In einer Pressekonferenz erklärte am Freitag die Stadt Wien die weitere Vorgehensweise im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Mit dabei: Neben SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig auch Gesundheitsstadtrat Peter Hacker sowie Michael Binder, medizinischer Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes.
Nachdem im letzten Monat hauptsächlich die jüngere Bevölkerung sowie Reiserückkehrer betroffen waren, breitet sich das Virus nun auch wieder auf die restliche Bevölkerung aus. Auch die anstehende Grippesaison erfordert weitere Maßnahmen bei möglichst großer Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Betriebs.
Im Vorfeld hatte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker bereits von strengeren Maßnahmen gesprochen. Diese seien entweder als bundesweite Regelungen notwendig oder regional. Ludwig erklärt, dass die Stadt Wien bereits über 300.000 Tests durchgeführt hat. Durchschnittlich wurden 4.000 Tests pro Tag veranlasst, darunter auch unzählige Personen ohne Symptome, um so etwaige unentdeckte Cluster auszumachen.
Größter Ursprung einer Ansteckung ist nach wie vor die Familie. In Pflegeheimen und Schulen infizierten sich lediglich unter ein Prozent der Infizierten. Trotzdem sollen die Zugangsbeschränkung verlängert werden. Die Teststrategie der Stadt Wien sei eine der umfangreichsten in ganz Europa.
Bei den neuen Maßnahmen konzentrierte man sich auf fünf Aspekte des täglichen Lebens. Diese sind Krankenhaus, Handel, Gastronomie, Arbeitswelt und geschlossene Veranstaltungen.
1. Obwohl laut Corona-Ampel erst bei roter Stufe vorgesehen, soll das routinemäßige Testen vor Aufnahme in ein Krankenhaus weiter fortgesetzt werden. Auch bei Pflegeheimen wird dies der Fall sein. Insbesondere in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Einhaltung der Maßnahmen verstärkt kontrolliert.
2. In den Geschäften ist im gesamten Kundenbereich ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Diese Regelung findet auch in der Gastronomie Niederschlag. Für Märkte sollen eigene Regeln gelten.
3. Ähnlich, wie schon direkt nach der Wiedereröffnung der Gastronomie, muss bis zum Tisch ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Das heißt, auch an der Bar ist die Maske zu tragen.
4. Im Arbeitsbereich sehen die Empfehlungen vor, etwa in Großraumbüros wieder vermehrt auf Abstand zu setzen, Plexiglasscheiben zu installieren sowie in sozialen Begegnungsräumen (Pausenräumen etwa) Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
5. Geschlossene Veranstaltungen im Gastronomiebereich sollen weiter reguliert werden. Man habe in der Vergangenheit gesehen, dass es in diesem Bereich vermehrt Umgehungen der Rechtslage gibt. So werden Feiern in Restaurants, Bars oder Clubs als private Familien- oder Geburtstagsfeiern deklariert, sind aber in Wirklichkeit einem unbestimmten Personenkreis zugänglich.
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker sieht die aktuelle Situation, noch dazu während des Wahlkampfes, als eine "besondere Herausforderung". Im Verlauf des Sommers veränderte sich die Altersstruktur der positiv getesteten Person langsam, aber stetig. In seinem Statement führt er die angekündigten Maßnahmen genauer aus. Nachdem er die Mehrzahl des Begriffs "Bar" gefunden hat, erklärt er, dass nur durch die Maskenpflicht der Alkoholkonsum trotz Pandemie weiter gehen kann.
Verwirrende Spielregeln, die an jedem Ort anders sind, müssen aufhören. Deswegen soll es in ganz Österreich einheitliche Verordnungen auf Basis von Gesetzen geben, damit die Stadt Wien diese zuverlässig umsetzen kann. Hacker appelliert weiter an die Sozialpartner für Unterstützung bei den Maßnahmen am Arbeitsplatz. Er will explizit keine Reduktion von Pausen oder Sozialräumen.
In aller Klarheit zeigt er sich nicht erfreut über die "kreativen Köpfe", die gezielt Spielregeln in der Gastronomie unterlaufen mit der Idee der "geschlossenen" Gesellschaft. Dem sollen neue Maßnahmen entgegenwirken, die auch etwa bei Hochzeitsfeiern gelten sollen. "Die Epidemie ist nicht vorbei". Durch den Lockdown wurde sich schlichtweg ein Abbremsen der Infektionszahlen teuer erkauft, um die Krankenhauskapazitäten nicht ans Limit zu bringen. Zu diesem Fall soll es nicht noch einmal kommen.
Die sozialen Begegnungen verlagern sich in die Innenräume, deswegen ist besondere Vorsicht geboten. Man muss sich nun mit Maßnahmen vorbereiten, die für jeden verständlich und einheitlich sind. Immerhin würden nun die Reiserückkehrer wegfallen. Trotzdem ist es sehr wichtig, das soziale und wirtschaftliche Leben aufrechtzuerhalten. "Es wird nicht auf Null gehen", das könne er versichern.
Zum Glück hat Wien ausreichend Krankenhauskapazitäten und Ressourcen. Denn immerhin jeder Fünfte, der wegen einer Corona-Infektion stationär behandelt werden muss, wird zumindest zeitweilig auf die Intensivstation verlegt. Die Krankheit sei also durchaus ernst zu nehmen.
Aus dem "Soll" soll ein "must be" werden. Das heißt: Abstand halten, Maske tragen (wo dies erforderlich ist), Hände waschen und Vernünftig sein. Aber wie lange werden die Maßnahmen noch dauern? "Ich weiß es nicht", gesteht Binder. Auch, wann endlich eine Impfung kommt, sei noch nicht genau zu prognostizieren.
In Australien ist die Grippesaison aufgrund der Lage an der Südhalbkugel bereits vorbei. Dort zeigte sich eine besonders milde Form der Grippe. Durch den Appell der Regierung an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, konnte dort schlimmeres verhindert werden.
Auch Wien will groß angelegt gegen die Grippe impfen. Dazu wurden hunderttausende Gratis-Impfdosen zur Verfügung gestellt. So soll das Gesundheitssystem geschont werden, um Kapazitäten für schwere Corona-Fälle freizuhalten.
Grundsätzlich muss zwischen Indoor-Veranstaltungen und solchen unter freiem Himmel unterschieden werden. Bei Letzteren sei die Virusbelastung schlichtweg weit geringer als in geschlossenen Räumen. Die Situation in Fußballstadien ist genauen Begutachtungen durchgelaufen und wurde mit vorbildlichen Präventionskonzepten geplant. Hacker sieht deswegen kein Problem an Zehntausend Fans beim Bundesliga-Auftakt von Rapid Wien.
Gesundheitsstadtrat Hacker stellt klar, dass diese fünf Punkte von einem Expertengremium, dem Corona-Krisenstab, erstellt wurde. Dabei handelt es sich um ein Gremium, das sich auf Empfehlungen einigt und diese an die Politik (Bürgermeister und Gesundheitsstadtrat) heranträgt. Diese Trennung zwischen Experten und Politik sei sehr effektiv und "gscheit".
Hacker und Ludwig haben sich demnach dazu entschlossen, diese Empfehlungen anzunehmen und bestmöglich auf Landesebene umzusetzen, darüber hinaus entsprechende Regelungen durch den Bund einzufordern. Die Empfehlungen seien als sinnvoll und zielführend erachtet worden.