Jetzt ist klar, wer künftig bei der Vergabe von Gemeinde- und geförderten Wohnungen Vorrang hat. Wien setzt ab Herbst auf ein neues Punktesystem. Wer sich in einer besonders schwierigen Lebenslage befindet, soll dadurch schneller zu leistbarem Wohnraum kommen.
Nach dem Beschluss im Wiener Landtag liegen nun auch die Details zum neuen Punktesystem vor. Berücksichtigt werden künftig verschiedene Lebenssituationen – je höher der Wohnbedarf, desto mehr Punkte gibt es.
Die höchste Bewertung erhalten Menschen, die wegen häuslicher Gewalt, einer chronischen Mobilitätseinschränkung oder Pflege zu Hause dringend eine Wohnung benötigen. Sie bekommen jeweils 100 Punkte.
Bis zu 80 Punkte gibt es für Personen, denen der Wohnungsverlust droht, sowie für Alleinerzieher. Wer in einer sozialen Einrichtung lebt, erhält 75 Punkte. Weitere Kriterien sind unter anderem lange Wartezeit, Jungwiener, Wohnkosten oder Schwangerschaft.
Laut Stadt Wien wurde das Punktesystem gemeinsam mit Experten entwickelt. Es soll "die unterschiedlichen Lebenssituationen der Wohnungssuchenden berücksichtigen. Wer mehr Unterstützung benötigt, erhält auch mehr Punkte." Die Bonuspunkte werden anhand entsprechender Nachweise vergeben und entscheiden über die Reihung bei der Wohnungsvergabe.
Wer eine Gemeinde- oder geförderte Wohnung sucht, benötigt künftig nur noch ein Wiener Wohn-Ticket. Es kann über den Login-Bereich der Wohnberatung Wien beantragt werden und gilt für beide Wohnformen. Die Vorabregistrierung im neuen System beginnt am 14. Juli, die erste Wohnungsvergabe nach den neuen Regeln startet am 22. September 2026.
Für Besitzer eines bestehenden Wiener Wohn-Tickets gilt eine Übergangsfrist: Sie können noch bis Herbst wie bisher nach Gemeinde- und geförderten Wohnungen suchen. Danach erfolgt die Vergabe ausschließlich über das neue Punktesystem.
Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) sieht in der Reform einen wichtigen Schritt: "Die Wohnungsvergabe NEU sorgt dafür, dass leistbarer Wohnraum künftig noch gezielter dort ankommt, wo er am dringendsten gebraucht wird. Es freut mich, dass dieser Weg auch im Wiener Landtag breite Zustimmung gefunden hat – die Unterstützung der ÖVP und der Grünen bestätigt uns in diesem wichtigen Reformschritt."
Auch NEOS-Klubobfrau Selma Arapovic betont die Vorteile des neuen Modells: "Durch die Kombination unterschiedlicher, klar nachvollziehbarer Kriterien – wie etwa der gezielten Berücksichtigung von Alleinerziehenden oder Menschen in Aus- und Weiterbildung – schaffen wir ein faires und flexibles Vergabesystem, das Transparenz und Treffsicherheit bietet."