Zwischen Scherben und Trümmern der eingestürzten Kirche von Palo sind Überlebende des Taifuns "Haiyan" am Sonntag zur Messe zusammengekommen. Trauer, Dankbarkeit und die Hoffnung auf ein Wunder hatten die gut 200 hergeführt. Philippinens Präsident Aquino besuchte einmal mehr das Katastrophengebiet.
am Sonntag zur Messe zusammengekommen. Trauer, Dankbarkeit und die Hoffnung auf ein Wunder hatten die gut 200 hergeführt. Philippinens Präsident Aquino besuchte einmal mehr das Katastrophengebiet.
"Wir sind hier, um dem Herrgott zu danken", sagte Ramon Codilla, der den Taifun "Haiyan" nur knapp überlebt hatte. Codilla ist wie die meisten seiner 92 Millionen Landsleute tief katholisch. Palo, wo gut 60.000 Menschen leben, ist völlig verwüstet. Mindestens 859 Einwohner kamen ums Leben, vor allem durch die verheerende Sturmflut, die über die Küste hereinbrach und alles mit sich riss. "Wir haben eine Tragödie erlebt, aber mit Gottes Segen werden wir diese Herausforderung meistern", sagte der Pastor, Monsignore Bernardo Pantin.
"Überall war Blut"
"Ich habe während des Taifuns inbrünstig gebetet, dass der Herrgott mir eine neue Chance gibt", so Codilla. Ein Stück Wellblech war im Sturm in sein Haus geschleudert worden und hatte eine Arterie an seinem rechten Fuß durchtrennt: "Überall war Blut, ich bin ohnmächtig geworden." Drei Tage später wachte er im Krankenhaus auf. Mit einer Fahrradrikscha war er zur Messe gekommen, andere Besucher rückten ihm einen Plastikstuhl zurecht.
"Bete, dass ein Wunder passiert"
Yolanda Recuerdo (35) suchte Trost in der Kirche. Ihre beiden Kinder, ein dreijähriger Sohn und eine siebenjährige Tochter, werden vermisst: "Ich bete, dass ein Wunder passiert und meine Kinder leben." Ihr Mann ist Seemann auf einem Containerschiff: "Ich weiß nicht, wie ich es ihm sagen soll." Das Wasser habe sie fortgerissen, bevor sie die Kinder packen konnte.
Dankbarkeit zeigte dagegen Chris Batiga (45): "Ich danke Gott, dass meine Frau und unsere beiden Kinder überlebt haben." Er bete auch für seine Nachbarn, die Angehörige verloren haben, "dass sie stark sind und diese Tragödie verarbeiten können".
Präsident ruft zu Geduld auf
Neun Tage nach dem verheerenden Taifun hat Präsident Benigno Aquino die Opfer zur Geduld aufgerufen. "Bitte habt Geduld, die betroffenen Gebiete sind wirklich sehr ausgedehnt", so Aquino bei einem erneuten Besuch im Katastrophengebiet am Sonntag. Die zunächst schleppende Hilfsaktion nahm Fahrt auf, Flugzeuge und Helikopter erreichten erstmals auch entlegene Orte.
In dem schwer betroffenen Giporlos auf der Insel Leyte traf am Samstag erstmals ein US-Hubschrauber ein, um Hilfspakete zu verteilen. Im Nachbarort Guiuan landeten im Minutentakt Transportflugzeuge auf dem notdürftig reparierten Landestreifen einer alten Militärbasis. Die Weltgesundheitsorganisation warnte, die Versorgung entlegener Ortschaften sei "äußerst kompliziert".
118 Tonnen Nahrungsmittel
Nach US-Militärangaben wurden 118 Tonnen an Nahrungsmitteln, Wasser und Material für Behelfsunterkünfte ausgeteilt. Fast 2.900 Menschen seien zudem aus der Katastrophenregion ausgeflogen worden. Nach UN-Angaben wurden mehr als 170.000 Nahrungsmittelpakete an betroffene Familien verteilt.
Aus Frust über die langsame Hilfsaktion ergriffen viele Philippiner selbst die Initiative: Verwandte der Betroffenen machten sich mit Säcken voll Reis, Nudeln und Kerzen mit Fähren auf den Weg nach Leyte. "Gestern traf ein Team des Roten Kreuzes ein, doch das war nicht genug", sagte Nick Cantuja bei der Überfahrt zu ihrem Heimatdorf.