Am Montag begann am Straflandesgericht in Wien der Prozess gegen den Bierwirt. Ende April soll der Angeklagte in einem Gemeindebau in Wien-Brigittenau seine Ex-Freundin mit Schüssen getötet haben. Vor Gericht bekannte er sich schuldig.
Doch der 43-Jährige gab an, sich nicht an die Tat erinnern zu können: "Ich habe Tag und Nacht getrunken, das war ein Dauerzustand", sagte er beim Prozess. Der Angeklagte hat ein Team aus drei Verteidigern. Astrid Wagner vertritt die Opfer. "Die Tatwaffe hat ein Dealer bei mir im Geschäft vergessen, das war vor etwa einem Jahr", sagte der Tatverdächtige aus.
Am 29. April kam es im Winarskyhof in Wien-Brigittenau zur Tragödie. Zeugen hatten aus einer Wohnung im Gemeindebau Schüsse gehört. Wenig später wurde bekannt, dass der als "Bierwirt" wegen Beschimpfungen gegen Politikerin Sigrid Maurer (Grüne) unrühmlich bekannte Albert L. im Vollrausch auf seine Ex-Lebensgefährtin geschossen haben soll. Die 35-jährige zweifache Mutter starb in derselben Nacht an schweren Kopfverletzungen, "Heute" berichtete.
Die 35-Jährige hatte wenige Tage vor der Tat ihre Beziehung zu dem Angeklagten nach 15 Jahren beendet. Etwa eine Woche nach der Trennung tauchte der Angeklagte mit einer Pistole bewaffnet in der Wohnung seiner Ex-Freundin auf. Zum Tatzeitpunkt befanden sich neben der Frau noch ein Nachbar und dessen Tochter in der Wohnung. Dabei soll er zwei Schüsse auf die Frau abgefeuert haben. Trotz rascher Versorgung starb das Opfer wenig später im Krankenhaus.
In Unterhose und mit einer Flasche Wodka in der Hand wartete der 43-Jährige auf die WEGA, ließ sich widerstandslos festnehmen. Dann klappte der Betrunkene ohnmächtig zusammen, musste selbst ins Spital.
Der 29. April begann für ihn mit reichlich Alkohol, wie er vor Gericht aussagte. "Ich habe in der Früh beim Duschen eine Flasche Wodka getrunken." Dazu gab es Psychopax-Tropfen, "um die Wirkung vom Alkohol zu verstärken". Etwas später hatte er ein paar Schnäpse bei einem Freund. Zu Mittag gab es noch eine Flasche Wodka in seinem Geschäft. "Seit 16 oder 17 Uhr weiß ich nichts mehr. Ich hatte einen Filmriss. Ich bin erst im Spital wachgeworden."
Das Urteil im Mordprozess wird am 22. Dezember erwartet. Dem ehemaligen Besitzer eines Craft-Beer-Shops drohen wegen Mordes zehn bis 20 Jahre oder lebenslang. Zusätzlich zur Verurteilung beantragte die Staatsanwaltschaft die Unterbringung des Angeklagten in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.
Die Familie des Opfers ist ebenfalls im Gerichtssaal anwesend, teilweise müssen die Hinterbliebenen als Zeugen aussagen. Für Albert L. gilt die Unschuldsvermutung.
Darko und Marko, die Brüder des Opfers schildern gegenüber "Heute": "Kann es ein gerechtes Urteil geben, für das, was passiert ist? Und lebenslang heißt auch nicht lebenslang."