Die Nationalratswahl 2019 ist geschlagen, die ÖVP triumphiert. Doch wie sähe die politische Landschaft eigentlich aus, wenn nur Frauen bestimmen dürften?
Wer hat wen gewählt? Das zeigt die repräsentative Wahltagsbefragung von ORF, Sora und Isa unter 1.226 Wahlberechtigten. Und aus den Ergebnissen lässt sich ein Gedankenspiel basteln: Wie sähe Österreich politisch nach der aktuellen Wahl aus, wenn Männer ausgeschlossen gewesen wären? Ganz anders, zeigt die Analyse. Zwar haben dann die ÖVP mit 36 Prozent und die SPÖ mit 22 Prozent Platz 1 und 2 weiter sicher, dahinter gibt es aber ein kleines Politbeben.
Frauen würden die FPÖ auf 11 Prozent verbannen, gleichauf mit den NEOS. Damit würden die Freiheitlichen weit hinter den Grünen landen, die auf 17 Prozent der Stimmen kämen. Frauen bis 44 Jahre würden die Grünen gar mit 27 Prozent an die Nummer 1 heranführen – die ÖVP läge mit 28 Prozent nur hauchdünn vorne und auf Platz 3 käme die SPÖ mit 17 Prozent.
Präferenz auch eine Sache des Alters
Frauen über 44 Jahre wiederum würden der ÖVP zu einem noch höheren Sieg mit 42 Prozent führen und Platz 2 an die SPÖ mit 26 Prozent geben. Abstürzen würden in dieser Altersschicht die Grünen mit nur 10 Prozent. In beiden Altersschichten käme die FPÖ nicht über 12 beziehungsweise 11 Prozent hinaus.
Zum Vergleich: Männer bis maximal 44 Jahre wählen vor allem ÖVP (34 Prozent) und FPÖ (23 Prozent). Die SPÖ fiele unter den jüngeren Männern mit 15 Prozent auf Platz 4 hinter die Grünen mit 17 Prozent zurück. Bei den Männern ab 45 Jahre gewinnt die SPÖ und verliert die FPÖ. Die ÖVP wäre mit 42 Prozent vorne, dann käme die SPÖ mit 27 Prozent und die FPÖ mit 19 Prozent. Die Grünen würden auf 5 Prozent abstürzen, die NEOS würden gar mit 3 Prozent aus dem Nationalrat fliegen. Und die Liste Jetzt? Die wäre auch in keiner Altersschicht, egal ob Mann oder Frau, über die 4-Prozent-Hürde gekommen.
Spaltung bei Alter und Bildung
Geschlechterunabhängig: Eine politische Spaltung herrscht zwischen Jung und Alt. Vereinfacht zusammengefasst kann gesagt werden: Ältere wählen entweder ÖVP oder SPÖ, Jüngere entweder ÖVP oder Grüne. Auch bei der Bildung unterscheidet sich das Wahlverhalten: Personen ohne Matura wählen vor allem FPÖ, aber auch ÖVP und SPÖ. Personen mit Matura setzen auf die Grünen, die FPÖ bekommt in dieser Schicht nur noch 4 Prozent.
- Befragungszeitraum: 25. bis 29. September 2019
- Stichprobe: n = 1.226
- Schwankungsbreite: ± 2,8 Prozentpunkte