Nach Baldwin-Todesschüssen jetzt Rätsel um Filmpistole

Schock bei US-Filmstar Alec Baldwin: Er hat versehentlich eine Frau erschossen.
Schock bei US-Filmstar Alec Baldwin: Er hat versehentlich eine Frau erschossen.JAVIER ROJAS / Zuma / picturedesk.com
Nach dem tödlichen Zwischenfall beim Dreh für "Rust" mit US-Star Alec Baldwin trauert die Filmwelt. Die Ermittler gehen indessen einer Frage nach. 

Hollywood-Star Alec Baldwin (63) hatte keine Ahnung, welche Art Munition im Revolver steckte, aus dem der tödliche Schuss am Set von "Rust" fiel: Er hatte den Revolver erst wenige Momente vor dem fatalen Schuss in die Hand gedrückt bekommen. Laut dem Sheriff’s Department von Santa Fe untersuchen Detektive derzeit, welcher Typ Patrone in der Waffe steckte. Ein Sprecher der Filmproduktion hatte von einem "Fehlschuss" berichtet und angegeben, dass die Waffe mit Platzpatronen geladen war.

Rätselhaft ist auch, warum durch die Schussabgabe die Kamerafrau Halyna Hutchins (42) getötet und Regisseur Joel Souza (48) lebensgefährlich verwundet wurde. Dass Baldwin auf die beiden zielte, ist eher unwahrscheinlich. Warum das Projektil aus der Waffe zwei Menschen treffen konnte, ist ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen. Es wurden noch keine Anklagen erhoben. "Wir behandeln diesen Fall wie jede andere Ermittlung", so Sprecher Juan Rios gegenüber dem "Santa Fe New Mexican". Untersucht werde auch der Typ der am Set verwendeten Munition.

Sicher ist: Auch Platzpatronen sind extrem gefährlich. Wie "Deadline" berichtet, warnt das amerikanische Labor-Management Safety Commitee in einem Sicherheits-Bulletin: "Platzpatronen können töten. Behandeln Sie jede Feuerwaffe so, als wäre sie scharf geladen." 1984 schoss sich Schauspieler Jon-Erik Hexum am Set von "Cover Up" versehentlich selbst an, als er während einer Drehpause mit einer Waffe herumspielte. Sechs Tage später erlag der 26-Jährige seinen Verletzungen.

Waffenexperte mit eigener Theorie zu Gasdüse

Auf Twitter erklärt der Journalist und Waffenexperte Lars Winkelsdorf, warum Requisiten-Waffen besondere Gefahren bergen.

Insbesondere bei automatischen Pistolen und moderneren Waffen wie MPs oder Sturmgewehren könne nicht "einfach so" mit Platzpatronen geschossen werden, da diese mit der Energie des Rückstoßes oder dem Gasdruck nachladen und dieser bei sogenannten "blanks" zu tief sei.

Also müssten echte Waffen entsprechend umgebaut werden. Vereinfacht gesagt werde eine Art Gewinde in den Lauf geschnitten und ein Ventil eingebaut, um den notwendigen Gasdruck zu erzeugen. "Würde man also in eine solche Filmwaffe scharfe Munition einführen und schiessen, wird dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit die Waffe zerstört werden und der Schütze schwer verletzt", folgert der Experte.

Es spreche einiges dafür, "dass sich die Gasdüse löste und selbst zum Geschoss wurde". Dies könnte auch erklären, dass zwei Menschen getroffen wurden. "Tatsächlich kann die Düse dabei splittern und es wäre nicht ungewöhnlich, wenn Teile davon im Winkel von 45 Grad oder mehr aus dem Waffenlauf katapultiert würden." Allerdings werden für Western in der Regel der damaligen Zeit gemäße Waffen wie Revolver und Repetiergewehre verwendet, die nicht auf Gasdruck oder Rückstoß angewiesen sind.

Nach dem Unfall wurden die Dreharbeiten zu "Rust" umgehend gestoppt. «Wir haben die Dreharbeiten auf unbestimmte Zeit unterbrochen und kooperieren voll und ganz mit der Polizei von Santa Fe und deren Ermittlungen», hieß es vonseiten der Produktion.

Produzenten sprechen von "schrecklichem Ereignis"

Die Produktionsfirma sprach Hutchins' Angehörigen ihr Beileid aus und versprach dem gesamten Team Unterstützung, um "dieses schreckliche Ereignis zu verarbeiten".

Unter anderem sprach auch Shannon Lee, die Schwester des 1993 durch eine Schusswaffe am Filmset getöteten Brandon Lee, den Angehörigen der Opfer der Tragödie von der Bonanza Creek Ranch ihr Mitgefühl aus. "Niemand sollte je an einem Filmset durch eine Waffe ums Leben kommen. Punkt.", schrieb die Tochter von Bruce Lee.

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