Minderjährige bekam Zwillinge von Pfarrer

(Symbolbild) Der Kaplan schwängerte die damals 17-Jährige.
(Symbolbild) Der Kaplan schwängerte die damals 17-Jährige.Bild: picturedesk.com

Die "Plattform Betroffener von kirchlicher Gewalt" erhebt schwere Vorwürfe gegen ein Kinderheim in Hollabrunn sowie einen dort einst tätigen Geistlichen.

Auf seiner Seite schildert die "Plattform Betroffener von kirchlicher Gewalt" das Schicksal einer früheren Klosterschülerin in einem Erziehungsheim in Hollabrunn. Die Frau, die in der Schilderung der Plattform nur "Clara" genannt wird, war dort Anfang der 1990er Jahre untergebracht. Nach sexuellem Missbrauch durch einen dortigen Kaplan wurde sie im Alter von 17 Jahren schwanger.

Clara stammt aus Bulgarien und wurde bereits als Kind Opfer sexuellen Missbrauchs durch ihren Vater. Mit 13 Jahren kam sie in ein katholisches Nonnen-Heim in Hollabrunn. Vom dortigen Kaplan sei sie ebenfalls über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig sexuell missbraucht worden.

Bei der ersten Beichte, so sagt die heute 41-jährige Frau, habe er gesagt: "Deine Sünden werden dir nicht vergeben. Vorher musst du mir noch einen blasen." Danach habe er das Mädchen regelmäßig sexuell missbraucht. "Er wartete mit seinem Auto beim Friedhof auf mich. Er hat gesagt: Wenn ich es jemandem sage, bringt er mich um." Sie wandte sich jetzt erst mit neuen Vorwürfen an die Klasnic-Kommission, eine kirchliche Opferschutzeinrichtung.

Hochschwanger verprügelt, bis Fruchtblase platzte

Im Alter von 17 Jahren wurde Clara schließlich schwanger und erwartete Zwillinge, der Kaplan ist in der Geburtsurkunde sogar als Vater angegeben. Sie sei auch von den Nonnen misshandelt worden, schildert sie weiter. Eine Nonne habe sie so lange geschlagen, bis ihre Fruchtblase platzte.

"Sie wollten, dass ich eine Totgeburt erleide", glaubt Clara. Die Klosterschwester habe zu ihr gesagt, es sei besser wenn die Kinder sterben, sonst bringe es dem Kloster nur Schaden. Die beiden Mädchen kamen als Frühgeburten zur Welt, überlebten aber.

Die Plattform, die in Claras Namen die Anschuldigungen erhebt, wirft zudem Kardinal Christoph Schönborn vor, die junge Mutter allein gelassen zu haben, als sich diese an ihn wandte. Nur der Kaplan sei an eine andere niederösterreichische Gemeinde versetzt worden. Clara sagt weiter, sie sei von der Kirche dazu gedrängt worden, ihre Mädchen zur Adoption freizugeben.

Kirche wehrt sich

Ein "Verhältnis" zwischen der jungen Frau und dem Kaplan ist der Erzdiözese Wien bekannt. "Die Frau hat damals angegeben, dass es sich um eine freiwillige Beziehung gehandelt hat", sagt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien dem "Kurier". "Heute sehen wir eine derartige Beziehung mit Minderjährigen natürlich auch kritischer", betont er.

Heute würde in so einem Fall rigoroser vorgegangen werden, erklärte auch Kardinal Schönborn. Dieser habe das Mädchen damals zudem nicht im Stich gelassen, wie diese behauptet. Vielmehr habe er erwirkt, "dass der Priester seine Kinder anerkennt und seinen Unterhaltspflichten nachkommt, was für die junge Mutter sehr wichtig war", heißt es von der Erzdiözese.

Eizellen entnommen?

Clara schildert außerdem, dass ihr und weiteren jungen Frauen in schmerzhaften gynäkologischen Prozeduren Eizellen entnommen worden seien. "Wir brauchen eure Eier, auch andere Frauen möchten schwanger werden", soll der Gynäkologe damals gesagt haben.

Der Sprecher der Erzdiözese bestreitet das vehement: "Derartige Vorwürfe haben wir noch nie gehört." Zudem stellt die Kirche klar: Der betroffene Priester sei erst im April 1994 in die Erzdiözese Wien gekommen und könne erst danach im betroffenen Landesschulheim Dienst getan haben. Dies sei knapp vor dem 17. Geburtstag der Betroffenen gewesen, strafbare Handlungen hätten daher "zweifelsfrei nicht stattgefunden".

Es gehe nicht darum, "die jedenfalls problematische Beziehung eines Priesters zu einer 17-Jährigen zu bagatellisieren, aber der suggerierte und nach österreichischem Recht strafbare Kindesmissbrauch durch den Priester hat zweifelsfrei nicht stattgefunden", heißt es in einer Stellungnahme der Erzdiözese gegenüber der APA. (red)

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