So viele Österreicher hatten bis jetzt schon Corona

Testwillige beim Zugang zu einer Teststrasse im Rahmen von Covid-19-Massentests in St. Florian bei Linz
Testwillige beim Zugang zu einer Teststrasse im Rahmen von Covid-19-Massentests in St. Florian bei LinzFOTOKERSCHI.AT / APA / picturedesk.com
Die Dunkelziffer ist riesig: Schon knapp 350.000 Österreicher haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert.

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann hat in Begleitung ausgewiesener Experten am heutigen Freitag die teilweise überraschenden Ergebnisse der jüngsten Sars-CoV-2-Antikörper-Studie präsentiert. An der Pressekonferenz nahmen auch Studien-Projektleiterin Matea Paskvan von Statistik Austria sowie Virologe und Laborleiter an der MedUni Wien Lukas Weseslindtner teil.

Wie weit ist Sars-CoV-2 in Österreich tatsächlich verbreitet? Wie viele Fälle sind behördlich bekannt? Und: Wie geht es den Menschen vor dem zweiten harten Lockdown? Das waren die Kernfragen der bundesweiten Antikörper-Studie.

Tausende Teilnehmer

Mit Hilfe der Statistik Austria wurden 7.823 Personen zufällig aus dem Zentralen Melderegister ausgewählt und kontaktiert. Daraus resultierten 2.711 beantwortete Fragebögen, sowie 2.263 analysierte Nasen-Rachen-Abstriche und 2.229 Blutproben.

Wie Faßmann schildert, konnte anhand des Rücklaufs auch eine sogenannte Non-Response-Analyse durchgeführt werden. Dabei zeigte sich, dass besonders jüngere, weniger gebildete und Menschen mit Migrationshintergrund weniger bereit waren, an der Studie teilzunehmen.

Prävalenz: Enorme Dunkelziffer

Doch wie weit ist das Virus tatsächlich nun in Österreich verbreitet? Mitte November, zwischen 12. und 14. November, waren auf Basis der Studie hochgerechnet, im ganzen Land 233.000 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht 3,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der Dunkelziffer ist dramatisch! Weniger als die Hälfte dieser Personen waren den Behörden bekannt.

"Die Personen haben sich damals nicht testen lassen, weil sie wahrscheinlich keine oder belanglose Symptome gezeigt haben", erläutert Faßmann und betont einmal mehr, dass man auch ohne Beschwerden ansteckend für andere sein kann.

Forschungsminister Faßmann im Rahmen der Video-Pressekonferenz am 11. Dezember 2020
Forschungsminister Faßmann im Rahmen der Video-Pressekonferenz am 11. Dezember 2020Screenshot BMBWF

Seroprävalenz: 349.000 Infizierte

Während Prävalenz den Ist-Stand des Studienzeitraums abbildet, zeigt die Seroprävalenz anhand der Antikörper-Analyse rückwirkend das wahre Ausmaß der Pandemie innerhalb der Landesgrenzen. Seit Pandemie-Beginn bis Mitte/Ende Oktober haben sich demnach 349.000 Österreicher, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Privathaushalten leben, mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht einem Anteil von 4,7 Prozent der Bevölkerung. Nur 39 Prozent davon fanden sich im Epidemiologischen Melderegister wieder.

Zu beachten ist, dass die Explosion der Neuinfektionen Ende Oktober durch die Analyse noch nicht abgedeckt werden kann, da Antikörper erst etwa drei Wochen nach einer Ansteckung nachgewiesen werden können. Minister Faßmann rechnet damit, dass der Wert durch die zweite Welle noch angestiegen ist.

Kein Ende der Pandemie ohne Impfung

Trotzdem könne von einer schnellen Durchseuchung der Bevölkerung nicht gesprochen werden. "Die sehr geringe Seroprävalenz zeigt, dass das Erreichen einer Herdenimmunität [ab 60-70 Prozent Anteil der Bevölkerung, Anm.] auf natürlichem Weg ohne einen sehr langen Zeitraum und vielen Toten nicht möglich. Der Weg aus dieser Pandemie kann nur durch Impfung erfolgen", mahnt Faßmann abschließend. Er freue sich deshalb sehr darauf, dass schon im Jänner mit Impfungen auch in Österreich begonnen werden könne. 

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