Niederösterreich

Nach Wettrennen um Impf-Plätze hagelt es Kritik

Auf Social-Media-Plattformen lassen Betroffene ihren Unmut Lauf. Es fehle an Planung und zeitgemäßer Umsetzung.
Erich Wessely
10.02.2021, 16:05

Ein richtiger Run auf die ersten 10.800 Online-Termine für die Impfung gegen das Coronavirus ist am Mittwochvormittag in Niederösterreich verzeichnet worden. Die Registrierungsmöglichkeit für über 80 Jahre alte Personen war um 10 Uhr freigeschaltet worden. Bereits nach 18 Minuten waren nur noch wenige Plätze verfügbar - mehr dazu hier

"System hat super geklappt"

"Im Schnitt wurden 800 Zugriffe pro Sekunde gezählt und 1.000 Terminpaare (für erste und zweite Teilimpfung, Anm.) pro Minute gebucht", resümierte Stefan Spielbichler, der Sprecher von Notruf Niederösterreich. Fehlermeldungen blieben dabei zum überwiegenden Teil aus. "Das System hat super geklappt, es ist alles stabil gelaufen."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Am späten Vormittag waren trotz des enormen Andrangs noch einzelne Restplätze verfügbar. Der Grund: Das System funktioniert wie ein Warenkorb, Termine bleiben vor der endgültigen Bestätigung für 15 Minuten reserviert und können daher auch wieder ins Angebot zurückfallen.

Ärger wegen geringer Verfügbarkeit

In sozialen Netzwerken taten dennoch viele Betroffene über die geringe Verfügbarkeit der Termine ihren Unmut kund. Etwa ärgerten sich Menschen in der mobilen Pflege darüber, dass sie ihre Klienten nicht anmelden konnten. Oder es wurden ihnen Termine für Impforte vorgeschlagen, die 100 Kilometer entfernt sind. Manche größere Städte seien gar nicht als Impforte vorgesehen.

Bei einem älteren Ehepaar aus dem Mostviertel klappte nur die Anmeldung von einem Impfwilligen, der Partner ging leer aus.

"So geht das nicht!"

"So geht das nicht! Es ist eine neue IT zu beauftragen, die das auch kann! Nein, das ganze System ist neu aufzusetzen! Es darf nicht ein Wettlauf um Termine sein. Keine geschürte Konkurrenz aller Impfwilligen. Wie auch das gesamte Jahr: Es fehlt den Verantwortlichen an allem. An Planung, Vorausschau, Struktur, Organisation und zeitgemäßer Umsetzung. Mir ist schlecht", so ein User auf Facebook.

"Kein Termin mehr verfügbar"

"Sobald man es doch auf die Registrierungsseite geschafft hat, musste man eine E-Mail-Adresse eingeben, auf die man eine Mail bekam, wo man zur Terminauswahl gelangte. Dort konnte man den Ort auswählen, wo man geimpft werden möchte. In Mödling waren das Villa Medica und Dr. Ursula Huber. Wählte man den Arzt aus, bekam man Terminvorschläge. Bei jedem (!!!) Termin, den man anklicken konnte, kam die Meldung "Nicht mehr verfügbar". Suche auf ganz NÖ erweitert. Zu spät: Um 10.12 Uhr war der "Spuk" vorbei, kein Termin mehr verfügbar (...)", kritisierte ein weiterer Betroffener.

"E-Mail kam nie an"

Und ein weiterer meinte: "Ich bin jetzt einigermaßen sprachlos über das Chaos bei der ab heute 10 Uhr möglichen Anmeldung zur Impfung für über 80-Jährige. Es kann doch nicht sein, dass es in der drittgrößten Stadt Niederösterreichs keine einzige Impfstelle gibt!? Zumindest wird keine angeboten. Jetzt habe ich versucht, einen Termin im Messezentrum Tulln für meinen Vater zu bekommen. Da sollte eine E-Mail mit einem Bestätigungslink kommen, die kommt aber nie an. Selbst in Grünberg am Schneeberg kann man impfen, aber nicht in Klosterneuburg??? Was läuft da schief? Ich bin normalerweise kein Meckerer, aber heute bin ich wirklich sauer."

Mittwoch geht es weiter

Weiter geht die Buchung am kommenden Mittwoch. Dann werden erneut 10.000 Impftermine für über 80-Jährige und Menschen, die mit Trisomie 21 leben, freigeschaltet. Vergeben wird an jeden Interessierten - so wie diesmal - je ein Slot pro Teilimpfung im Zeitraum der folgenden sechs Wochen.

Die am heutigen Mittwoch vergebenen Termine können in Arztordinationen und Impfstellen wahrgenommen werden. Laut Spielbichler werden die nötigen Vakzine ab Samstag an die betreffenden Orte geliefert. Am Montag kann dann mit der Verabreichung der Injektionen begonnen werden.

Hilfswerk-Mitarbeiter werden geimpft

Im Rahmen der Impfung gegen das Coronavirus sind indes nun auch die Pflegemitarbeiter des Hilfswerk Niederösterreich an der Reihe. Etwa 1.000 Beschäftigte erhalten im Laufe der kommenden Wochen die erste Dosis des Vakzins. Durch geleistete Informationsarbeit sei die Impfskepsis im Unternehmen in den vergangenen Wochen deutlich reduziert worden, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung.