Multiplayer von "CoD: Black Ops Cold War" räumt auf

Treyarch und Raven Software haben dem neuen "Call of Duty" wieder eine Einzelspieler-Kampagne verpasst. Das Herz bleibt aber der Mehrspieler-Modus.

Es fliegen die Fetzen im neuen "Call of Duty: Black Ops Cold War", das eine spannungsgeladene Geschichte über einen sowjetischen Superspion mitten im Kalten Krieg erzählt. Die Kampagne des neuen "Call of Duty" bietet dabei nicht nur historische Persönlichkeiten, sondern auch immer wieder eher ruhige Momenten, die einen schönen Kontrast zu den bombastischen Action-Passagen bilden. Was allerdings schon der "Heute"-Test des Einzelspieler-Modus sagte: Ob sich der Kaufpreis alleine für die Kampagne auszahlt, ist fraglich und muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden.

Zum Glück wird neben der Kampagne im Multiplayer geklotzt statt gekleckert: Zwar gibt es zu Beginn nur acht Muliplayer-Karten, auf denen man sich 6-gegen-6 bekämpfen kann, die eher kleinen Areale bieten aber extrem viele Möglichkeiten für Verstecke und Hinterhalte, dass sie sich auch nach mehrmaligem Spielen kaum abnutzen. Außerdem zeigen sie sich sehr unterschiedlich, mal brutal steril und düster, mal knallig mit fast neonfärbigen Graffitis und Plakaten. An Bord sind natürlich wieder die bekannten "CoD"-Multiplayer-Varianten wie Team Deathmatch, Abschuss bestätigt oder Frei für alle. 

Klasse statt Masse

Egal ob versteckt in einer Ecke oder laufend und rutschend durch die Karte, die Gestaltung der Orte ist gut getroffen und bietet sowohl Plätze für Massengefechte, als auch enge Räume für beinharte Zweikämpfe oder Fallen und Hinterhalte. Außerdem nett gemacht: Nach jedem Multiplayer-Gefecht präsentiert das Spiel eine besonders packende Szene aus der absolvierten Runde. Gänzlich neu im Spiel ist nun die Variante "VIP-Eskorte", die ein Highlight darstellt: Ein Team muss eine wichtige Person zu einem von zwei oder drei Abholpunkten bringen, das andere Team den VIP ausschalten.

Das Besondere dabei: Jeder Spieler wird mit dem Bildschirmtod ausgeschaltet und kann nicht respawnen. Dadurch ergeben sich sehr taktische und spannende Gefechte statt stumpfer Sturmangriffe. Bis zu 40 Spieler tummeln sich wieder bei "Feuertrupp: Schmutzige Bombe" auf der Karte, wobei in zehn Viererteams gespielt wird, was den Modus etwas mühsam macht. Die Teams sammeln Uran für eine schmutzige Bombe, können sich aber nach dem Tod wieder selbst per Fallschirm auf die Karte befördern lassen. Die Folge: Minutenlanges Dauerfeuer der Teams und kaum Fortschritte in der Mission.

Viel Taktik, wenig Experimente

Erwähnenswert ist dafür noch die Variante "Verbundene Waffen", die die vielleicht spannendsten Kämpfe des Mehrspieler-Modus bietet. Darin treten zwei Teams zu je zwölf Spielern an, um sich nicht nur abzuballern, sondern auch Einnahme- und Ansturm-Aufgaben zu stellen. Je nach Karte und Mission müssen entweder immer neue Punkte einer großen Karte eingenommen oder möglichst viele Punkte einer Map verteidigt werden. Auch dieser Modus fällt wie viele andere mit einer stark taktischen Komponente auf – ein Umstand, den man aus den vergangenen "CoD"-Games gar nicht so stark kannte.

Schade ist, dass "Black Ops Cold War" bei den Spielfiguren und Waffen keine Experimente wagt. Hier bleibt alles altbekannt: Waffen können aufgelevelt, Spielfiguren mit Waffen und Zusatzausrüstung eingedeckt und wenige Zusatz-Perks ausgewählt werden. Levelbare Fähigkeiten und Co. hat man sich allerdings gespart, dafür werfen aber zumindest die Waffen bei ihren Levelaufstiegen nette Upgrades wie entflammbare Munition oder durchschlagende Geschosse ab. Generell top: Crossplay ist möglich, man kann sich also auch quer über PC, PlayStation und Xbox mit den "Cold War"-Spielern messen.

