Hunderte Anrufe und E-Mails - doch für "Heute" nahm sich der frisch ausgezeichnete Chemie-Nobelpreisträger Zeit: Am Donnerstag erzählte der in Wien geborene und vertriebene Martin Karplus über Kindheit, Spinat-Abneigung und warum schlimme Kinder Chancen auf den Nobelpreis haben.
Zeit: Am Donnerstag erzählte der in Wien geborene und vertriebene Martin Karplus über Kindheit, Spinat-Abneigung und warum schlimme Kinder Chancen auf den Nobelpreis haben.
Heute: Herzlichen Glückwunsch aus Wien zur Auszeichnung! Wie war Ihre erste Nacht als Chemie-Nobelpreisgewinner? Haben Sie gut geschlafen?
Martin Karplus: "Ja, wunderbar, danke!"
Wie fühlt man sich als frisch gebackener Nobelpreisgewinner?
"Es ist hervorragend. Ich war ja schon einige Male nominiert – und bin ein würdiger Preisträger. Es hat aber ganz schön lange gedauert. Aber auf die besten Dinge im Leben wartet man eben am längsten."
Wo werden Sie Ihren Nobelpreis aufbewahren?
"Wissen Sie, ich habe schon einige Goldmedaillen und weiß gar nicht, wo die sind. Ich habe mir noch gar keine Gedanken gemacht, aber ich glaube, ich hebe die Medaille im Büro auf."
Sie sind 1938 von den Nazis aus Wien vertrieben worden. Haben Sie dennoch schöne Erinnerungen an Wien?
"Ja! Mein Lehrer hat mir immer Bonbons aus dem Zuckerlgeschäft seiner Frau mitgebracht und mit meiner Familie bin ich zur Sommerfrische nach Altaussee gefahren. Es war schön in Wien, bis die Nazis kamen und ich nicht mehr in die Schule gehen durfte und meinen Freunden verboten wurde, mit mir zu reden. In Österreich herrscht leider immer noch Antisemitismus, es hat sich nichts geändert. Ich bin vor Jahren nach Wien zurückgekehrt. Nach meinem Großvater, Johann Paul Karplus, ist eine Gasse benannt worden. Die wollte ich mir ansehen, habe sie aber nicht gefunden. Als ich auf meiner Suche eine Dame nach der Gasse fragte, war die Antwort: Ich verstehe nicht, warum man eine Gasse nach einem Juden benennt."
Erzählen Sie uns, wie Sie als Kind waren?
"Ich war ein schlimmes Kind, habe immer den Spinat an die Decke gespuckt. Die Flecken waren viele Jahre dort oben zu sehen."
Dann können Eltern mit schlimmen Kindern ja Hoffnung haben, dass diese später Nobelpreisträger werden könnten.
"Es ist gut, wenn Kinder eigene Ideen haben und es den Eltern schwer machen – am Ende kommt vielleicht ein Nobelpreisträger raus."
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine kluge Frau. Hätten Sie den Nobelpreis auch ohne Ihre Frau Maci bekommen?
"Wissen Sie, es gibt Fragen im Leben, die kann Ihnen nicht einmal der klügste Wissenschafter beantworten (lacht)."