Mit Videos über Frauenrechte und den Umgang mit Religion erreicht Nur El-Huda mehr als 100.000 Menschen auf TikTok und Instagram. Die gebürtige Deutsche mit libanesischen Wurzeln setzt sich gegen religiösen Extremismus ein - und zahlt dafür nach eigenen Angaben einen hohen Preis.
Vor allem seit sie ihren Hijab nach 17 Jahren abgelegt hat, sei sie Ziel massiver Anfeindungen geworden. Im Interview erzählt sie, dass ihre Entscheidung zunächst positiv aufgenommen worden sei. Kurz darauf habe jedoch eine Hetzkampagne begonnen.
Besonders belastend seien die Drohungen, die sie über soziale Netzwerke erhalte. "Sehr konkret. Die Drohungen erreichen mich über Direktnachrichten, Kommentare und Livestreams. Da heißt es etwa, mein Blut sei 'halal', also erlaubt. Oder es wurden Bilder mit Messern gepostet", erzählt sie im Interview mit der "Kronen Zeitung".
Selbst ihre Familie sei unter Druck gesetzt worden. "Meinem Bruder richteten sie aus, dass sie mich, wäre ich ihre Schwester, getötet hätten", wird die Influencerin in der "Krone" zitiert.
Mit ihren Beiträgen will El-Huda vor allem junge Musliminnen ermutigen, religiöse Inhalte kritisch zu hinterfragen. Ihrer Ansicht nach würden radikale Prediger in sozialen Netzwerken zunehmend Einfluss auf Jugendliche gewinnen und ein traditionelles Frauenbild verbreiten.
Jungen Mädchen rät sie in der "Kronen Zeitung" deshalb: "Füllt eure Wissenslücken selbst, bevor es ein extremistischer Hassprediger für euch tut. Konzentriert euch auf eure Schule und eure Zukunft. Und wenn Religion für euch wichtig wird, dann setzt euch selbst mit ihr auseinander. Lest den Koran und bildet euch selbst eine Meinung."
Auch von der Politik fordert sie ein entschiedeneres Vorgehen gegen radikale Prediger. Gleichzeitig brauche es mehr Präventionsarbeit an Schulen, mit Eltern und in sozialen Medien.
Trotz der Drohungen bereut sie ihre Entscheidung nicht. "Nein, keine Sekunde. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas ausgelöst habe. Immer mehr junge Muslime widersprechen den Hasspredigern", stellt sie in der "Krone" klar.
Ihr Ziel sei klar: "Wir wollen in einer demokratischen Gesellschaft leben. Wir wollen weder Scharia noch Kalifat. Wir wollen, dass Frauen respektiert werden und selbst über ihr Leben entscheiden können."