Neue Behandlung rettet Mio HIV-Patienten

Bild: Fotolia/Symbolbild

Der weltweite Kampf gegen HIV/Aids wird immer erfolgreicher. Bereits 9,7 Millionen von insgesamt 34 Millionen HIV-infizierten Menschen bekommen über die internationalen Hilfsprogramme die zur Beherrschung der Erkrankung notwendige Therapie. Jetzt sollen neue Behandlungsleitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der für die Therapie geeigneten Personen noch deutlich vergrößeren und die Durchführung einfacher machen.

"In Zukunft sollten demnach 26 Millionen HIV-Positive die Behandlung erhalten. Als Basistherapie soll die Einnahme einer 'Pille' am Tag reichen", sagte der Leiter der HIV/Aids-Abteilung der WHO, der aus Österreich stammende Tropenmediziner Gottfried Hirnschall.

Hirnschall: "Laut den seit 2010 geltenden Leitlinien sollte mit einer antiretroviralen Therapie ab einer Zahl von 350 CD4-positiven Zellen pro Kubikmilliliter Blut begonnen werden. Das wird jetzt auf 500 CD4-positive Zellen angehoben. Dadurch steigt die Zahl der Betroffenen, die eine Therapie erhalten sollten, von 16,7 auf 26 Millionen Menschen."

Der Hintergrund: Im Verlauf der Immunschwächekrankheit HIV/Aids sinkt langsam die Zahl der für das Funktionieren des Immunsystems zentral wichtigen CD4-positiven Lymphozyten. Die normalen Werte liegen bei um die 1.000/Milliliter Blut. Unter einem Pegel von 350 drohen deutliche Folgen der Immunschwäche. Doch je früher die Therapie beginnt, desto größer ist der Erfolg, die Weiterverbreitung der Erreger wird ebenfalls reduziert. Während in den reichen Staaten der Welt schon seit längerem eher früh mit der Therapie mit Kombinationen von antiretroviralen Substanzen begonnen wird, könnten die neuen Leitlinien eine enorme Auswirkung auf Staaten mit mittlerem bis geringem Bruttonationalprodukt haben.

Hirnschall: "In Zukunft sollten alle Personen mit HIV ab einer CD4-Zellanzahl vom unter 500 behandelt werden. Unabhängig von der Zahl der CD4-positiven Zellen im Blut sollte bei allen HIV-positiven Kindern unter fünf Jahren eine Behandlung erfolgen, ebenso bei Schwangeren und bei Paaren, bei denen ein Partner HIV-positiv ist."

Ungeborene bekommen so kein HIV

Die Therapie von Schwangeren verhindert die Übertragung von HIV auf das Kind, die Therapie eines HIV-Positiven, der einen HIV-negativen Lebenspartner hat verringert die Übertragungsrate drastisch. Wichtig ist auch die möglichst sofortige Therapie von TBC-Kranken.

Hirnschall: "Die Umsetzung der neuen Leitlinien der WHO könnten bis zum Jahr 2015 weltweit drei Millionen Menschenleben retten und 3,5 Millionen Neuinfektionen mit HIV verhindern. Vorgesehen sind auch regelmäßige Laborkontrollen der Behandelten, um das Ansprechen auf die Therapie zu kontrollieren."

Die WHO empfiehlt für die Basisbehandlung der infrage kommenden HIV-positiven Personen "eine Pille am Tag": Eine Kombination der Substanzen Tenofovir, Lamivudine (oder Emtricitabine) und Efavirenz. Der Experte: "Das gibt es als eine Pille am Tag und macht die Einnahme einfach."

Preis für Pille noch recht hoch

Die Ausdehnung des Kreises der zu behandelbaren HIV-Betroffenen dürfte die Kosten um etwa zehn Prozent steigern. Hirnschall: "Es ist aber zu erwarten, dass die Preise für die Arzneimittel bei dem Wachstum des Volumens weiter sinken werden." Bis 2020 könnten 22 bis 24 Milliarden US-Dollar an Mehrkosten entstehen, so die Schätzungen. Dafür soll aber Ziel einer "HIV-freien Generation" erreicht werden.

Margret Chan, WHO-Generaldirektorin: "Was wir geschafft haben, war vor einigen Jahren noch undenkbar. Wir können jetzt die Aktivitäten so verstärken, dass wir die HIV-Epidemie unumkehrbar zum Rückzug bringen."

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