Motorrad wegen eines technischen Problems langsamer. Der spätere Weltmeister Jose Antonio Rueda prallte von hinten mit voller Wucht in ihn.
Dettwiler schlug heftig auf dem Asphalt auf und blieb regungslos liegen. Er erlitt mehrere Herzstillstände, einen offenen Beinbruch sowie Verletzungen an Lunge und Milz. Dazu kamen Risse im Bereich der Halswirbelsäule und Hirnblutungen. Die Ärzte kämpften tagelang um sein Leben, operierten mehrfach. Seine Milz musste vollständig entfernt werden.
"Ich hatte großes Glück im Unglück", sagt Dettwiler. An den Unfall selbst hat er keine Erinnerung. Nur Bilder aus dem Spital in Malaysia sind geblieben. Vier Tage lag er auf der Intensivstation, ehe ihn Familie und Freundin wieder in die Arme schließen konnten. Laut den Ärzten überlebte er auch dank seiner körperlichen Verfassung. "Mein starker Körper hat geholfen. Nicht jeder hätte diesen schlimmen Unfall überlebt."
Wenige Wochen später brachte ihn die Rega zurück in die Schweiz. Es folgte die Rehabilitation – zuerst in Basel, danach in Barcelona, wo er lebt. Die Fortschritte kamen schneller als gedacht. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell wieder auf die Beine komme."
Ganz beschwerdefrei ist er noch nicht. Vor allem das linke Bein bereitet Sorgen. Ein langer Nagel vom Knie bis zum Fußgelenk stabilisiert den Knochen. Radfahren geht bereits, Joggen noch nicht.
Trotz aller Unsicherheiten blickt Dettwiler nach vorne. Sein Comeback erfolgt auf einer Ducati mit mehr als 160 PS. Wie es ihm mit rund 280 km/h gehen wird? "Ich weiß noch nicht, wie ich mental darauf reagiere, wenn ich dann mit 280 Stundenkilometern fahre", sagt er, "aber ich will so schnell wie möglich eine Antwort haben."
Aufgeben war für ihn keine Option. "Ich gebe jeden Tag alles, um zurückzukommen. Meine Zukunft geht auf der Rennstrecke weiter. Das ist mein Job und ich freue mich, endlich wieder Vollgas zu geben."