Wer aktuell irgendetwas garantiere, sei ein "Scharlatan", so Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) am Sonntagabend in der ORF-Sendung "Im Zentrum" mit dem Titel "Arbeit, Wirtschaft, Krisenstimmung – Wie schnell erholt sich Österreich?". Gemeint war, ob er garantieren könne, dass es im Mai zu den geplanten Öffnungen kommen werde. Klar sei: Man habe alle möglichen Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen, dass ein sicheres Öffnen mehrere Sektoren möglich werde.
Dass die Zahlen mit steigenden Öffnungen ansteigen, zeigt aktuell das Bundesland Vorarlberg. Einst Corona-Vorzeigekandidat, der als testversuch für die Öffnung der Gastronomie hergezogen wurde, ist es nun das Bundesland mit der höchsten Inzidenz österreichweit. Dennoch pocht man auch bundesweit auf Öffnungen. "Durch flächendeckende Öffnungen können rund 200.000 Menschen wieder in einen regulären Job zurückfinden", so Arbeitsminister Martin Kocher.
Aufhorchen ließ schließlich Margit Schratzenstaller, Budget-Expertin vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, die auf die Situation im Sommer und vor allem den Tourismus Bezug nahm. Das sei derzeit "natürlich mit den allseits bekannten Unsicherheiten behaftet", so die Experten, es gebe aber zwei Szenarien: "Also ein Szenario, wo es noch einmal vier Wochen harten Lockdown gibt" und eines ohne. 1,5 Prozent Wachstum seien heuer bei einem weiteren Lockdown zu erwarten, rund 2,3 Prozent ohne Lockdown. "Wir befinden und derzeit in der Mitte zwischen den beiden Szenarien", so Schratzenstaller.
"ArbeitnehmerInnen brauchen Perspektive: sichere Jobs, faire Einkommen und einen funktionierenden Sozialstaat", appellierte danach ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Nach dem Comeback und den Öffnungen könne es aber nicht so weitergehen wie zuvor, so NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger: "Ein Comeback ist eine Rückkehr zu Altem - mit einer überfälligen Öffnung muss aber ein Neustart passieren, der brennende Strukturprobleme angeht und klar zukunftsorientiert ist."