Nach V kommt X: So fährt es sich in Wiens Öffi-Zukunft

Ab 2022 ist der erste X-Wagen auf den Linien U1 bis U4 unterwegs. Schon heute konnte "Heute"die Zukunft der U-Bahn testen.

Ein X für ein V vormachen lässt sich Öffi-Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) sonst nicht. Wenn es aber um den "Meilenstein" im öffentlichen Verkehr Wiens geht, dann ist er gerade für Verschiebungen im Alphabet zu haben. Heute, Mittwoch, wurde die "Zukunft der Wiener U-Bahn", der neue X-Wagen von Hanke (unbeabsichtigt in farblich zum neuen X-Wagen passender FFP2-Maske), Wiener Linien Geschäftsführer Günter Steinbauer und Siemens Mobility CEO Arnulf Wolfram präsentiert.

Bei einer Testfahrt durften sich ausgewählte Vertreter der Medien heute auf dem "geheimen" Betriebsgleis, das die U2-Station Stadion mit der U3-Station Erdberg verbindet, selbst ein Bild von der neuen U-Bahn machen.

Der erste Eindruck ist: Der X-Wagen ist ein echtes Raumwunder. Obwohl der Zug mit einer Gesamtlänge von 111 Metern und einer Breite von 2,85 Metern dieselben Maße aufweist wie der V-Wagon, bietet er durch die neue Anordnung der Sitze deutlich mehr Platz. Im offen gestalteten Innenraum finden bis zu 928 Fahrgäste Platz, das sind um 46 Personen mehr als im V-Wagon. Mehr Platz gibt es auch für Rollstuhlfahrer, Kinderwägen oder Personen mit Reisegepäck. Vergrößerte Einstiegsbereiche sorgen für ein rasches Ein- und Aussteigen. 

"Der X-Wagen ist eine Erfolgsgeschichte für unsere Klimamusterstadt und ein herausragendes Beispiel für den Wirtschaftsstandort Wien. Mit der Produktion im Siemens-Werk Simmering beweist sich der X-Wagen als 'waschechter Wiener'", freut sich Öffi-Stadtrat Hanke. Rund 60 Prozent der Wertschöpfung bleibe in Wien, die restlichen 35 Prozent in der EU. Damit sichere der X-Wagen dauerhaft mehr als 100 Arbeitsplätze in Wien.

Video: "Heute.at"/Alex Diry

Wiens U-Bahn-Zukunft ab 2022 auf Linien U1 bis U4 unterwegs

Bis die neue U-Bahn in den Fahrbetrieb geht, dauert es noch etwas. Laut Plänen der Wiener Linien soll es 2022, genauer lässt sich das noch nicht sagen, auf den Linien U1 bis U4 zum Einsatz kommen. Zuvor muss die Garnitur noch eine Reihe von Tests bestehen, erst dann folgt die Betriebsbewilligung. 

Fahrgastbetrieb nach tausenden Testkilometern

Bis der X-Wagen in den regulären Betrieb geht, ist er fast schon ein "alter Hase". "Der X-Wagen wird als erfahrener Zug von den Wiener Linien für die Fahrgäste unterwegs sein und bereits mehrere tausend Testkilometer an über 250 Testtagen absolviert haben", erklärt Steinbauer.

X-Wagen spielt alle Stückerl für fahrerlosen Betrieb

Bis Ende des Jahres muss die neue Garnitur alle Anforderungen an das Antriebs- und Bremssystem, die Sicherheitseinrichtungen sowie die Zugsicherung mit der oder dem FahrerIn bestehen. Denn: Der X-Wagen hat bereits jetzt alle technischen Features installiert, die ihn zu einem vollautomatischen Betrieb befähigen. 

Los geht es damit aber frühestens 2026. Und zwar dann, wenn die neue U5 als Wiens erste vollautomatische U-Bahn-Linie die Strecke der jetzigen U2 übernimmt. Mit Fertigstellung der neuen U5 von Frankhplatz bis Karlsplatz 2026 wird der X-Wagen erstmals vollautomatisch unterwegs sein.

