GIS-freie TVs – neuer Anbieter mischt Markt auf

Bisher boten zwei Unternehmen Fernseher in Österreich an, für die keine Rundfunkgebühr nötig ist. Nun lässt ein dritter Anbieter die Preis purzeln.
Immer mehr vor allem junge Menschen verzichten auf das Programm des ORF und investieren ihr Geld lieber ins Streaming. Wobei die angebotenen Filme und Serien beziehungsweise die Inhalte generell nur ein Grund sind, Streaminganbieter dem Österreichischen Rundfunk vorzuziehen.

Finanziell rechnet sich das so: Beim ORF beträgt die Rundfunkgebühr je nach Bundesland monatlich zwischen 20,93 Euro (Vorarlberg und Oberösterreich) und 26,73 Euro (Steiermark), in Wien macht die GIS 26,33 Euro aus. Per Streaming fährt man da weit günstiger: Netflix gibt es ab 7,99 Euro, Amazon Prime Video ebenso. Wer Musik dazu haben mag, bekommt Spotify sogar kostenlos oder bei Prime gleich inkludiert.

Als Wiener spart man sich pro Monat, selbst wenn man Netflix und Amazon Prime nutzt, 10,35 Euro im Vergleich zur GIS. Im Jahr sind das dann bereits 124,20 Euro. Dabei braucht man als "Streamer" auf die ORF-Inhalte auch gar nicht verzichten. Sie holt man sich bei Interesse kostenlos über die ORF-TVthek, wo viele Sendungen und Sportveranstaltungen live übertragen werden.

Neuer Anbieter lässt die Preise fallen

Mittlerweile ist es in Österreich möglich, auf legalem Weg GIS-frei fernzusehen und zu streamen. Entweder man lässt sich dazu den Tuner des bestehenden Fernsehgerätes ausbauen, oder man steigt auf ein neues Gerät ohne Tuner um. Der Verwaltungsgerichtshof urteilte im Juli 2015, dass Fernseher ohne Tuner keine Rundfunkempfänger, sondern Monitore seien und somit nicht gebührenpflichtig sind.

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Diese Monitore können dann mit Streaminggeräten betrieben und zum Empfang von Netflix, Amazon Prime, Zappn oder anderen Anbietern verwendet werden. Streaming über das Internet fällt auch nicht unter die Kategorie Rundfunk. Das haben auch Unternehmen wie "NoGis" aus Oberösterreich und Pop-Tech aus Niederösterreich erkannt, die GIS-freie Fernseher in Österreich verkaufen. Nun wirbelt allerdings ein neuer Anbieter die Preise durcheinander: KAGIS.

CommentCreated with Sketch.34 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Um rund 300 bis 600 Euro und günstiger als die anderen Anbieter bisher beginnen die TV-Geräte bei 43-Zoll-Full-HD-Geräten und reichen derzeit bis zum 55-Zoll-4K-HDR-Gerät. 2019 sollen 65-Zoll- und noch größere Geräte folgen. Die Preispolitik wirbelte die Konkurrenz auf: "NoGis" hat die Preis um 50 bis 200 Euro gesenkt, Pop-Tech um sechs bis 151 Euro.

Geräte kommen aus der Türkei

Was KAGIS besonders macht? Um die Herkunft der Geräte wird kein Geheimnis gemacht. "Wir greifen auf den Hersteller Sunny zurück. Sunny ist drittgrößter Hersteller von TV-Geräten in der Türkei und produziert auch die TV-Geräte für andere Hersteller wie Samsung. Somit können wir die beste Qualität liefern und müssen nicht auf Monitore von China zurückgreifen", so die KAGIS-Chefs Stefan Warecka und Thomas Fleckl.

Das habe mehrere Vorteile: Die Fernseher könnten bei höherer Nachfrage rascher geliefert werden, der Preis könne niedrig gehalten werden, die Qualität hoch. "Sunny verwendet ausschließlich A+-Panele, um ausgezeichnete Bildqualität, gute Farbwiedergabe und Helligkeit zu garantieren", so Warecka. Um Vertrauen aufzubauen, gibt man sich transparent, etwa mit einem Video aus der TV-Herstellungsfabrik.



Auch politisch steht die GIS-Gebühr weiter unter Beschuss: Die ÖVP erklärte, man wolle im Rahmen des ORF-Gesetzes Möglichkeiten diskutieren, die GIS durch das Bundesbudget mit den Steuern aller Österreicher zu finanzieren.

Die FPÖ will die GIS sowieso seit Monaten abschaffen, hielt sich aber bedeckt, was die Finanzierung des Rundfunks betrifft. In dieser Situation kommt ein brisantes Urteil des Europäischen Gerichtshofs hinzu. Er entschied, dass der deutsche Rundfunkbeitrag zulässig ist. Seit 2013 muss bei Österreichs Nachbarn jeder Haushalt 17,50 Euro monatlich bezahlen – egal, ob er fernschaut oder nicht einmal ein TV-Gerät zu Hause stehen hat. Ein Modell, das in Österreich zumindest denkbar wäre. (rfi)

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