"Lockerungen zu früh" – Wien verschärft Corona-Regeln

Die Corona-Zahlen machen Experten und dem Stadtchef Sorgen – Michael Ludwig legt seinen Corona-Plan vor.
Die Corona-Zahlen machen Experten und dem Stadtchef Sorgen – Michael Ludwig legt seinen Corona-Plan vor.Denise Auer
Fast 30.000 Corona-Infektionen in nur drei Tagen in Wien: Stadtchef Michael Ludwig (SPÖ) berief deswegen einen Experten-Gipfel ein.

Zehntausende steckten sich in der Bundeshauptstadt seit Wochenbeginn mit Corona an – und Wien steht da im Österreich-Vergleich noch relativ gut da.. Auch, weil Wien anders als der Rest Österreichs seit den breiten Öffnungsschritten seinen sicheren Sonderweg weiterging und unter anderem weiter auf 2G in der Gastronomie setzte. Trotzdem stehen die Spitäler wegen der vielen Personalausfälle kurz vor dem Kollaps.

Die Inzidenz in der Hauptstadt beträgt 3.047, der Bundesschnitt 3.566. Doch Stadtchef Michael Ludwig (SPÖ) will offenbar nicht weitermachen wie bisher, berief deswegen einen Corona-Gipfel mit Experten aus dem Gesundheitsbereich ein. Die Ergebnisse dieses Gesprächs verkündete er am Nachmittag.

Todesfälle vermieden

Abermals höre Ludwig auf die Experten, sagte er einleitend, damit war er bisher gut beraten. Am heutigen Donnerstag gab es deswegen wieder eine Videokonferenz. Die täglichen Rekord-Zahlen würden zeigen, dass die Lockerungen zu früh gekommen sind. In Wien habe man immer davor gewarnt.

Weil man diese Situation in Wien richtig eingeschätzt habe, sei man auf diesem sicheren Weg geblieben. So konnte man viele Todesfälle vermeiden. "Die Pandemie ist nicht gemeistert." Ärztliche Leiter hätten Ludwig versichert, dass die Situation in den Spitälern eine sehr ernste ist – eben weil es unter den Bediensteten und deren Angehörigen so viele Infektionsfälle gibt. Die Pro-Kopf-Belastung ist dadurch so hoch wie noch nie. 

Impfpflicht für Spitäler

"Wir sehen noch kein Abflachen dieser Entwicklung", in machen Bereichen sogar ein weiteres Ansteigen. Von daher wäre die Bundesregierung gut beraten, Corona-Schutzmaßnahmen wieder einzuführen, allen voran die FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen, so Ludwig.

Die schärferen Wien-Maßnahmen werden verlängert, heißt 2G in Gastronomie und Clubs bleibt. Auch die Maskenpflicht im gesamten Handel wird Wien noch länger begleiten. Zusätzlich wird man in den Spitälern auf Wunsch der Mitarbeiter ab Anfang nächster Woche nur mehr einen Besucher pro Patient pro Tag erlauben, zudem gilt 2G+ (Impfung/Genesen und PCR-Test). Auch für Besuche in Alten- und Pflegeheimen gilt dann die 2G+-Regelung. Hier sind aber zwei Besucher pro Tag und Bewohner erlaubt.

Dadurch will man ältere und vulnerable Personengruppen schützen. "Wir behalten uns weitere Schritte vor, falls sich die Situation nicht nachhaltig positiv ändert", so Ludwig. An die Bundesregierung ergeht der Appell, dringen mit weiteren Maßnahmen vorzusorgen. 

Wie geht es mit "Alles gurgelt" weiter?

Bei der Teststrategie ist Wien bekanntlich anderer Meinung als der Bund. Mit dem Wiener Datenmaterial hat man bestimmt einen enormen Beitrag zum Variantenmonitoring geleistet. Nun gelte es, abzuwarten, wie Gesundheitsminister Johannes Rauch das Vorhaben der Limitierung auf fünf PCR-Tests pro Monat abwickeln wird. Besonders bei der Überprüfung und der dahinterstehenden Technik sieht Ludwig viele offene Fragen.

Die 2G-Regel in der Wiener Gastronomie sieht Ludwig als vollen Erfolg: Anstatt dass Ungeimpfte ins benachbarte Bundesland flüchten, seien viele umgekehrt nach Wien gekommen, um in einem möglichst sicheren Setting speisen und trinken zu können. Bei den Schulen und den dortigen Testungen warte man ebenfalls auf die endgültige Entscheidung des Bildungsministers.

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