Gestern um drei Uhr früh: In der Kärntner Straße jagt Tom Cruise einen Chevrolet in die Luft. Sechs Stunden später lässt Michael Spindelegger nur 100 Meter davon entfernt in der Himmelpfortgasse die ÖVP implodieren.
Zweimal "Mission: Impossible" in Wien, einmal mit Drehbuch (Cruise), einmal Stegreif. Mit Spindelegger geht der vierte VP-Obmann in acht Jahren. Gebeutelt durch den Tod seines Vaters (den er Samstag beerdigen musste), zermürbt durch Parteiintrigen, am Ende allein, umgeben von ein paar Vertrauensleuten. Ein Ende mit Schrecken, immerhin besser als ein Schrecken ohne Ende. Spindelegger wirkte gestern gelöst. Tatsächlich hinterlässt er die ÖVP als unführbare Partei, regiert von Landeskaisern, gefesselt durch eine Bündesystem, ideologisch so stark taumelnd, dass sich schwer eine Richtung erkennen lässt. Mitterlehner übernimmt eine "Mission: Impossible". Die ÖVP ist nur in Kanzlerschaft zur Geschlossenheit fähig (zuletzt unter Schüssel), das scheint unerreichbar. Als Spindelegger im April 2011 gewählt wurde, ging eine halbe Stunde später am VP-Buffet die Debatte los: War unsere Wahl richtig?