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Neue Tinnitus-Therapie setzt auf Stromstöße

Ein innovatives Behandlungsgerät bekämpft die Ohrgeräusche mit einer Kombination von Tönen und schwachen elektrischen Impulsen. 

Sabine Primes
Tinnitus ist in der Regel ein anhaltendes Klingeln, Pfeifen, Summen oder Zischen im Ohr und kann für manche Menschen leicht lästig sein, für andere aber unerträglich werden.
Tinnitus ist in der Regel ein anhaltendes Klingeln, Pfeifen, Summen oder Zischen im Ohr und kann für manche Menschen leicht lästig sein, für andere aber unerträglich werden.
Getty Images/iStockphoto

Wer unter ständiger Lärmbelastung steht, steht massiv unter Stress. Wer etwa an einer stark befahrenen Straße wohnt, hat ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. Kommt der Lärm jedoch nicht von außen, sondern von innen, wird es schwierig.  Deshalb ist Tinnitus ein so frustrierender Zustand. Tinnitus ist in der Regel ein anhaltendes Klingeln, Pfeifen, Summen oder Zischen im Ohr und kann für manche Menschen leicht lästig sein, für andere aber unerträglich werden. Während Tinnitus in der Vergangenheit nur schwer zu heilen war, hat ein Team der Universität von Michigan ein neues Behandlungsgerät entwickelt. Die neue Studie deutet nun darauf hin, dass bald Abhilfe geschaffen werden könnte.

Tinnitus (Ohrensausen, Ohrenklingeln) sind Ohrgeräusche, die keine äußere Ursache haben. Sie treten meist plötzlich auf und können Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre dauern. Oft ist die Ursache unbekannt, es gibt jedoch Umstände, die einen Tinnitus triggern können. Dazu gehören unter anderem Stress, Lärmtrauma, Hörsturz oder Erkrankungen des Ohres. Tinnitus zu behandeln beziehungsweise zu heilen, ist nicht leicht. Die Geräusche sind zwar ungefährlich, belasten Betroffenen aber oft stark. Es gibt verschiedene Formen des Tinnitus. 

Töne und elektrische Impulse

Man setzt auf eine bi-sensorische Stimulation, sprich eine Kombination von Tönen und schwachen elektrischen Impulsen. In einer doppelblinden Studie mit 99 Tinnitus-Patienten wurde die Wirkung des neuen Geräts getestet. Die Patienten litten an somatischem Tinnitus – einer speziellen Form von Tinnitus, die durch Bewegungen wie das Zusammenpressen des Kiefers oder Druck auf die Stirn gekennzeichnet ist, was letztendlich zu spürbaren Veränderungen der Tonhöhe oder Lautstärke der wahrgenommenen Geräusche führt. 

"Die Teilnehmer bekamen ein tragbares Gerät, um es zu Hause zu benutzen", erklärt sie in einer Mitteilung der Universität. Die Studienautoren teilten die Probanden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen ein. Eine Gruppe und Probanden behandelte man rein akustisch. Eine zweite erhielt über Elektroden, die auf der Haut entweder über dem Schläfenbein oder den obersten Halswirbeln platziert wurden, Mini-Stromstöße.

Das Take-Home-Gerät mit Stromkabeln. Man setzt auf eine bi-sensorische Stimulation, sprich eine Kombination von Tönen und schwachen elektrischen Impulsen.
Das Take-Home-Gerät mit Stromkabeln. Man setzt auf eine bi-sensorische Stimulation, sprich eine Kombination von Tönen und schwachen elektrischen Impulsen.
University of Michigan

30 Minuten tägliche Behandlung beseitigt Tinnitus

In den ersten sechs Wochen der Studie mussten die Teilnehmer ihre Geräte täglich insgesamt 30 Minuten lang benutzen. In den nächsten sechs Wochen folgte eine Pause, gefolgt von weiteren sechs Behandlungswochen mit der Behandlung, die sie zu Beginn nicht erhalten hatten. Ergänzend mussten die Teilnehmer jede Woche Fragebögen ausfüllen, die die Auswirkungen des Tinnitus auf das tägliche Leben der Teilnehmer messen.

Die Patienten, die die biosensorische Behandlung erhielten, berichteten von einer verbesserten Lebensqualität, niedrigeren Behinderungswerten und einem deutlichen Rückgang der Tinnituslautstärke. Diese Effekte traten bei Patienten, die nur eine akustische Stimulation erhielten, nicht auf. Darüber hinaus berichteten mehr als 60 Prozent der Teilnehmer über eine deutliche Verringerung der Tinnitus-Symptome nach der sechswöchigen aktiven Behandlung, nicht aber nach der Kontrollbehandlung.

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