Mutmaßliche Khashoggi-Mörder vor Gericht

Saudi-Arabien hat am 19. Oktober den Tod des seit Wochen verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi bestätigt. Im Bild: Khashoggi während einer Konferenz in Manama, Bahrein im Februar 2015.
Saudi-Arabien hat am 19. Oktober den Tod des seit Wochen verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi bestätigt. Im Bild: Khashoggi während einer Konferenz in Manama, Bahrein im Februar 2015.(Bild: picturedesk.com)
Gegen die mutmaßlichen Mörder von Jamal Khashoggi, der vor über zwei Jahren im saudischen Konsulat getötet wurde, wird nun der Prozess gemacht.

Nach den viel kritisierten Urteilen in Saudi-Arabien wird der Fall des ermordeten regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nun von der türkischen Justiz aufgerollt.

Zweieinhalb Jahre nach der brutalen Tat beginnt am Freitag ein Prozess gegen 20 Angeklagte in Istanbul. Zwei Hauptbeschuldigten wird vorgeworfen, die 18 übrigen Angeklagten zum vorsätzlichen Mord unter Folter angestiftet zu haben, hieß es in der Anklageschrift der Istanbuler Staatsanwaltschaft, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Ein Sonderkommando aus Riad hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul brutal getötet, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Sein Leichnam wurde zerstückelt.

Mohammed bin Salman: Beobachter glauben, dass er den Mord an den Journalisten Khashoggi angeordnet hat. Der Kronprinz bestreitet die Vorwürfe. 
Mohammed bin Salman: Beobachter glauben, dass er den Mord an den Journalisten Khashoggi angeordnet hat. Der Kronprinz bestreitet die Vorwürfe. (Bild: imago stock & people)

Saudische Regierung gestand Mord

Die saudische Regierung hat den Mord eingeräumt. Kronprinz Mohammed bin Salman, der faktische Herrscher in Saudi-Arabien, bestritt aber, die Tötung selbst angeordnet zu haben. Die UNO-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard war dagegen zu dem Schluss gekommen, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen und anderer ranghoher Vertreter Saudi-Arabiens gebe.

Alle Angeklagten sind saudische Staatsbürger, der Prozess findet in ihrer Abwesenheit statt. Für die Verdächtigen sind nach der Anklageschrift schon im März 2019 Fahndungsaufrufe über Interpol erlassen worden.

Khashoggi wurde der Anklageschrift zufolge im Konsulat stranguliert und dann zerstückelt. Der türkische Staatsanwalt kommt zu dem Schluss, dass von Anfang an geplant gewesen sei, den Journalisten zu ermorden, sollte er nicht einwilligen, nach Saudiarabien gebracht zu werden. Er widerspricht damit der saudischen Darstellung, wonach es zunächst keine Mordabsichten gab. Bereits im Vorfeld sei auch die Vertuschung des Mordes geplant worden.

Hoffnung in Verfahren

Bei den Hauptangeklagten handelt es sich der Anklageschrift zufolge um Saud bin Abdullah al-Kahtani, einen ehemaligen engen Berater des saudischen Kronprinzen bin Salman, und den ehemaligen stellvertretenden Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri.

"Vor dem Hintergrund einer völlig unglaubwürdigen Justiz in Saudi-Arabien bietet das Verfahren in der Türkei nun die Chance, die Mörder von Khashoggi zur Rechenschaft zu ziehen", teilte die Organisation Reporter ohne Grenzen mit.

Fünf Männer zum Tod verurteilt

Ein Gericht in Saudi-Arabien hatte im Dezember fünf Männer im Fall Khashoggi zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren. Die Namen der Angeklagten sollten unter Verschluss bleiben, bis die Urteile rechtskräftig sind.

Die Türkei, die EU und die Vereinten Nationen hatten die Todesurteile scharf kritisiert. Es sei weit davon entfernt, die Erwartungen der Türkei und der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen, hieß es in einer Erklärung des Aussenamts in Ankara. Die Aufklärung des Mordes auf türkischem Boden sei eine "moralische Verpflichtung".

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