Dafür werden die Stationen Karlsplatz bis Rathaus ab Ende Mai umgerüstet und mit Bahnsteigtüren ausgestattet, die U5-Station Frankhplatz wird neu gebaut. "Der vollautomatische Betrieb, der international bereits bestens erprobt ist, macht die U-Bahn noch sicherer und zuverlässiger. Die Bahnsteigtüren öffnen sich erst, sobald der Zug in der Station steht. Verzögerungen durch Gegenstände auf den Gleisen sind damit Geschichte", sind sich die Wiener Linien sicher.

Ab kommendem Jahr werden fünf weitere X-Wagen geliefert

Während der kommenden, intensiven Testmonate werden im Siemens Werk in Wien Simmering bereits die nächsten X-Wagen-Züge produziert. Der zweite X-Wagen soll Ende 2021 an die Wiener Linien geliefert werden, 2022 werden weitere fünf X-Wagen-Züge in Simmering gefertigt. Ab 2023 bis 2030 werden bis zu vier weitere Züge pro Jahr von Siemens Mobility an die Wiener Linien geliefert. Ab den zweiten X-Wagen wird jeder Zug ab Lieferung bereits nach rund drei Monaten in den Fahrgastbetrieb kommen. Das Auftragsvolumen beträgt insgesamt rund 300 Millionen Euro.

"Der X-Wagen stellt einen weiteren entscheidenden Digitalisierungsmeilenstein für die Wiener U-Bahn dar", so Arnulf Wolfram, CEO Siemens Mobility Austria. Das Zusammenspiel von Zukunft in Form der Digitalisierung (etwa durch W-Lan gesteuerte Displays, die neben dem Netzplan der U-Bahnen auch über die Strecke, die Ausstiegsseite oder eventuelle Störungen berichten) und Bekanntem, wie den bequemen und pflegeleichten Holzsitzplätzen, begeistert auch Hanke.

Die Sitze bestehen aus hochwertigem Schichtholz, die Anordnung erfolgt in einer Kombination aus den gewohnten Quersitzen mit zusätzlichen Längssitzen an der Außenwand der Züge sowie Klappsitzen. Die Sitze in blauer Farbe sind für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität vorgesehen. Noch mehr Freude wird den Öffi-Nutzern aber wohl  das neue Gratis-W-Lan im X-Wagen machen.

"U-Bahnausbau größtes Klimaschutzprojekt der Stadt"

Steinbauer wies auf einen zusätzlichen wichtigen Vorteil hin: "Der X-Wagen wird ein neues Kapitel in der Geschichte der Wiener U-Bahn ermöglichen. Mit ihm und dem Ausbau des U2xU5-Liniennetzes wird Platz für 300 Millionen zusätzliche Fahrgäste geschaffen. Mit der möglichen Verlagerung von Autos auf Öffis können damit 75.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Das ist also das größte Klimaschutzprojekt der Stadt".

Neue U-Bahn sucht neuen Namen

Der Stolz der Stadt und der Wiener Linien führte zu der Überzeugung, dass die neue U-Bahn auch einen eigenen Namen verdient. Welcher das sein wird, darüber können bis Ende April die Wiener abstimmen. Sechs Namen stehen zur Auswahl, wichtig: Alle beinhalten den Buchstaben X. Ob daraus FeliX, Xandi, MaXi, Xaverl, Xyla oder Xenia wird, das kannst Du bei dem Online-Voting mitentscheiden. 

Der X-Wagen im Faktencheck:

Beauftragung an Siemens Mobility: Durch Wiener Linien im Herbst 2017 erfolgt

Bestellte Fahrzeuge: 34 Züge (mit Option auf elf weitere Züge)

Im Vertrag inkludiert sind Wartung und Instandhaltung der Züge durch Siemens Mobility

Lieferung erster Vorserienzug: Juli 2020

Betriebsbewilligung: ab 2022

Lieferung abgeschlossen: 2030

Länge, Breite und Bauweise: 111 Meter; 2,85 Meter, sechsteilig, Leichtbauweise

Kapazität: 928 Fahrgäste (statt bisher 882)

Rollstuhlplätze: sechs Plätze, davon zwei in der Zugmitte (bisher waren es vier an den Enden der Züge)

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account lok Time| Akt:
Stadt WienWiener LinienÖffentlicher VerkehrU-Bahn

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen