Meine Freundin, ein Svabo – für Mama ein Skandal

Das Thema "Liebe" wird am Balkan sehr ernst genommen. Und natürlich verletze ich die "Jugo-Etikette" da einmal mehr.
"Meine Familie ist ein wenig... anders", mit diesen Worten hatte ich meine Freundin auf das Treffen mit meinen Eltern vorbereitet. Zugegeben, der Satz klingt wie aus einem schlechten Film. Dennoch trifft er zu. Familien aus dem Balkan sind nun einmal anders. Punkt.

Eine ziemlich wichtige Sache für Balkaner: Man ist gerne unter sich. Damit keine Missverständnisse entstehen: Die Menschen vom Balkan sind äußerst herzlich "Fremden" gegenüber. Aber in den innersten Kreis lässt man dann doch nur "Gleichgesinnte" – eigentlich.

Wie ich schon in meinen letzten Blogs gebeichtet hatte, bin ich leider kein Vorzeige-Balkaner. Ich trete in jedes Fettnäpfchen, das punkto "Jugo-Etikette" überhaupt existiert. Meine Mama hatte sich natürlich immer eine Schwiegertochter vom Balkan gewünscht. Ein Mädchen, mit dem sie über Männer schimpfen kann, während sie gemeinsam "Sarma" machen – oder so ähnlich.



Hallo und herzlich willkommen zu "Hajde", dem Balkan-Blog auf "Heute.at"! Unser Blogger ist zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln aufgewachsen. Wie das so ist? Er verrät´s euch in seinen Kolumnen. Übrigens: "Hajde" bedeutet auf Deutsch so viel wie "Los geht´s!"

Und was ist für euch typisch Balkan? Eure Inputs sind willkommen unter balkanblog@heute.at
Nur eine Frau vom Balkan, meint meine Mama, könne sich so richtig um mich "kümmern".

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Wer soll denn für mich kochen? Wer soll meine Wäsche waschen? Wer soll sich denn irgendwann um die Kinder kümmern?

"Eine Švabica kann das jedenfalls nicht", ist meine Mutter überzeugt. Als Švabo oder Švabica wird übrigens jeder betitelt, der Deutsch spricht. Egal ob aus Österreich, Deutschland oder der deutschsprachigen Schweiz. Da gibt es einen Unterschied? Egal!



Als ich meiner Mama von meiner Freundin erzählt hatte, lautete ihre erste Frage: "Woher kommt sie?" Es folgten Augenblicke unangenehmer Stille. Ich schaute sie an, als hätte sie mich bei einer äußerst peinlichen Sache ertappt. Worauf sich auf ihrem Gesicht ein Ausdruck breitmachte, als hätte sie gerade einen Geist gesehen.

"Ist sie eine Švabica?", fragte Mama dann mit einem Hauch Enttäuschung in der Stimme. Ich nickte.

Knapp sieben Jahre ist das nun her. Kurz darauf lernte meine Mama meine Švabo-Freundin kennen. Und inzwischen kommen die beiden auch ziemlich gut miteinander klar. Dennoch macht meine Mutter keinen Hehl daraus, dass sie die Sache noch nicht ganz überwunden hat.

So fragt sie meine Angebetete bei jedem Besuch scherzhaft, ob sie denn eh brav für mich koche. Dazu muss man wissen: Meine Freundin kann nicht mal eine Suppe aufwärmen, ohne einen Feuerlöscher neben sich stehen zu haben. Nur für den Fall der Fälle, versteht sich...



"Eto, vidiš", sagt meine Mama dann. Bedeutet so viel wie: "Hab ich's dir doch gesagt." Um meiner Freundin zu verdeutlichen, wie man sich um ihren Sohn "kümmern" sollte, zieht meine Mutter in der Küche jeweils alle Register.

Bei Jugo-Familien wird ja sowieso immer angerichtet, als ob demnächst sämtliche Mannschaften einer Fußball-WM (inklusive Masseure und Zeugwarte) auf der Matte stünden. Kommen wir zu Besuch, setzt Mama aber noch zusätzlich eins drauf und tischt umso mehr auf.

Das Schlimmste kommt aber erst noch: Abgesehen davon, dass ich sowieso nicht heiraten möchte, hat meine Freundin bereits klar gestellt, dass sie auf keinen Fall meinen Nachnamen annehmen würde. Soll so sein, denk ich mir. Meine Mutter hat nach der Aussage direkt die ganze Wohnung mit Weihrauch ausgeräuchert.



Meine Mission, möglichst viele "Stammeshalter" zu zeugen, die unseren Namen weitertragen, ist damit zum Scheitern verurteilt. Also noch ein Punkt auf der "Jugo-To-do-List", bei dem ich grandios versage. Und alles nur wegen dieser Švabica. "Eto, vidiš", sagt meine Mama dann.

Und das alles ist nichts im Vergleich zu meinen Großeltern. "Das ist nur eine Phase. Er muss sich eben ausleben", pflegte mein Opa zu sagen, als meine Beziehung noch frisch war. Und hielt auch dann noch daran fest, als die Monate und Jahre ins Land zogen und die Švabica an meiner Seite blieb. Irgendwann würde ich schon zur Vernunft kommen und mir ein Jugo-Mädchen finden, meint er. Und wenn wir ehrlich sind: Insgeheim hofft das meine ganze Familie.

Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Ich freue mich auf euer Feedback unter balkanblog@heute.at

>>>> Lesen Sie auch: Fluchen mit Balkan-Mama – ein Crash-Kurs (red)
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