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Nackter nimmt Frau als Geisel, "Wordle" rettet ihr Lebe

Stundenlang hielt ein geisteskranker Mann eine Frau aus Chicago als Geisel. Weil sie ihr tägliches Wordle nicht abschickte, griff die Polizei ein.
Heute Redaktion
11.02.2022, 13:17

Denyse Holt erlebte 17 Stunden des reinsten Horrors: Am 5. Februar betrat ein nackter, verwirrter Mann ihr Haus im Stadtteil Lincolnwood in Chicago und nahm die alleinwohnende Frau als Geisel. Holts Tochter, die im 3.300 Kilometer entfernten Seattle wohnt, bemerkte, dass etwas nicht stimmte, als ihre Mutter nicht auf ihre Textnachrichten reagierte. Auch schickte die 80-Jährige der Tochter ihr tägliches "Wordle"-Ergebnis nicht, wie die Frau es normalerweise jeden Tag tat. Meredith Holt-Caldwell alarmierte die Polizei.

Die 80-jährige Denyse Holt war an jenem Abend vom Geiselnehmer überrascht worden, als sie schon im Bett lag. Der 32-jährige James H. Davis starrte die Frau an und richtete eine Schere gegen sie. Der Nackte blutete, weil er sich beim Betreten des Hauses an den Scherben eines Fensters geschnitten hatte. Er zwang Holt - die noch ihr Nachthemd trug - mit ihm ein warmes Bad zu nehmen. Dann holte er zwei Messer aus der Küche, schaltete die Telefone ab und sperrte die Rentnerin in ein kaltes Badezimmer im Keller ein.

Polizei stürmte Haus

Zu diesem Zeitpunkt war Tochter Meredith Holt-Caldwell in Seattle äußerst beunruhigt. Denn sie wusste: Das Wordle-Spiel war eine Routine ihrer Mutter, die sie nie ausließ. Erst in den frühen Stunden des darauffolgenden Tages führte die Polizei von Chicago eine Personenkontrolle beim Haus der 80-Jährigen durch. Stundenland verhandelten die Polizisten mit dem Mann.

Die Geiselnahme endete erst, als ein Spezialeinsatzkommando das Haus stürmte und Davis mit einem Elektroschocker überwältigte. Die Sicherheitskräfte nahmen den Täter in Gewahrsam. Nach Angaben der Polizei wird er wegen Hausfriedensbruchs mit einer tödlichen Waffe, schwerer Entführung und Angriffs auf einen Polizeibeamten angeklagt.

"Ich habe großes Glück gehabt"

Denyse Holt blieb bei dem Vorfall unverletzt. "Ich hätte in einer Million Jahre nicht gedacht, dass so etwas passieren würde", sagte sie. "Ich habe großes Glück gehabt."

In Wordle geht es darum, einmal am Tag ein fünfbuchstabiges Wort zu erraten. Dafür hat man sechs Versuche. Jeder Versuch muss aus einem existierenden Wort bestehen. Den Reiz an Wordle sehen viele teils in der Einfachheit – das Spiel kommt ohne Werbung aus und erfordert nicht die Angabe von Email-Adressen. Das Online-Phänomen hat inzwischen sogar Ableger, etwa "Airportle", bei dem es um das Erraten von Flughafenabkürzungen geht. Oder "Queertle", ein Rätselspiel für die queere Gemeinde.

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