Papa von "Mini-Hirscher" kritisiert Regierung für Chaos

Roland Stocker mit seinem Sohn Luca.
Roland Stocker mit seinem Sohn Luca.zVg
Trainer-Papa Roland Stocker ärgert das Regierungs-Chaos in Sport und Schule. Sein Sohn, "Mini-Hirscher" Luca, darf im Lockdown nicht trainieren.

Ein Carving-Video, aufgenommen von Papa und Trainer Roland Stocker, machte Luca Stocker im Februar zur Internet-Sensation. Mehr als eine Million Ski-Fans staunten über die Schwünge des Neunjährigen. Im "Heute"-Talk schwärmte er über seine "Popokurven", die ihm die Welt bedeuten. Jetzt stehen die Skier in der Ecke. Der Kärntner darf nicht trainieren.

Verlorene Generationen?

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel warnt: "Da gehen ganze Generationen verloren." Der 79-Jährige sorgt sich um die Nachwuchssportler. Im zweiten Corona-Lockdown dürfen viele nicht trainieren. Stocker stimmt Schröcksnadel zu: "Diese Talente leiden extrem darunter und hängen in der Luft. Einige werden aufhören."

Der Coach kritisiert die Entscheidung der Bundesregierung: "Am Mölltaler Gletscher wurde alles eingehalten. Auf der Piste steckt sich keiner an. Wir sind nicht die, die zum Après-Ski gehen …" Sein Vorwurf: "Es hätte andere Möglichkeiten gegeben. Aber uns Trainer hat niemand gefragt. Ab 15 Jahren aufwärts dürfen sie fahren. Die Grenze wurde nie begründet. Wir können es alle nicht fassen."

Kritik an Zustand in Schulen

Der Mittelschullehrer fühlt sich dem Virus im Beruf "ausgeliefert". "Die versprochenen FFP2-Masken haben wir nie gesehen. Wir wollten auch unbedingt eine Grippe­impfung. Nach zwei Tagen war sie aus. Auch die Digitalisierung ist ohne Mittel vom Staat nicht umsetzbar."

Stocker: "Auch in der Schule ist vieles verboten. Sport darf nur in Kleingruppe gemacht werden. Oder eigentlich Kleinstgruppen, fünf bis sechs Kinder. Alles mit Abstand, kein Kontakt erlaubt. Das nimmt die Kinder auch ziemlich mit, das merke ich als Lehrer natürlich. Die Kinder fragen mich, Herr Stocker, können wir nicht was machen?"

In einer Mittelschule in Klagenfurt unterrichtet der "begeisterte Sportlehrer" 11- bis 15-Jährige. Die Kinder dürfen sich teils nicht einmal umziehen: "Es ist schwierig, weil alles eingeschränkt ist. Fußball, Basketball und die Klassiker sind alle mehr oder weniger verboten. Jetzt muss man versuchen, Kindern Dinge wie Yoga schmackhaft zu machen. Nichts gegen Yoga, aber Kinder vermissen die Spiele, sie bewegen sich gerne. In diesen Kleingruppen ist es schwierig, etwas Lustiges auf die Beine zu stellen."

Was er nicht versteht: "In einem Turnsaal mit 25 Kindern ist das etwas anderes als in einem Klassenraum mit 25. Man braucht auch nicht glauben, dass sich die Kinder in der Pause immer an alle Vorgaben halten. Das sind Kinder. Die haben sich gerne, umarmen sich. Die verstehen das über einen so langen Zeitraum nicht mehr."

Angesprochen auf die eigene Infektionsgefahr, sagt er: "Man fühlt sich als Lehrer in der Schule schon schutzlos ausgeliefert. So fühlen im Grunde alle Lehrer. Es ist zermürbend. Ich habe wegen der Masken die Gesichter mancher Kollegen schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Es müssen mehr Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Wir fordern durch die Lehrergewerkschaften auch, dass wieder mehr kommen muss. Der Schichtbetrieb hat ja schon einmal gut geklappt. Wenn es soweit kommen sollte (Schulschließungen bei weiteren Verschärfungen, Anm.), sollte zumindest das wieder eingeführt werden. Dann ist man nicht mehr mit Klassen von 25 bis 28 Kindern ausgeliefert."

Lockdown macht Luca traurig

Nach der Arbeit geht es heim zur Familie und Sohn Luca. Der Lockdown nahm dem "Mini-Hirscher", wie er liebevoll genannt wird, die Ski weg. Das setzt dem Neunjährigen zu, wie er "Heute"verrät: "Ich bin traurig und verstehe die Welt nicht. Jeden Tag ist Nebel, ich vermisse meine Berge und den Schnee, möchte das so sehr wieder sehen. Ich möchte so gerne Ski fahren, aber ich darf nicht."

Papa Roland ist enttäuscht: "Jetzt ist uns auch das Skifahren von der Liste gestrichen worden. Im Grunde darf man gar nichts machen." In den Herbstferien konnte die Familie nach Monaten ohne Schnee eine Woche Ski fahren. Dann folgte das Aus. "Als die Kinder am Lift erfahren haben, dass die Pisten wieder zusperren, haben sie geweint. Auch die Erwachsenen waren den Tränen nahe."

Die Eltern, so Stockers Geheimrezept, müssen sich jetzt noch mehr mit den Kindern beschäftigen. "Aber das ist nicht leicht, wenn man müde von der Arbeit kommt und es ist dunkel draußen." 

"Mini-Hirscher" Luca Stocker bei einer seiner "Popokurven".
"Mini-Hirscher" Luca Stocker bei einer seiner "Popokurven".zvg

Nicht nur im Skisport hängen die jüngsten Talente coronabedingt in der Luft. "Heute" hat den Überblick. Fußball: Die Topligen der U15 aufwärts laufen weiter. Eishockey: Alle Bewerbe unter der U16 liegen auf Eis. Tennis: Für mehr als 350 Spieler gilt das Hallenverbot nicht. Darunter auch die fünf besten der U12 und die Top-20-Asse der U14 aufwärts. Handball: Jugendspieler aus den Schul-Leistungszentren dürfen trainieren.

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