Ibiza war fast ohne Effekt, Hofer beliebter als Strache

Sebastian Kurz zeigte sich bei der Wahlentscheidung der ÖVP-Fans wichtiger denn je. Norbert Hofer konnte seinem Vorgänger den Rang ablaufen.

Sebastian Kurz und Norbert Hofer waren zentrale Anker für ihre Wähler, zeigt eine Wahltagsbefragung von ATV zur Nationalratswahl 2019. Gaben 2017 59 Prozent der ÖVP-Wähler an, Sebastian Kurz sei ein wichtiger Grund für ihr Stimmverhalten, waren es 2019 mit 64 Prozent noch einmal deutlich mehr. Überraschend ist der Wert bei der FPÖ. Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war 2017 41 Prozent der Wähler wichtig, Norbert Hofer ist es 2019 für 50 Prozent.

Beate Meinl-Reisinger (29 Prozent) konnte, wie NEOS-Vorgänger Matthias Strolz (27 Prozent) in der eigenen Wählerschaft punkten. Die Werte von Pamela Rendi-Wagner (25 Prozent) zeigen, insbesondere im Vergleich mit SPÖ-Vorgänger Christian Kern (55 Prozent), dass "Menschlichkeit" nicht ausreicht, um die Menschen für sich zu gewinnen. Werner Kogler erreicht den üblichen Wert eines Spitzenkandidatens in der Grün-Wählerschaft, 18 Prozent. Vorgängerin Ulrike Lunacek kam auf 11 Prozent.

Ibiza fast ohne Effekt

Die Ibiza-Affäre hatte – wie zu erwarten war – keinen massiven Effekt, so die Forscher. 13 Prozent gaben an, dass der Skandal sie wenig bei der Wahlentscheidung beeinflusst habe, weitere 70 Prozent seien gar nicht beeinflusst gewesen und nur 8 Prozent sehr. Das zieht sich auch durch so gut wie jede Partei-Wählerschicht.Die ÖVP konnte dabei am "ehesten" punkten, was ein Indiz für einen Wechsel von FPÖ-Wählern zur ÖVP sei.

"Der Erste soll den Kanzler stellen" wird nicht in Streit gestellt – und zwar von keiner Parteiwählerschaft. Insgesamt sagen das fast zwei Drittel (65 Prozent). Bei den möglichen Koalitionen gibt es die Mitte-Rechts versus Mitte-Links Auseinandersetzung. 26 Prozent der Befragten "wissen nicht", wer eine Regierung bilden soll, 24 Prozent sind für ÖVP-FPÖ, 21 Prozent für ÖVP, Grüne und NEOS, 17 Prozent für ÖVP-SPÖ. Auffallend: Grünwähler möchten nicht unbedingt allein mit der ÖVP koalieren (nur 1 Prozent).



Viele für weitere Expertenregierung

Die Expertenregierung unter Brigitte Bierlein hat dagegen eine hohe Reputation. 43 Prozent hätten gerne, dass die Regierung – hypothetisch – weitermacht. Signifikant dafür sind SPÖ-Wähler – wahrscheinlich, weil man weiß, dass die SPÖ nicht in der kommenden Regierung vertreten sein wird.



Zur Untersuchung

Methodenmix: Telefonische und Online-Befragung (Verhältnis 2:1)

Zielgruppe: Wahlberechtigte Bevölkerung Österreich

Stichprobengröße: 1.200 Befragte

Maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse: +/- 2,8%

Feldarbeit: 24. bis 28. September 2019 (durchführende Institute Jaksch & Partner und MindTake)

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Maria Theresia von ÖsterreichGood NewsPolitikNationalratswahl

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