Fussball

Nach Eklat! Rapid kündigt neue Grenzen für Fans an

Rapid Wien will nach dem Sexismus-Eklat die eigene Fan-Szene revolutionieren. Schmähgesänge und Diskriminierung sollen keinen Platz mehr haben.
Sebastian Klein
23.07.2020, 08:05

Der Sexismus-Eklat der Rapid-Ultras zieht weite Kreise. Großsponsoren wie Allianz, Wien Energie und Ottakringer drohen dem Klub mit dem Ausstieg. Klub-Ikone Gustl Starek kündigte seine Mitgliedschaft. Urgestein Franz Binder Jr., Sohn von Stürmer-Legende "Bimbo" Binder, griff die Ultras und die Klub-Spitze im "Heute"-Interview hart an.

Jetzt will der Verein eine Kursänderung vornehmen. Das verrät Präsidiumsmitglied Stefan Singer im "Kurier". Nach 20 Jahren würden für die Rapid-Fans neue Grenzen gezogen. Über Strafen will er aber nicht sprechen.

Was war passiert?

Am 21. Juni war auf einem Transparent über die gesamte Länge des Block West im Allianz Stadion vor dem Heimspiel gegen Hartberg (0:1) zu lesen: "A Stadion mit leeren Plätzen is wie a schiache Oide wetzen." Rapid reagierte spät. Das sexistische Plakat durfte mehrere Stunden dort hängen, wurde kurz vor Anpfiff des Geisterspieles abmontiert.

Geschäftsführer Christoph Peschek gab "Sky Sport Austria" indes ein Interview, das für einen Aufschrei sorgen sollte. "Ich kann keinen Skandal erkennen", sagte Peschek, versuchte mehrfach mit Begriffen wie Meinungsfreiheit und Demokratie zu kalmieren. Klub-Boss Martin Bruckner nahm Peschek später, auch im "Heute"-Talk, in Schutz.

Singer über Kursänderung

Kommt nun die "historische Wende", von der im "Kurier" zu lesen ist? Singer wird zitiert: "Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren für die Fanszene ein echtes Schockerlebnis." Laut Block West wäre das Plakat "nicht böse gemeint gewesen", heißt es weiter. Was nicht klärt, warum das Spruchband aufgehängt werden durfte und stundenlang nicht abgenommen wurde.

Laut Singer wird es zu klaren Änderungen im Umgang mit den Fans kommen. Die seit 20 Jahren und der Ära Edlinger übliche Fan-Politik müsse weichen. Was nicht gesetzlich verboten war, sei erlaubt gewesen, jetzt würde man sich an das 2015 in den Satzungsrang gehobene Leitbild halten, "als Leitplanke".

Wie das konkret gemeint ist? Singer: "Die Meinungsfreiheit bleibt garantiert, aber es gibt ethische Grundsätze, die künftig verstärkt beachtet werden müssen. Ich verspreche, dass Diskriminierung und Gerechtigkeit verstärkt thematisiert werden."

Meint Singer, was er sagt, sollten sexistische Plakate aber auch diskriminierende Sprechchöre wie "schwuler FAK", die bei jedem Derby klar zu hören sind, der Vergangenheit angehören. Im Leitbild wird auch klar hervorgehoben: "Unsere Gegner behandeln wir hart, aber fair und mit Respekt", nicht geduldet sei die "Herabwürdigung des Gegners". 

Der Floridsdorfer begründet den neuen Weg, indem er auf die Entstehung des Leitbildes verweist. Dieses wurde in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, Spielern, Legenden und Fans zusammengestellt. Singer: "Das Ergebnis spiegelt die Meinung der Rapidler wider, dafür ist das Sample groß genug."

Ganz so radikal, wie sich diese Ankündigung des Immobilien-Unternehmer im ersten Moment anhören mag, dürfte der Schritt Rapids nicht sein. Von harten Strafen bei künftigen Vorfällen - und er wisse, dass "es wieder Vorfälle geben wird" - will Singer nämlich nicht sprechen. Stattdessen sagt er: "Nur mit Verboten und Diktaten wird es nicht gehen. Man muss Akzeptanz schaffen. So wie damals im Kampf gegen Rechtsextreme, die den Block unterwandern wollten, und die Fanszene sich dann selbst gereinigt hat."

Damit es nicht nur beim Lippenbekenntnis zur Beschwichtigung der Sponsoren und Öffentlichkeit bleibt, vertraut der Klub also auf die Fans. Auch auf jene Gruppe, die "a schiache Oide wetzen" nicht böse gemeint hat. Die historische Wende wird wohl nicht von einem Tag auf den nächsten geschehen.

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