Zombies als nette Dreingabe

In das Spiel verpackt haben die Entwickler auch wieder einen Zombie-Modus, der zum Launch allerdings nur eine Map bietet. In der geht es dafür härter und schneller zur Sache als in jedem anderen "Call of Duty" bisher. Der Grund: Man startet gleich direkt mit seiner Klasse aus dem Multiplayer und muss sich nicht erst in seichten Auftakt-Runden seine Punkte für Waffen und Munition verdienen. Alle Modis in "Cold War" sind nun nämlich miteinander verbunden, Punkte für Levelaufstiege und Co. nimmt man also aus allen mit.

Zu finden sind in den Zombie-Kämpfen zwar wieder Handlungs-Fetzen und Puzzles sowie Rätsel, die gehen aber beinahe im hohen Tempo der Zombie-Wellen und deren Zahl unter. Wer den Modus nicht kennt: Die Spieler stellen sich immer wiederkehrenden Untoten-Wellen und können sich so lange wiederbeleben, bis auch der letzte Spieler Futter für die Zombies wird. Waffen, Skill-Upgrades und Munition werden durch erspielte Game-Währung an Automaten freigeschaltet, besonders starke und selten Zombie-Bosse lassen zudem Upgrade-Materialien fallen. 

Schönstes "Call of Duty" aller Zeiten

Grafisch sehen die zu Untoten gewordenen Nazis übrigens schärfer und gruseliger denn je aus. Zu finden ist übrigens auch ein Arcade-Modus für vier Spieler, der sich aus der Vogelperspektive zockt und dabei spielerisch sowie grafisch den wohl schwächsten Modus des gesamten Spiels darstellt. Hätten die Entwickler ihn ganz weggelassen, es hätte nicht geschadet. Wer wie wir das Spiel auf der PlayStation zocken kann, bekommt aber einen anderen spannenden und PS-exklusiven Modus: Onslaught. Zu zweit verteidigt man sich gegen nahende Zombiehorden, während das Spielfeld schrumpft.

Zurück zur Grafik, da ist "Call of Duty: Black Ops Cold War" nämlich der am besten aussehende Shooter aller Zeiten, noch ein gutes Stück schärfer, detaillierter und flüssiger als die "Modern Warfare"-Neuauflagen. Dabei ist es übrigens egal, ob man noch auf der bisherigen oder der neuen Konsolen-Generation zockt, denn zumindest die PlayStation-5-Verbesserungen beschränken sich auf einige neue Lichteffekte, schönere Staub- und Rauchanimationen und sehr schnelle Ladezeiten. Ebenso neu auf PS5: Der DualSense-Controller bietet einen Trigger-Widerstand beim Zielen und Schießen, der sich je nach Waffe unterscheidet und das Spiel ein Stück weit authentischer macht.

Das Beste, was ein Shooter bieten kann

"Call of Duty: Black Ops Cold War" setzt im Multiplayer auf Klasse statt Masse. Zu finden sind vorwiegend die bereits bekannten Modi und Gameplay-Elemente, Neuerungen sind überschaubar, dafür gut gelungen. Bei der Grafik bekommt man das Beste, das der Shooter-Markt derzeit zu bieten hat, egal ob auf Current- oder Next-Gen-Konsolen. Absolut fantastisch ist die Sounduntermalung und das neue Controller-Feedback, dazu kommen extrem schnelle Ladezeiten und die Möglichkeit, sich mit Spieler aus aller Welt über alle Plattformen hinweg zu messen.

Perfekt sind auch die Multiplayer-Maps in puncto Abwechslung und Gestaltung getroffen, wobei die Entwickler wohl eher früher als später für Nachschub sorgen sollten. Wer sich abseits von Team-Deathmatch und Co. die Zeit vertreiben will, findet einen der stärksten Zombie-Modi der "CoD"-Geschichte vor, der nun nicht mehr auf der Bremse steht, sondern Vollgas gibt. Treyarch und Raven Software haben vor allem im Mehrspieler-Modus gehörig ausgemistet und sich auf die bisherigen Stärken konzentriert. So sind die Maps noch abwechslungsreicher, die Gefechte noch actiongeladener und das Erlebnis noch fantastischer.

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