Eigentlich hatte er gar keine Lust mehr. Doch weil sich die Abgeordneten nicht auf eine Nachfolge einigen konnten, hat Italiens Präsident Sergio Mattarella nun doch einer zweiten Amtszeit zugestimmt. Am Samstag willigte er auf Bitte des Parlaments ein, sich erneut für wählen lassen. Das wurde nach einer Sitzung mit den Fraktionschefs aller vertretenen Parteien verkündigt.
Eigentlich wäre das Amt des 80-Jährigen Sizilianers kommende Woche am 3. Februar ausgelaufen. Dem ist jetzt aber doch nicht so. Noch heute soll der Wahlgang, der Mattarella ein zweites Mandat verschaffen soll, stattfinden. Die Fraktionsvorsitzenden hatten sich nach dem Gespräch mit dem scheidenden Präsidenten zuversichtlich gezeigt. Das Treffen sei "gut verlaufen". Mattarella stimmte letztendlich zu, für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen.
Die Parteien des Mitte-Rechts- und Mitte-Links-Lagers waren sich vor dem siebten Wahlgang weiter uneinig, welchen Kandidaten eine Mehrheit unterstützen würde. Wegen der verfahrenen Situation hieß es am Mittag von Vertretern einiger Parteien, dass sie Mattarella für eine zweite Amtszeit wählen wollen. Premierminister Mario Draghi, der noch vor wenigen Wochen selbst als einer der möglichen Nachfolger von Mattarella gehandelt wurde, hatte die Parteien zuvor aufgerufen, das scheidende Staatsoberhaupt zu bitten, seinen oft geäußerten Wunsch nach Ruhestand zu überdenken – mit Erfolg.
Neben Premierminister Matteo Draghi hatte auch Forza-Italia-Chef Silvio Berlusconi Mattarella in einem Telefonat seine Unterstützung zugesichert, wie die Partei mitteilte. Lega-Chef Matteo Salvini hatte sich dafür ebenfalls dafür ausgesprochen, dass Mattarella im Amt bleiben soll.
"Mattarella im Quirinalspalast und Draghi im Palazzo Chigi zu behalten, ist der einzige Weg, Italien vor dem Wahnsinn und dem Mangel an politischer Leitung zu schützen", schrieb Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi auf Twitter. "Wir sind jetzt nahe an dem, was die Bürger wollen #Mattarella", twitterte die linke Politikerin Loredana De Petris. Fico berief das Wahlgremium für 16.30 Uhr für den achten Wahlgang ein.