Mitterlehner rechnet in neuem Buch mit Kurz ab

Fast zwei Jahre nach Reinhold Mitterlehners Ende als VP-Chef erscheint am Mittwoch sein Buch "Haltung". Darin rechnet er mit der "neuen" ÖVP ab.
Am 10. Mai 2017 schmiss Reinhold Mitterlehner als VP-Chef hin. Am Mittwoch erscheint sein Buch "Haltung", geschrieben von Barbara Tóth ("Falter"). Es ist die erwartete Abrechnung mit der "neuen" VP (deren Mitglied er aber immer noch ist). Mitterlehner gibt vielen (sich nicht) die Schuld am Polit-Ende, wirft vielen (anonym) vieles vor.

208 Seiten, 14 Kapitel: Das ist "Haltung – Flagge zeigen in Leben und Politik". "Heute" hat es vorab für Sie gelesen. Mitterlehner über:

Sein Buch



"Das Buch trägt den Titel 'Haltung', weil ich mich Zeit meines Lebens darum bemüht habe, meine Linie durchzuziehen. Es ist auch ein Buch gegen das Verschweigen."

Seinen Bruch mit Kurz



CommentCreated with Sketch.89 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Ich sollte für ihn die Koalition aufkündigen und den Schwarzen Peter nehmen, damit er unbefleckt in Neuwahlen gehen könne … Ich sagte ihm sinngemäß: 'Wenn ich den Koalitionsbruch provoziere und es geht schief, hält mich jeder in der Partei für einen Wahnsinnigen. Wenn wir die Wahlen verlieren oder wieder Zweiter werden, die Konstellation also gleich bleibt oder wir gar nicht mehr in der Regierung sind, genauso. Gewinnst du tatsächlich … bleibt über, dass du der Sieger bist, der Mitterlehner aber der Sprengmeister war. Also was soll das für eine Option sein?' Kurz sagte, er verstünde das und akzeptiere es. Aber ich sei ab jetzt mit meinen Problemen alleine und müsse die volle Verantwortung tragen – der endgültige Bruch."

Kurz' Machtübernahme



Mitterlehners Buch "Haltung" (Foto: Ecowin Verlag)
Mitterlehners Buch "Haltung" (Foto: Ecowin Verlag)
"Es wurde publik gemacht, ich hätte meine Partei, allen voran Sebastian Kurz und sein Team, mit meinem Rücktritt völlig überrascht und nahezu überrumpelt. In dankenswerter Weise hätte er daraufhin die Partei in ihrer schwierigen Lage übernommen. Als dann jene geheimen Unterlagen auftauchten, die zeigten, dass Kurz und seine Vertrauten sich bereits seit mehr als einem Jahr minutiös auf die Übernahme des Parteivorsitzes und der Partei vorbereitet hatten… schob man als zweiten Erklärungsansatz nach: 'Wenn er das schon übernehmen musste, sei es wohl klar, dass er sich auch entsprechend darauf vorbereitet hätte.'"

Seinen Rücktritt



"Bis dahin hatte außer mir selbst niemand, auch meine Familie nicht, etwas von dem exakten Termin gewusst. Um 11.45 Uhr informierte ich den Bundespräsidenten und den Bundeskanzler (Christian Kern, Anm.) von meinem Vorhaben."

Seine Rede bei der Rücktritts-Pressekonferenz



"Es war eine schwierige Rede und ein Schlüsselmoment in meinem politischen Leben, gleichzeitig war sie jedoch auch befreiend … Für mich persönlich markierte der Tag den Abschied von meinem bisherigen beruflichen und politischen Leben und zugleich den Aufbruch und die Reise in eine neue Lebensphase."

Abschiedsrede am Parteitag



"Das vom Publikum dort erhoffte 'Schwamm drüber, Politik ist halt, wie sie ist' schien mir falsch, eine Totalabrechnung hätte mir nichts genützt und der Partei schwer geschadet, also wählte ich einen Mittelweg ohne persönliche Vorwürfe."

Verhältnis Politiker und Journalisten



"Da sind zum einen die Politiker, die von Journalisten eine bestimmte Berichterstattung erreichen wollen, und zum anderen die Medienmacher, die von Politikern Geld für Inserate und Kampagnen und Kooperationen einfordern und mit positiven oder negativen Schlagzeilen drohen." (Hier bringt er ein Beispiel aus 2009, ohne "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner namentlich zu nennen, Anm.)

Die neue VP



"Wahlstrategisch ist es eine richtige Entscheidung, fast ausschließlich auf zentrale Steuerung zu setzen. Aber wenn man von der Partei zur Wahlbewegung, ja zum Wahlverein wird, macht man sich personell vollständig abhängig von einer einzelnen Person."

Die neue VP reagierte gelassen: "Natürlich gibt es beim Blick auf die Vergangenheit immer unterschiedliche Perspektiven. Gerade in diesem Fall ist das offensichtlich", so VP-General Nehammer.

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