Mit den Nokia-Managern in der Sauna diskutieren

Manager von HMD Global erzählen über die ersten eineinhalb Jahre, in denen sie die Marke Nokia zurückgebracht haben. (Video: 20M)
Manager von HMD Global erzählen über die ersten eineinhalb Jahre, in denen sie die Marke Nokia zurückgebracht haben. (Video: 20M)
Nokia ist Kult – auch nach der Übernahme durch HMD Global. Ein Besuch in Helsinki, wo man mit Managern in der Sauna geschwitzt hat.
Die Temperatur steigt. Auf der Stirn bilden sich immer mehr Schweißperlen. Der Pool bietet Abkühlung. Dann beginnt das Spiel wieder von vorn. Journalisten aus ganz Europa sitzen gemeinsam mit den Gastgebern in einer Sauna inmitten der finnischen Hauptstadt.

"Löyly nennen wir das", erklärt einer der Finnen gegenüber "20 Minuten". Damit ist der Moment gemeint, wenn das Wasser auf die heißen Steine gegossen wird und Wasserdampf entsteht. Mit der Zeit stellt sich ein wohliges Gefühl ein. Kein Wunder, ist Saunieren tief in der finnischen Kultur verankert.

Erfolgreiche Rückkehr

Der Grund für die ungewohnte Szene ist ein Besuch beim Start-up HMD Global, das sich die exklusiven Rechte an der Marke Nokia gesichert hat. Nach einer längeren Zeit als Marktführer und dem Verkauf an Microsoft im Jahr 2014 verschwand Nokia für einige Zeit von der Bildfläche. Seit eineinhalb Jahren ist die Marke wieder zurück.

Drei-Fragen-Interview mit Pekka Rantala, Marketingchef von HMD Global

War es schwierig, als Start-up in einen so hart umkämpften Markt einzusteigen?
Ja, durchaus, aber wir konnten im letzten Jahr bereits mehr als 70 Millionen Handys verkaufen. Und dies in einem Markt, der nicht mehr wächst. Wir konnten also von anderen Herstellern Marktanteile gewinnen. Wir werten das als Zeichen dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind, bleiben aber auf dem Boden.

Was können wir von HMD Global in nächster Zeit erwarten?
Wir haben in den ersten 18 Monaten 20 neue Handys auf den Markt gebracht – also mehr als ein Neues pro Monat. Wir werden das Portfolio erneuern und erweitern, aber auch in verschiedenen Bereichen Innovationen bringen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Handybranche?
Ich denke, wir leben in einer sehr interessanten Zeit. Es gibt in der westlichen Welt, aber auch in China viele Firmen, die etwas bewegen. Mittelfristig denke ich, dass Sprachsteuerung immer wichtiger wird. Wir werden mehr und mehr mit unseren Handys sprechen und sie werden uns antworten, statt dass wir auf den Bildschirm schauen.

Geschichte von Nokia

"Kann jemand den Handy-König einholen?", fragte "Forbes" 2007 auf dem Cover. Damals waren die Finnen unangefochtene Marktführer. Doch man verschlief den Einstieg ins Smartphone-Geschäft. 2014 verkauften die Finnen die Handy-Sparte an Microsoft. Im Mai 2016 trat der US-Konzern das Telefongeschäft an HMD Global ab. Nach Angaben des Start-ups wurde bereits eine Marktkapitalisierung von über einer ­Milliarde Dollar erreicht.
Auf die Frage, ob es ein großer Vorteil war, beim Neustart über eine so bekannte Marke zu verfügen, erklärt Marketingchef Pekka Rantala: "Ja, definitiv. Das macht einen großen Unterschied." Der Finne war selber 17 Jahre lang bei Nokia tätig und stieg als Mitarbeiter Nummer drei wieder bei HMD Global ein.

CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Beim Comeback wollte Rantala auf jeden Fall mit dabei sein: "Ich empfand es als eine einmalige Gelegenheit, Teil des Teams zu sein, das die Marke Nokia zurückbringt." Zwar gibt es einige Dinge, die ihn an die Zeit von früher erinnern, vieles sei bei HMD Global aber völlig neu.

Neustart aus dem Nichts

Jon French war der letzte Mitarbeiter, der noch bei der alten Mobiltelefon-Division von Nokia angestellt wurde. Er stieg genau eine Woche vor dem Verkauf des Handy-Geschäfts an Microsoft ein. Nach Zwischenstationen bei HTC und Beats by Dre ist er seit 18 Monaten für den westeuropäischen Markt von HMD Global verantwortlich.

Unser Ziel ist es, weiterhin einer der weltweit wichtigsten Handyhersteller zu sein", sagt French. Dies könnte durchaus gelingen, denn das Unternehmen hat es bislang – trotz rasantem Wachstum – geschafft, seine Start-up-Kultur zu erhalten.

Das Digital-Telegramm 2018:

(swe)

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