Nach dem bewaffneten Millionen-Raub im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Zwei Männer hatten am Donnerstag ein mehrere Millionen Euro teures Collier aus der Ausstellung "Glanzstücke" gestohlen und sind anschließend zu Fuß in Richtung Stadtpark geflüchtet.
Die Wiener Kriminalpolizei hält sich bei Details bislang sehr bedeckt. Die Ermittler wollen sich offenbar nicht in die Karten schauen lassen. Nach "Heute"-Informationen sind inzwischen jedoch zahlreiche Hinweise auf die beiden Täter eingelangt.
Diese werden nun akribisch geprüft. Die Polizei versucht, aus Spuren, Zeugenaussagen und Videoaufnahmen ein möglichst genaues Bild der Flucht und der Identität der Männer zusammenzusetzen.
Die Kriminalpolizei ermittelt und bittet nun auch die Bevölkerung um Mithilfe. Hinweise zu den Tätern oder zum Verbleib des gestohlenen Ausstellungsstücks werden – auch anonym – unter der Telefonnummer 01/31310/38200 entgegengenommen.
Bereits am Freitag sicherten Ermittler umfangreiches Material im Museum. Neben Aufnahmen der dortigen Überwachungskameras werden auch Kameras aus der Umgebung des MAK, von Straßenzügen sowie aus U-Bahn-Stationen ausgewertet.
Die Spur der beiden Männer verliert sich derzeit im Bereich des Stadtparks, unmittelbar neben dem Museum. Ob sie dort in ein Fluchtfahrzeug stiegen, öffentliche Verkehrsmittel nutzten oder ihren Weg zu Fuß fortsetzten, ist weiterhin Teil der Ermittlungen.
Auch die Frage, wie die Täter ihre Eintrittskarten bezahlten, könnte für die Ermittler eine wichtige Rolle spielen. Die Männer hatten das Museum nicht etwa gewaltsam betreten, sondern regulär Tickets gekauft und die Ausstellungsräume besucht.
Einer der Täter war zudem bewaffnet. Laut Polizeisprecherin Anna Gutt dürfte es sich bei der gezeigten Waffe vermutlich um eine echte gehandelt haben. Abgefeuert wurde sie nicht, der Mann soll sie jedoch offen gezeigt haben, um sich den Weg freizumachen.
Ob hinter der Tat ein gezielter Auftragsdiebstahl stecken könnte, lässt die Polizei derzeit offen. Wegen der laufenden Ermittlungen gibt es dazu keine weiteren Angaben.
Während die Fahndung läuft, verteidigt MAK-Direktorin Lilli Hollein das Sicherheitskonzept des Museums. Gegenüber dem ORF betonte sie, dass die Vorkehrungen für die Ausstellung gemeinsam mit Van Cleef & Arpels erarbeitet worden seien und den höchsten international üblichen Standards entsprochen hätten.
Die Schmuckstücke hätten sich in die Wände integrierten Sicherheitsvitrinen mit Panzerglas befunden. Absolute Sicherheit könne es bei einem gezielten bewaffneten Angriff während des laufenden Museumsbetriebs jedoch nicht geben.
Entscheidend sei gewesen, dass das Personal die Besucher geschützt und eine direkte Konfrontation mit den bewaffneten Tätern vermieden habe. "Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Das ist das Wichtigste", sagte Hollein laut ORF.
Das MAK und auch die betroffene Ausstellung sind mittlerweile wieder geöffnet. Welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen gesetzt wurden und wie hoch das Schmuckstück versichert war, beantwortet das Museum aus ermittlungstechnischen Gründen nicht.
Kunstexperte Otto Hans Ressler bezweifelt laut ORF, dass es sich um einen klassischen Auftragsdiebstahl gehandelt habe. Er befürchtet vielmehr, dass die Täter die Edelsteine aus dem Collier lösen und den Rest einschmelzen könnten, um die Bestandteile einzeln zu verkaufen.
Für die Ermittler zählt jetzt jede Spur. Die eingelangten Hinweise werden derzeit überprüft – und könnten im besten Fall direkt zu den beiden gesuchten Männern führen.