Migranten an Schulen: Elternverein schlägt Alarm

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid in einer Schule
Bildungsministerin Sonja Hammerschmid in einer SchuleBild: Sabine Hertel
In einem offenen Brief an Politiker kritisieren Elternvereins-Chef und Bundesschulsprecher "Integrationsversagen", fordern Reformen.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SP), Integrationsminister Sebastian Kurz (VP) und die 183 Nationalratsmandatare haben heute Post erhalten. Die Freude darüber dürfte sich aber in Grenzen halten. Die Absender – Bundesschulsprecher Harald Zierfuß, Elternvereins-Präsident Gernot Schreyer und die Lehrergewerkschaft kritisieren darin ein Integrationsversagen im Schulwesen.

Im Brief heißt es: "Österreichs Schulwesen ist mit Integrationsaufgaben konfrontiert, die OECD-weit ihresgleichen suchen. Die Gründe dafür: Österreich ist seit vielen Jahren eines der führenden Einwanderungsländer Europas, eine ernstzunehmende Integrationspolitik wurde in Österreich aber erst um Jahrzehnte zu spät in Angriff genommen."

Schulen bei Integration alleingelassen

Schulen seien bei ihren Integrationsaufgaben bisher "weitestgehend alleingelassen" worden. Daher fordern die Verfasser "tiefgreifende Maßnahmen, die diesen Herausforderungen gerecht werden und dem Schulwesen die Möglichkeit geben, diese im Interesse der Jugend und einer Zukunft in Frieden und Wohlstand zu meistern". Reformmaßnahmen müssten dort gesetzt werden, "wo sie wirklich notwendig sind".

Diese Punkte sollen das Versagen dokumentieren:

-) Der Anteil der 15-Jährigen mit Migrationshintergrund in Österreich ist im vergangenen Jahrzehnt um mehr als 50 % gestiegen.

-) Jeder zweite 15-Jährige mit Migrationshintergrund ist erst während seiner Schulzeit nach Österreich gekommen.

-) Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Unterrichtssprache nicht als Umgangssprache sprechen, wird seit vielen Jahren von Schuljahr zu Schuljahr größer.

-) Inzwischen spricht fast jeder vierte Schüler außerhalb der Schule nicht oder zumindest nicht in erster Linie Deutsch.

-) In Österreich weisen 10-Jährige mit Migrationshintergrund in ihrem Leseverständnis einen durchschnittlichen Leistungsrückstand von fast zwei Jahren auf.

-) Fast jeder zweite 10-Jährige mit Migrationshintergrund erreicht die Bildungsstandards in Mathematik nicht oder nur teilweise.

-) Die Arbeitslosenquote 20- bis 29-Jähriger, die nach Österreich zugewandert sind, ist fast doppelt so hoch wie die der jungen Menschen, die in Österreich geboren sind.

"Nicht mit Finnland oder Südtirol vergleichbar"

"Österreichs Schulen ist nicht damit gedient, wenn sie mit denen Finnlands oder Südtirols verglichen werden, die diese Aufgaben nur in vergleichsweise mikroskopischer Größe kennen und mit finanziellen Ressourcen ausgestattet sind, von denen Österreichs Schulen nur träumen können", heißt es im Brief weiter. Die derzeitige Situation erlaube kein weiteres Zuwarten.

Und abschließend: "Sie tragen aufgrund Ihres Ministeramts bzw. Ihres Mandats eine hohe Verantwortung für Österreichs Jugend und Zukunft. Wir appellieren an Sie, angesichts der Situation, die wir Ihnen mit diesem offenen Brief vor Augen geführt haben, Ihrer politischen Verantwortung gerecht zu werden."

(bob)

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