"Moto GP21" im Test: Der beste Bike-Blockbuster

Mit "MotoGP 21" bringt Milestone endlich eine Bike-Simulation, die es mit dem Niveau der "F1"-Serie aufnehmen kann. Das Game lässt kaum Wünsche offen.

"MotoGP 21" von Milestone geht auf PS4, PS5, Xbox One, Xbox X|S, PC und Nintendo Switch an den Start. Und es gibt gewaltige Neuerungen in der Motorrad-Serie, die das Spiel zum absoluten Blockbuster für Rennsport-Fans machen. Übrigens auch für Fans der Motorrad-Serie, denn Anfänger brauchen etwas, sich an die faire, aber unverzeihliche Fahrphysik, die Millisekunden-genauen Beschleunigungs- und Bremsmanöver sowie das richtige Anfahren der Kurven zu gewöhnen. Klar, Anfänger können Strafen abschalten oder in den unteren Motorklassen üben, leicht ist es dennoch nicht.

"MotoGP 21" hat ganz klar den Titel einer Simulation verdient, denn Arcade-Racer, die hier mit Dauer-Gas durchbrettern wollen, liegen in der ersten Kurve flach. Und das tatsächlich und nicht sprichwörtlich. Große Neuerungen gibt es bei den Stürzen. Fahrer werden nun, nachdem sie in der Wiese oder im Kiesbett gelandet sind, nicht mehr automatisch auf die Strecke gesetzt werden. Stattdessen heißt es aufstehen, zum Bike rennen, es aufrichten und zurück ins Rennen fahren.

Keine Arcade, sondern pure Simulation

Außerdem werden die Hitzeentwicklungen und die Tankfüllung noch ausschlaggebender. Wer die Bremsen zu heiß oder zu kalt werden lässt, reitet leichter aus, wenn er knifflige Passagen spät anbremsen will. Und wer dauernd Vollgas gibt, der steht meist zwei Runden vor Rennende ohne Sprit auf der Strecke, auch wenn er bis dahin geführt hat. Das macht nun auch viel wichtiger, wie und wann Boxenstopps geplant werden, um der Konkurrenz eine Bike-Länge voraus sein zu können.

Neu sind nun auch personalisierte Strafen: Wer abkürzt, kann mit einer Long-Lap-Penalty bestraft werden – also einer weiteren zu fahrenden Strecke meist als Extrazone in einer Kurve. Das nimmt Anfängern noch einmal mehr die Möglichkeit, fehlendes Können durch Abkürzungen auszugleichen. Immerhin: Wer gar nicht mithalten kann, kann die Strafen im Menü entschärfen. Dennoch: Wer nicht bereit ist, Stunden ins Fahrtraining zu investieren, ist bei "MotoGP 21" gänzlich falsch.

Perfektion in jeder Spielsekunde

Kurven wollen spät, aber dennoch vorsichtig angebremst, Windschatten ausgenutzt und die Ideallinien in den Kurven gefunden werden. Bis es soweit ist, fährt man dem Feld lange hinterher, auch in den tieferen GP 2 und GP 3 Klassen, die als Vorbereitung für die Königsklasse dienen und den Spieler immer mehr an das professionelle Fahren heranführen. Die Lektionen sind beinhart, aber mit jeder gewonnenen Sekunde stellt sich auch ein fantastisches Erfolgsgefühl ein.

Wie auch sein "F1"-Kollege verlangt "MotoGP 21" Perfektion in jeder Spielsekunde, denn nicht auf jedem Streckenteil kann überholt, nicht in jeder Kurve gebremst oder beschleunigt werden. Strecken-Lernen, das ist nötig um das Spiel zu beherrschen. Arcade ist verpönt, nicht mal mit allen Spiel-Entschärfungen erscheint das Game anders als beinhart. Geboten wird beim Rasen alles, was das Herz begehrt: Trainings, Qualifyings, Rennen, das volle "MotoGP"-Programm.

Keine Story, aber umso mehr Action

Dabei kann bestimmt werden, in welchem Ausmaß man an den Events teilnimmt, Runden lassen sich ebenso festlegen wie das Überspringen von Einheiten. Sehr nützlich ist dabei eine Rückspul-Funktion, die den Spieler die jüngsten Rennmomente noch einmal erleben lässt. So lernt man, warum es die Spielfigur in einer Kurve hingelegt hat oder warum uns ein Gegner im Finish doch noch eingeholt hat. Traditionell bereitet die 2021er-Version auch alle aktuellen Strecken, Fahrer und Marken.

Bei den Modi bleibt Milestone der Serie treu, von der Karriere mit dem Ziel, Weltmeister zu werden, gibt es auch Zeit-Herausforderungen, Multiplayer-Rennen oder Retro-Wettbewerbe. Abgerundet wird alles durch Videosequenzen, in denen die Strecken, Bikes, Fahrer, Fans und Grid Girls gezeigt werden. Eine tiefgehende Hintergrundgeschichte eines "FIFA" in der Karriere gibt es nicht, sie ist uns aber aufgrund der Vielzahl der Spiel-Möglichkeiten und der Renn-Action nicht abgegangen.

Harte, aber absolut faire Konkurrenten

Generell gilt für die KI der Computer-Konkurrenten, dass sie smarter geworden ist. Sie berücksichtigt nun auch vermehrt unvorhersehbare Geschehnisse wie Pannen und selbst verschuldete Unfälle der Renn-Gegner. Im Kampf Rad an Rad zeigt sich die KI zwar verbissen, gibt aber auch mal nach, wenn man lange in ihrem Windschatten klebt. Umgekehrt nutzt sie aber auch Fehler unbarmherzig aus und schneidet in die Ideallinie, sollte es notwendig sein. Unfair geht es aber nie zu.

Schön gemacht: Bei Crashes geht nicht nur der Spieler zu Boden, auch der KI-Konkurrent ist ebenso betroffen. Grafisch sieht "MotoGP 21" generell etwas detaillierter und schärfer aus, den großen Sprung gibt es aber nur auf den Next-Gen-Konsolen. Sie kommen in den Genuss von dynamischer Auflösung bis zu 4K mit 60 Bildern pro Sekunde, dazu kommen ganz neue Lichteffekte wie Spiegelungen in Regenlacken oder dem Chrom des Bikes.

Der beste Bike-Blockbuster

Außerdem freut man sich über schnelleren Ladezeiten und Online-Rennen mit bis zu 22 Spielern. All das läuft in hervorragender Grafik und mit bewundernswert flüssigen Animationen ab, selbst das neue Stürzen und zum Motorrad rennen wirkt realistisch animiert. Auch im Rennen selbst ist die Grafik scharf bis ins kleinste Detail, nur manchmal wundert man sich über leere Ränge oder Detailarmut im Hintergrund. Viel Zeit, sich während Rennen umzusehen, bleibt aber nicht.

Auf der PlayStation 5 gibt es zusätzlich haptisches Feedback und die Unterstützung der adaptiven Trigger-Tasten beim Beschleunigen und Bremsen durch den neuen DualSense-Controller. "MotoGP 21" ist der bisher größte Sprung der Serie und der absolut beste Bike-Blockbuster. Simulations-Fans kommen damit voll auf ihre Kosten und werden mit einem der besten Motorsport-Spiele aller Zeiten belohnt, das nun auch durch neue Strafen und neue Sturz-Mechaniken noch realistischer ist.

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