Das Urteil hinterlasse einen schalen Nachgeschmack, räumte sogar der Richter ein – es handle sich um einen Freispruch im Zweifel: Jener Ex-Camp-Leiter, dem der Missbrauch eines Neunjährigen in einem Ferienlager im Jahr 2009 vorgeworfen wurde, geht (nicht rechtskräftig) frei.
Der Prozess gegen den 74-Jährigen war im Oktober nach einer Panne vertagt worden, da die DVD mit der Vernehmung des angeblichen Opfers am Landesgericht Innsbruck nicht auffindbar war. Die Staatsanwältin bezeichnete dessen Vorwürfe als "absolut glaubwürdig", doch reichte die Aussage gestern nicht für einen Schuldspruch.
"Natürlich ist es extrem schwierig, nach so langer Zeit etwas zu beweisen", so Opfer-Anwalt Nikolaus Rast. Er hofft nun, dass anhand eines Fotos vom Camp noch ein zweiter Verdächtiger identifiziert werden kann. Kinderschutz-Aktivist Roberto d'Atri vom Bündnis Kinderschutz Österreich bezeichnete das Urteil als "bodenlose Frechheit".