Nächste Wende – Lockdown neu wird jetzt zur Nervenprobe

Der Lockdown in Österreich könnte in die Verlängerung gehen.
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Bis jetzt rechneten alle mit einem Lockdown-Entscheid für Österreich am Samstag. Doch Kanzler Kurz will weitere Experten hören. Verkündung am Sonntag.

Geht der seit dem Stefanitag gültige Lockdown ab 25. Jänner nahtlos weiter? Gibt es für den Handel, der immer größeren Druck Richtung Regierung aufbaut, sanfte Öffnungsschritte? Fix ist nix. Wie "Heute" Freitagabend in Erfahrung bringen konnte, laufen im Bundeskanzleramt in Wien intensivste Beratungen. Wie gefährlich ist die Briten-Mutation B117 des Coronavirus wirklich? Wie stehen andere EU-Länder aktuell da und welche Erkenntnise konnten sie bereits gewinnen. Dem Vernehmen nach telefoniert Sebastian Kurz (VP) seit Donnerstag beinahe durchgehend – und wird dies wohl noch länger tun.

"Lockdown neu" am Sonntag

Wie "Heute" nun erfuhr, ist die von Medien für Samstag erwartete Lockdown-Verkündung verschoben. Die Österreicher sollen nun Sonntagvormittag im Rahmen einer Pressekonferenz über die neuen Corona-Maßnahmen informiert werden. Den kompletten Samstag möchte der Kanzler nämlich noch dafür nützen, Prognostiker, Mathematiker und die Sozialpartner zu hören. Um 9.00 Uhr tritt eine Expertenrunde im Kanzleramt vor die Presse. Darüber hinaus wurden Abwasserproben (entnommen in Kläranlagen, vereist auf minus 80 Grad) in der Hauptkläranlage in Wien-Simmering entnommen und analysiert. In Wien schlug eine Vorprobe positiv auf das "Briten-Virus" an, das heißt die Mutante ist wohl schon länger in der Stadt. Proben aus den anderen Ländern sind angefordert.

Aussprache mit Landeskaisern

Am Freitag steht im Palais Niederösterreich eine hochkarätige Runde mit allen Landeschefs am Programm. Einzig Burgenlands Hans Peter Doskozil lässt sich krankheitsbedingt von seiner Stellvertreterin Astrid Eisenkopf (SP) vertreten. Somit sind mit Niederösterreichs Johanna Mikl-Leitner erstmals zwei Frauen in der Polit-Runde. Die Aussprache der Länder mit der Bundesregierung bekommt ab 20.00 Uhr hohen Besuch – Kanzler Kurz schaut persönlich vorbei.

Sozialpartner-Gipfel steht an

Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer legte seine Positionierung bereits vor einem Treffen Freitagabend mit Sebastian Kurz dar: "Eine Schließung bis März ist für mich vollkommen undenkbar", so der Wirtschaftskammerpräsident. Am Samstag ist Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian im Kanzleramt

➤ Die Öffnung des Handels mit FFP-2-Maske ist auch das höchste der Gefühle, das derzeit diskutiert wird. Kurz steht aber auch hier merklich auf der Bremse. Zu unklar die Bedrohungslage durch die hochinfektiöse Mutante. Indes warnt auch MedUni-Wien-Vizerektor Oswald Wagner vor einer frühzeitigen Lockdown-Lockerung. Wagner (auch er spricht am Samstag nochmals mit Kurz) weist darauf hin, dass EU-Nachbarländer wie etwa Deutschland oder Tschechien den Lockdown verlängern und nicht lockern. Daher wäre es aus der Sicht des MedUni-Experten "gefährlich", wenn Österreich in die andere Richtung ginge und womöglich die "Quelle neuer Infektionen" darstelle, so Wagner gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

Fakt scheint – wie von "Heute" in einem Geheimplan berichtet – indes:

➤ Die Gastronomie öffnet nicht, es soll auch kein "Freitesten" oder "Reintesten" geben.

Schwere FFP2-Masken kommen: Wer in Shops – und auch Supermärkte – will, braucht eine FFP2-Maske, auch Angestellte müssen eine tragen.

Friseure könnten öffnen: "Körpernahe Dienstleistungen", also auch Kosmetiker oder Masseure, sollen aufsperren dürfen. Hier gibt es jedoch bis zum Sonntag noch ein heftiges Gezerre.

Hotels, Kultur, Fitnesscenter bleiben fix zu: Für die schönen Dinge des Lebens sieht es weiter trüb aus. Die Wintertourismussaison sei aber ohnedies für heuer gelaufen, erfährt "Heute". Ausnahme: Pisten bleiben offen – das ist für die westlichen Länder entscheidend.

Impf-Engpass droht

Und sonst so? Warten auf eine baldige Impfung. Doch auch hier stottert der Motor. Der Sonderbeauftragte der Regierung, Clemens Martin Auer, schrieb am Freitag an die Bundesländer, dass es zu Lieferengpässen von Biontech/Pfizer im Jänner kommen könne. "Unternehmensinterne Umstellungen" bei Biontech, so Auer, "könnten zu einer kurzfristigen Änderung der bereits vereinbarten Lieferpläne Ende Jänner führen". Die Länder bangen nun: "Können wir bei den bereits Geimpften überhaupt den Zweitstich gewährleisten? Wir sind völlig im Unklaren..."

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