Minirock, lange Röcke und dann wieder Minirock: Dass Mode in Zyklen verläuft, ist in der Branche seit Langem bekannt. Doch jetzt wurde dieser Trend erstmals mathematisch belegt.
Ein US-Forschungsteam der Northwestern University in Illinois hat 37.000 Bilder von Frauenkleidern aus dem Zeitraum von 1869 bis heute analysiert. Dabei verwendeten sie historische Schnittmuster aus einem Archiv der University of Rhode Island sowie Abbildungen von Modenschauen.
Wie spiegel.de berichtet, stellte das Team seine Ergebnisse bei einem Kongress der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft in Denver vor. Die Forschenden machten wichtige Merkmale wie Saum, Ausschnitt und Taillenhöhe numerisch messbar und damit vergleichbar.
"Unseres Wissens ist dies das erste Mal, dass jemand eine so umfassende und präzise Datenbank mit Modemaßen aus mehr als einem Jahrhundert erstellt hat", sagt die an der Studie beteiligte Mathematikerin Emma Zajdela. Der in der Branche vermutete 20-Jahres-Zyklus für bestimmte Schnitte habe sich in der Analyse bestätigt.
Designer bewegen sich laut den Forschenden von einem gewissen Schnitt weg, sobald dieser zu weit verbreitet ist - allerdings zunächst nicht so weit, dass der Ausgangsschnitt untragbar werde. So schwinge das Pendel mit der Zeit hin und her.
Als Beispiel nennen die Wissenschaftler die sogenannten Flapper Dresses aus den Zwanzigerjahren mit kurzen Röcken. Bis in die Fünfzigerjahre wurden diese von konservativeren Rocklängen abgelöst, bevor in den Sechzigern der Minirock zurückkehrte.
Seit den Achtzigerjahren seien die Muster weniger klar, so das Team. "Früher gab es nur zwei Möglichkeiten - kurze Kleider und lange Kleider", erklärt Zajdela. "In den vergangenen Jahren gibt es mehr Auswahl: sehr kurze Kleider, bodenlange Kleider und Midi-Kleider. Mit der Zeit hat die Vielfalt zugenommen und die Konformität abgenommen."