Datenschutz-Alarm

Meta-Brille schickt Intimvideos nach Kenia

Videoaufnahmen von Metas smarter Datenbrille werden von Billiglohn-Arbeitern in Kenia ausgewertet - auch intimste Momente. NOYB prüft den Fall.
Technik Heute
05.03.2026, 14:42
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Die smarten Datenbrillen von Meta, die auf der beliebten Ray-Ban-Marke basieren, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch was viele Nutzer nicht ahnen: Die damit aufgenommenen Videos werden nicht lokal gespeichert, sondern automatisch an Meta-Server übermittelt. Von dort landen sie bei schlecht bezahlten Datenarbeitern - sogenannten Clickworkern.

In Kenia sitzen diese Clickworker und sichten die Aufnahmen, bewerten und beschriften sie für das Training von KI-Modellen. Dabei bekommen sie auch höchst private Momente zu sehen - von intimen Situationen bis hin zu Kreditkartendaten. Betroffen sind nicht nur die Brillenträger selbst, sondern auch deren Partner, Familienmitglieder und völlig unbeteiligte Dritte.

Wie t3n.de berichtet, zeigten sich anonyme Datenarbeiter erschüttert über das Ausmaß der Datensammlung. "Wüssten Sie, welchen Umfang diese Datensammlung hat, würden Sie diese Brillen niemals benutzen", zeigte sich eine der befragten Personen überzeugt. Aufgedeckt wurde die Praxis von den schwedischen Zeitungen Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten. Ehemalige Meta-Mitarbeiter bestätigten, dass in manchen Fällen "Live-Daten" gesichtet und eingeordnet würden.

KI-Assistent nur online nutzbar

Ein zentrales Problem: Der in die Brille integrierte KI-Assistent lässt sich nicht ohne Internetverbindung nutzen. Das bedeutet, dass Aufnahmen zwingend an Meta übertragen werden müssen, damit die KI etwa erkennen kann, vor welchem Gebäude man steht. Abschalten lässt sich diese Datenübertragung nicht. Meta verweist lediglich auf seine Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen, denen man bei der Einrichtung zustimmt.

NOYB nimmt Meta ins Visier

Die österreichische Datenschutzorganisation NOYB hat die Datenbrillen bereits ins Visier genommen und prüft den Fall genau. NOYB-Juristin Kleanthi Sardeli sieht sowohl Transparenzprobleme als auch mögliche Mängel bei der Rechtsgrundlage. So würden Nutzer möglicherweise gar nicht bemerken, dass die Kamera zu filmen beginnt, sobald der KI-Assistent aktiviert wird.

Besonders bedenklich: Sobald das aufgenommene Material in die KI-Modelle eingespeist wird, verlieren die Nutzer jede Kontrolle über die Verwendung ihrer Daten. Meta hat auf konkrete Fragen zur weiteren Verwendung der Aufnahmen keine Antworten geliefert und verwies lediglich darauf, dass in bestimmten Fällen auch Menschen die Interaktionen überprüfen würden - so stehe es in den Richtlinien.

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