Hunderte Tote um Grusel-See geben Rätsel auf

Um den mysteriösen Roopkund See im indischen Himalaya ranken sich schaurige Geschichten. Doch nun haben Forscher des Max-Planck-Instituts eine erstaunliche Entdeckung gemacht.
Auf 5.029 Metern, mitten im Himalaya, befindet sich ein winziger See, um den sich zahlreiche Mythen und Legenden ranken. Denn das stille Wasser des Roopkund im indischen Bundesstaat Uttarakhand birgt ein schauriges Geheimnis: Am Grund des Gewässers und an seinen Ufern liegen hunderte Skelette von Männern, Frauen und Kindern.

Bislang gingen Forscher davon aus, dass diese Menschen im 9. Jahrhundert durch einen gewaltigen Hagelsturm mit Cricketball-großen Geschossen ums Leben gekommen waren. Im baumlosen Hochgebirge gab es keinen sicheren Unterschlupf.

Drei verschiedene Gruppen von Toten

Nun machten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, Deutschland, eine erstaunliche Entdeckung. Weitere DNA-Analysen zeigten, dass diese Menschen nicht alle bei einer einzigen Naturkatastrophe getötet worden sein können. Es wurden drei verschiedene Gruppen identifiziert, zwischen deren Tode jeweils rund 1.000 Jahre liegen.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Und noch eine weitere Erkenntnis gibt jetzt neue Rätsel auf: Zwei der drei Gruppen sollen nicht aus der Region stammen. Eine ist ostasiatischer Herkunft und eine andere wiederum bestand aus Menschen aus Europa und vor allem dem Mittelmeerraum, der tausende Kilometer von ihrer letzten Ruhestätte entfernt liegt.



Ihre erstaunlichen Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Communications". "Die Genetik der Skelette überrascht uns sehr. Dass hier Individuen aus dem Mittelmeerraum gefunden wurden, lässt vermuten, dass der Roopkund-See nicht nur von lokalem Interesse war, sondern dass Menschen aus der ganzen Welt hierherkamen", erklärt Erstautorin Éadaoin Harney.

Die bisherige Hagel-Theorie erklärt nur einen Teil der Opfer. Diese stammen aus Indien und dürften auf einer Pilgerreise gewesen sein, als sie vor rund 1.200 Jahren umkamen. Dass auch die Mittelmeer-Menschen an einer hinduistischen Pilgerreise ins Himalaya-Hochland teilgenommen haben, sei eher unwahrscheinlich, so die Forscher. Eine passende Erklärung wurde bislang noch nicht gefunden. (rcp)

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