Mercedes hat sich für das neue Motorenreglement, das seit Jahresbeginn gilt, etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die "Silberpfeile" fanden einen Weg, um das Verdichtungsverhältnis, das mit 16:1 festgelegt ist, zu erhöhen. Das Verhältnis wird dem Regelwerk entsprechend bei Umgebungstemperatur überprüft. Wenn der Motor warm ist, dürften sich Komponenten im Mercedes-Motor ausdehnen und so das Verdichtungsverhältnis erhöhen. Das bringt den "Silberpfeilen" einen deutlichen Vorteil, von bis zu drei Zehntel pro Runde ist die Rede.
Der Rennstall bewegt sich damit allerdings in einer regeltechnischen Grauzone. Denn im Regelwerk ist zwar vorgeschrieben, dass bei Umgebungstemperatur gemessen wird, allerdings ist auch klar festgeschrieben, dass das Auto zu jedem Zeitpunkt sämtlichen Regeln entsprechen muss.
Deshalb hat die Formel-1-Kommission am Rande der Testfahrten in Bahrain eigentlich einen Kompromiss erarbeitet. Dieser sollte den Motorenherstellern zur Abstimmung vorgelegt werden. Von den fünf Motorenbauern (Mercedes, Ferrari, Red Bull Powertrains, Audi, Honda) und der Formel 1 sowie der FIA müssen sechs der sieben Parteien zustimmen, um mittels sogenannter "Supermehrheit" das Reglement doch noch abzuändern. Der Plan sah eigentlich vor, dass nach einer Übergangsfrist ab 1. August neben der Messung bei Umgebungstemperatur noch eine zweite Messung bei 130 Grad Celsius erfolgen sollte.
Doch dieser Kompromiss ist bereits jetzt vom Tisch, wie das "Motorsport Magazin" berichtet. Demnach hatte sich Mercedes positiv zu der geplanten Regeländerung geäußert, während nun andere Motorenhersteller Bedenken gehabt haben sollen. Konkret soll dem einen oder anderen Motorbauer sauer aufstoßen, dass es zwei Messungen geben soll, eben bei Umgebungstemperatur und wenn der Motor warm ist – also bei 130 Grad Celsius.
Die Motorbauer haben sich dem Bericht zufolge nun auf einen neuen Kompromiss geeinigt. Der sieht vor, dass die Kompromisslösung nun schon ab dem 1. Juni in Kraft treten soll. Dann seien Messungen bei Umgebungstemperatur und bei warmem Motor vorgesehen. Ab 2027 soll dann nur noch bei 130 Grad Celsius gemessen werden, heißt es. Damit könnte Mercedes zumindest nicht weiterhin das Verdichtungsverhältnis durch die Ausdehnung von Materialien erhöhen.
Der neue Vorschlag soll dem Bericht zufolge jedenfalls demnächst angenommen werden. Auch hierfür ist eine sogenannte "Supermehrheit" nötig.