Nach Lehrer-Sager: Häupl entschuldigt sich nicht

"Wenn ich 22 Stunden die Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig. Dann kann i hamgehen." Mit seiner Aussage bei der 70 Jahre SPÖ-Feier hat der Wiener Bürgermeister Michael Häupl die Lehrer vor den Kopf gestoßen, die kritischen Reaktionen haben sich überschlagen. Trotzdem: An eine Entschuldigung denkt der Stadtvater nicht. In einer Umfrage auf "Heute.at" haben sich zwei Drittel der Leser auf die Seite der Pädagogen gestellt.

"Wenn ich 22 Stunden die Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig. Dann kann i hamgehen." Mit seiner Aussage bei der 70 Jahre SPÖ-Feier hat der Wiener Bürgermeister Michael Häupl die Lehrer vor den Kopf gestoßen, die kritischen Reaktionen haben sich überschlagen. Trotzdem: An eine Entschuldigung denkt der Stadtvater nicht. In einer Umfrage auf "Heute.at" haben sich zwei Drittel der Leser auf die Seite der Pädagogen gestellt.

Anlass für Häupls Sager waren die kolportierten Sparpläne der Bundesregierung, die Unterrichtszeiten der Lehrer um zwei Stunden die Woche zu erhöhen, was die Pädagogen postwendend mit einem kämperischen "Das bedeutet Krieg" abgelehnt haben.

In der Umfrage von "Heute.at" (5.547 Stimmen) nahmen 68 Prozent die Lehrer in Schutz ("Lehrer arbeiten oft von Zuhause aus"). Nur etwa ein Drittel sah Häupl im Recht ("Lehrer arbeiten zu wenig").

Sicher keine Entschuldigung

Die Gewerkschaften (GÖD und AHS-Lehrergewerkschaft) verlangen nun eine Entschuldigung. Das kommt für Häupl aber nicht infrage: Seine Äußerung richte sich nicht gegen die "vielen engagierten" Lehrer, sondern gegen die Gewerkschaft, von der er seit Jahrzehnten nicht anderes höre als Nein. Die Gespräche zur Schulverwaltungsreform ziehen sich tatsächlich schon über viele Jahre. Und der Sager über seine eigene Arbeitszeit sei ein Spaß gewesen, im Vergleich zur martialischen Sprache der Lehrergewerkschaft ein völlig harmloses Witzchen.

Eskalation auf Twitter

Auf Twitter wurde Häupls Statement dankbar angenommen, eine Welle der Empörung brandete auf. NEOS-Chef Matthias Strolz fand den Sager "fast lustig" und meinte, Häupl gehöre "nach gefühlten 22 a nach Haus".


Fast lustig. Aber eigentlich Episode #85 in Serie "I gspür mi nimma". 1/2
— Matthias Strolz (@matstrolz)
Andere User wiederum konnten sich einen Zusammenhang mit dem ein oder anderen Spritzer nicht verkneifen.


22 stunden? wieviel ist das in weiße spritzer gerechnet?
— Jürgen Hofer (@hofaj)  

Wir können uns echt nicht vorstellen, dass der
— Tagespolitik (@Tagespolitik)


Pädagogen in Kampfposition

Seit Dienstag macht die Lehrergewerkschaft unter dem Slogan "Nicht mit uns!" gegen die kolportieren Sparpläne mobil. Mit Plakaten an rund 6.000 Pflichtschulstandorten kämpft sie in ganz Österreich gegen Pläne, wonach die Lehrverpflichtung aller 126.000 Lehrer um zwei Stunden erhöht werden soll, um rund 360 Mio Euro einzusparen.

ÖGB verspricht Solidarität

ÖGB-Präsident Erich Foglar wundert sich ganz generell über die Entwicklung der vergangenen Tage. Die Gewerkschaft habe von Anfang an klar gesagt, dass sich die Arbeitnehmer "die Lohnsteuersenkung nicht selber zahlen sollen", und das gelte selbstverständlich auch für die Kollegen im öffentlichen Bereich, so Foglar. Auch sie könnten "mit unserer Solidarität rechnen".

Ganz abgesehen davon findet Foglar, dass Sparen bei der Bildung "katastrophal" sei. Statt den Lehrern mehr Arbeit umzuhängen, sollte die Regierung ein höheres Schulbudget vorsehen, so der oberste Gewerkschafter gegenüber Ö1.

SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek muss der Regierung ein entsprechendes Sparkonzept vorlegen, das kommende Woche im Ministerrat abgesegnet werden muss. Fix ist noch nichts. Und ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling zufolge gibt es überhaupt kein Beamtensparpaket.

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