Am Donnerstag kam es im deutschen Ratingen zu einer Explosion in einem Hochhaus. An einer Pressekonferenz am Freitag teilt die zuständige Staatsanwältin mit, dass gegen den mutmaßlichen Täter ein Untersuchungshaftbefehl wegen versuchten Mordes in neun tateinheitlichen Fällen beantragt wurde.
In diesem Zusammenhang wurde nun ein zweites Todesopfer entdeckt, wie der "Spiegel" aus vertraulichen Dokumenten der Ermittler weiß. Demnach sollen die Einsatzkräfte am Donnerstagabend Kenntnis über eine pflegebedürftige Person bekommen haben, die im zweiten Obergeschoss des Wohnhauses lebte und mutmaßlich während des Einsatzes verstorben ist.
Die verstorbene Person war laut dem Bericht auf eine stündliche Pflege angewiesen. Wegen des Großeinsatzes konnte dem offenbar nicht nachgekommen werden. Der Einsatz der Polizei und der Feuerwehr begann gegen zehn Uhr und dauerte mehrere Stunden, er fand im gesamten Hochhaus statt. Rettungskräfte sollen später den Tod der Person festgestellt haben.
Wegen eines nicht gezahlten Geldbetrags habe ein Vollstreckungshaftbefehl gegen ihn vorgelegen, sagte Laura Neumann, Sprecherin der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er habe auch Voreintragungen, "aber nichts Einschlägiges, nichts Vergleichbares", sagte sie.
Der 57-jährige Ratinger soll noch an diesem Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden. Ob der Haftbefehl auf versuchten Mord oder versuchten Totschlag lauten wird, sei noch nicht abschließend entschieden.
Ob der Mann inzwischen vernommen werden konnte und Angaben zu seinem Motiv gemacht hat, wollten die Behörden zunächst nicht mitteilen. Ein Polizeisprecher sagte, die Wohnung, in der sich die Explosion ereignete, könne erst an diesem Freitag von Tatort-Spezialisten betreten werden. "Da gab es ja Löscharbeiten und viel Löschwasser, das erst beseitigt werden musste", sagte ein Polizeisprecher.
Die schwerst verletzten Feuerwehrleute und Polizisten kämpften am Freitag weiterhin um ihr Leben. Die Ermittler untersuchen nun, ob sie in einen Hinterhalt gelockt wurden. Nach Behördenangaben waren am Donnerstag in Ratingen mehr als 30 Menschen verletzt worden, davon mehrere lebensgefährlich, als es im zehnten Stock eines Hochhauses zu der Explosion kam. Ob sie alle in Folge der Explosion verletzt wurden, war zunächst unklar.