Greift Erdogan heute in Syrien an?

Von Trumps Drohungen ("Ich werde die türkische Wirtschaft zerstören!") lässt sich Erdogan nicht beeindrucken. Ein Angriff Syriens rückt immer näher.
Die Türkei steht offenbar kurz vor einem Einmarsch in Nordsyrien: Washington hat deshalb am Sonntag seine Truppen aus der unmittelbaren Region abgezogen ("Heute.at" hat berichtet). Bislang hatte sich die USA gegen einen türkischen Einmarsch in Syrien gestellt, um die kurdische n Verbündeten der YPG im Kampf gegen den IS zu schützen - die Türkei aber sieht sie als "Terroristen".

Erdogan ist von Trumps Drohungen unbeeindruckt



Deutete anfangs alles auf einen Umschwung in der US-Außenpolitik im Nahen Osten hin, hat sich das Blatt nun doch wieder gewendet. Nach massiver Kritik aus den eigenen Parteireihen, hat US-Präsident Donald Trump (73) die Türkei vor einem Kriegseinsatz gewarnt und gedroht, ansonsten "die türkische Wirtschaft zu zerstören".

Doch davon lässt sich der türkische Präsidente Recep Tayyip Erdogan (65) nicht beeindrucken; "Unsere Botschaft an die internationale Gemeinschaft ist klar - die Türkei ist kein Land, das sich von Drohungen bewegen lässt", sagte Vizepräsident Fuat Oktay am Dienstag in Ankara. Die Planung der Offensive laufe weiter.

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Trump hat "kein Rückgrat"



Währenddessen gerät Trump immer weiter unter Druck: Wie "Newsweek" jetzt aufdeckt, soll sich der US-Präsident bei einem Telefongespräch mit Erdogan "einwickeln" haben lassen. "Trump wurde eindeutig überrumpelt und ließ den Abzug der US-Truppen wie einen Sieg aussehen - aber es war kein Sieg. Durch diese Aktion ist die nationale Sicherheit für Jahrzehnte in höchster Gefahr - und das nur, weil der Präsident kein Rückgrat gezeigt hat", berichtet "Newsweek" unter Berufung auf anonyme Quellen aus dem Geheimsdienst. Denn kommt es zu Gefechten mit der Türkei, vernachlässige die kurdische YPG möglicherweise ihre wichtigen Anti-Terror-Aufgaben in der Region.

Erdogan hat Panzer in Stellung gebracht



Seit Tagen kündigt Erdogan Angriffe in der "Sicherheitszone" an, die sich ab dem Euphrat nach Osten bis an die irakische Grenze erstreckt. Dorthin will er bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge umsiedeln, die aktuell in der Türkei leben.

Nun hat Erdogan Panzer, schwere Geschütze und Soldaten im südosttürkischen Grenzort Akcakale in Stellung gebracht. Die Waffen sind auf den gegenüberliegenden syrischen Ort Tel Abyad gerichtet. Syrien, auf der anderen Seite, kündigt an, sein Territorium zu verteidigen und keine Besetzung der "syrischen Erde" zu akzeptieren, so der stellvertretende Außenminister Faisal al-Makdad am Dienstag zur regierungsnahen Zeitung "Al-Watan".

Trump ist in der Zwischenzeit auf Schadensbegrenzung bedacht: "Wir sind zwar gerade dabei, unsere Truppen aus Syrien abzuziehen, aber wir lassen die Kurden nicht im Stich. Sie sind besondere Menschen und wunderbare Kämpfer [..] Wir helfen den Kurden finanziell / mit Waffen!", twittert der US-Präsident.



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