Mit 15 Jahren schrieb Michael Patrick Kelly, damals besser bekannt als Paddy, den Welthit "An Angel", den er im Duett mit seinem Bruder sang. Als Mitglied der Kelly Family wurde er in den 90er Jahren zum Teenie-Idol. Inzwischen ist der 48-jährige Singer-Songwriter als Solokünstler erfolgreich, mit seinem aktuellen Album "Traces" kommt er am 31. Juli in die Wiener METAStadt.
"Meine Band und ich werden zwei bis drei Stunden eine Mischung aus gefühlvollen Piano-Balladen, tanzbaren Partymomenten, Folk-Songs, aber auch kraftvollen Rocknummern spielen. Ein emotionales Highlight war bisher oft ein Lied, das ich mit Band komplett a capella auf einer B-Stage mitten im Publikum singe", verspricht er im "Heute"-Gespräch.
Das Besondere: "Bei all meinen Konzerten gibt es auch eine Schweigeminute für den Frieden. Die wird von der 'PeaceBell' eingeläutet. Das ist eine tonnenschwere Glocke, die aus Kriegsschrott gegossen wurde. Der Klöppel ist ein G3-Gewehr. Es ist unbeschreiblich, wenn tausende Menschen mitten in einem Pop-Rock Konzert gemeinsam schweigen und damit ein Zeichen für den Frieden setzen. Das ist für mich ein absoluter Gänsehaut-Moment."
Nach dem großen Erfolg der Kelly Family und bevor er als Solo-Künstler durchstartete, lebte der Musiker sechs Jahre lang als Mönch. "Es hat einen Einschnitt gebraucht, um aus dem frühen Erfolg und allen Konsequenzen eines Aufwachsens in der Öffentlichkeit gefestigt herauszukommen", erklärt er.
Die Auszeit "hat mir geholfen, meine Vergangenheit zu verarbeiten und einen 'Reset' für mein Leben zu bekommen. Vor der Klosterzeit fühlte ich mich so wie ein Computer mit zu vielen Viren und Bugs. Ich hatte 'Fame and Fortune', aber war innerlich leer. Diese zurückgezogene Zeit hat mir jedenfalls geholfen, meinen inneren Frieden zu finden, und daraus entstand eine zweite Chance – das ist das jetzige Kapitel als Solo-Musiker."
Sein Werdegang ist nicht alltäglich, darüber ist sich der Star bewusst. "Ich bin ein normaler Mensch mit einem unnormalen Leben." Wenn er nicht gerade singt oder schreibt, sucht er Stille und die Natur. "Musik ist aber so sehr in meiner DNA, dass ich sie nicht ersetzen könnte. Mein Beruf hat mir zudem viele spannende Begegnungen mit Menschen und Kulturen ermöglicht. Musik ist so etwas wie ein All-Access-Pass zu den Herzen der Menschen, die sich öffnen."
Seine Schwester Maite Kelly hat den Sprung als Solo-Künstlerin ebenfalls geschafft, sie ist als Schlagersängerin erfolgreich. Die Beziehung zu ihr ist liebevoll. "Grundsätzlich herrscht in meinen geschwisterlichen Beziehungen Harmonie und Frieden. Es gibt Geschwister, mit denen ich häufiger Kontakt habe, und im Alltäglichen etwas enger verbunden bin, als mit anderen, aber das ist normal und ergibt sich in jeder Großfamilie."
Für Paddy Kelly, der mit seiner Jugendliebe verheiratet ist, spielt auch der Glaube eine große Rolle in seinem Leben. "Es ist sowohl das Fundament meines Lebens, und auch eine wertvolle Quelle meiner künstlerischen Inspiration. Ich nehme mir zum Beispiel jeden Tag eine bestimmte Zeit für Stille und Gebet, und genau daraus entstehen oft die besten kreativen Ideen." Dafür hat er auch prominente Vorbilder, wie Bruce Springsteen, Bob Dylan und die Band U2 – "Menschen und Künstler mit einer spirituellen Ader".
"Ich kenne übrigens sehr wenige Artists, die gar keine Öffnung für das Transzendente, den höheren Sinn, das Unbegreifliche haben. Von Bruno Mars, über Rosalia bis zu Selena Gomez spielt das Thema Spiritualität und der Glaube bei ganz Vielen eine zentrale Rolle. Man kann ja in der Musik Momente erleben, die wie eine Art mystische Erfahrung sind", findet er.