Moskito-Stich beschert Mann Eierschalen-Hoden

Weil er Blut im Urin hatte, ging ein Inder zum Arzt. Doch statt Blasenentzündung, wie er vermutet hatte, bekam er eine ganz andere Diagnose.
Probleme und Schmerzen beim Wasserlassen, dazu noch Blut im Urin: Alle Symptome, die ein Inder bei sich feststellte, deuteten auf eine Blasen- oder Harnwegsentzündung hin. Doch von seinen Ärzten erhielt der Mann eine völlig andere Diagnose.

Die Mediziner waren stutzig geworden, weil einer der Hoden des Patienten "stark vergrößernt" war und sich "steinig" anfühlte, wie es im Fachjournal "BMJ Case Reports" heißt.

Verkalkter Hodensack

Eine Computertomographie bestätigte den Verdacht, dass im Genitalbereich des Mannes etwas ungewöhnlich war. Im Hodensack des Mannes hatte sich Flüssigkeit angesammelt. Mediziner bezeichnen das als Hydrozele.

In der Regel bildet sich ein solcher Wasserbruch, so die deutsche Bezeichnung, von selbst zurück. Doch mitunter kommt es – wie im Fall des Inders – dazu, dass die Hydrozele zu einer Verkalkung führt. Bei dem Mann betraf diese den Hodensack, wie die Ärzte berichten. Wie eine Eierschale hatte sich die Kalziumschicht darum gelegt (siehe Bildstrecke).

Anschwellen der Gliedmasse

Was dazu geführt hat, können die Mediziner nicht mit Bestimmtheit sagen. Sie gehen jedoch davon aus, dass sich der Inder im Laufe seines Lebens eine sogenannte Filariose zugezogen hat: eine Infektion, die durch Fadenwürmer verursacht wird.

Die Parasiten werden von Moskitos auf den Menschen übertragen. Wenn sie zum Blutsaugen ansetzen, lassen sie Wurmlarven zurück. Diese setzen sich in den Lymphgefäßen fest und verursachen eine Entzündung, die nach und nach die Lymphgefäße verstopft.

"Wie ein Staudamm stauen sie die Flüssigkeit darin, was schließlich zum Anschwellen der Gliedmasse führt", erklärte Thomas Hermanns, Oberarzt an der Klinik für Urologie am UniversitätsKrankenhaus Zürich, in einem früheren Gespräch mit 20 Minuten. Besonders häufig davon betroffen seien Beine, Arme "und bei Männern auch das Genital".

Kombination von Therapien

Die indischen Mediziner attestierten ihrem Patienten eine spezielle Form des Lymphödems, die Elefantiasis. Wahrscheinlich haben die wiederholten Schwellungen zur Bildung der Hydrozele geführt.

Wie die Ärzte den Mann behandelten, ist nicht überliefert. Sie notieren jedoch, dass die chronische Form der Filariose nicht mehr mit Medikamenten behandelt werden kann. Vielmehr bräuchte es da eine Kombination von MMaßnahmen: eine operative Entfernung der "Eierschale", Pflege der Haut und Lymphdrainage.

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