Mord in Gerasdorf: Kadyrow sieht Verschwörung gegen ihn

Tschetscheniens-Präsident Ramsan Kadyrow während einer Corona-Krisensitzung am 26. Mai 2020
Tschetscheniens-Präsident Ramsan Kadyrow während einer Corona-Krisensitzung am 26. Mai 2020picturedesk.com/TASS/Chechnya Administration Press Office
Nach dem blutigen Mord in Gerasdorf am Samstagabend hat nun erstmals Tschetschenen-Präsident Ramsan Kadyrow eine Stellungnahme abgegeben.

Kadyrow hat sein tagelanges Schweigen endlich gebrochen und auf den Mord an dem gebürtigen Tschetschenen Martin B., im Netz auch bekannt als "Ansor aus Wien", in Gerasdorf reagiert. In seiner Stellungnahmen beklagt der Präsident der russischen Teilrepublik, dass Exilblogger von westlichen Geheimdiensten aufgehetzt und instrumentalisiert würden, um ihm und Russland zu schaden.

"Ich habe gewartet und beobachtet, wie sich die Gerüchte rund um die Ereignisse in Wien entwickeln. In Folge habe ich mich noch einmal von einer voreingenommenen Informationsmaschine überzeugen können. Sie hat die These einer Beteiligung von mir verbreitet, ohne dass es offizielle Erklärungen der Ermittlungsorgane geben würde", wird Kadyrow in einem Bericht des ORF zitiert. Seine Stellungnahme wurde in Russisch über den Chat-Dienst Telegram verbreitet.

"Ansor auf Wien" sei, ebenso wie der in Frankreich ermordete Blogger "Alter Mansur", Opfer von Russland-feindlichen Geheimdiensten geworden. Diese "Marionetten" würden ihr Leben genau so beenden. "Sobald sich Menschenrechtsaktivisten 'Sorgen' um ein konkretes Menschenleben machen, geht dieses Leben bald zu Ende", so der Machthaber weiter.

"Paradoxon" durch Mord

Er pocht auf eine tschetschenische Tradition wonach man für Gesagtes zur Verantwortung gezogen werden könne. Durch den tödlichen Kopfschuss sei dies nun bei Martin B. nicht mehr möglich. Ein "Paradoxon", nennt Kadyrow das, und wettert weiter: "Bevor diese Hunde in Schande für jedes Wort zur Verantwortung gezogen werden können, werden sie von Mördern gerettet, die von Geheimdiensten bezahlt werden". Der Exilblogger hatte unter anderem Kadyrows Mutter wüst beschimpft.

Kadyrow, dessen Regime selbst von schweren Menschenrechtsverletzungen, Korruption und einem bizarrem Personenkult geprägt ist, setzte im Anschluss daran noch eine Warnung an "vernünftige Menschen". Sie sollten sich nicht von Geheimdiensten als "Verbrauchsmaterial" ausnutzen lassen: "Werdet keine Marionetten, kümmert Euch um Eure Familien. Sonst erwartet auch Euch ebenso dieses Schicksal. Beschuldigen wird man dann erneut Kadyrow und seine Mannschaft."

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