Wien

Nicht alle finden die "coole" Börsegasse cool

Mit 22 "coolen Straßen" will die Stadt im Hochsommer für Abkühlung sorgen. Die ersten vier werden heute eröffnet. Doch nicht jeder freut sich darüber.  
Louis Kraft
22.06.2020, 13:57

Auch wenn die aktuellen Temperaturen nicht gerade sommerlich sind, die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Im Kampf gegen die Hitze ließ Vizebürgermeisterin und Klimastadträtin Birgit Hebein (G) im vergangenen Jahr eine Hitzekarte erstellen, in der die "Hot Spots" der Stadt eingezeichnet wurden. Diese Karte bildet die Basis für konrete Abkühlmaßnahmen, wie die 22 neuen "coolen Straßen".

Das ursprüngliche Ziel war, dass jeder Bezirk eine "coole Straße" bekommt. Das ist sich nicht ganz ausgegangen: Sechs Bezirke (Landstraße, Simmering, Hietzing, Döbling, Brigittenau und Donaustadt) stiegen auf das Angebot der Stadt nicht ein. Damit werden über den Sommer nur 17 Bezirke "cool".

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Vier fixe und 18 temporäre "coole Straßen" vor Start

In den nächsten Wochen werden vier fixe (die Phorusgasse in Wieden, die Goldschlagstraße in Penzing, die Pelzgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus und die Franklin-Promenade in Floridsdorf) sowie 18 temporäre "coole Straßen" eröffnet. Den Startschuss gab Vizebürgermeisterin Hebein heute, Montag, in der Meiselstraße (Penzing), der Börsegasse (City) und dem Karmelitermarkt (Leopoldstadt). Am Nachmittag eröffnet Josefstadt-Chefin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP) die "coole Straße" Schlesingerplatz. "Wenn wir nichts tun, dann wird Wien im Jahr 2050 noch einmal um acht Grad Celsius heißer sein, als es jetzt schon ist. Das bedeutet noch mehr Tropennächte und Hitzewellen. Es gibt schon jetzt mehr Hitzetote als Verkehrstote und es ist meine Aufgabe als Klimastadträtin, für lokale Abkühlung zu sorgen", betonte Hebein bei der Eröffnung der "coolen" Börsegasse.

Abgesperrte Bezirksoasen mit Sprühnebel und Sitzbänken

Die Grundausstattung der "coolen Straßen" sieht neben einer Kombination aus Trinkwasserspender und Sprühnebelmaschine auch eine bunte Bodengestaltung der Straßen sowie neue Sitzgelegenheiten und mehr Grün vor. Dazu gibt es die Möglichkeit, mobile Schattenspender aufzustellen. Durch die Maßnahmen sei eine Abkühlung um fünf Grad Celsius möglich, so Hebein.

Die temporären "coolen Straßen" sind bis 23. September gültig, bis dahin gilt in ihnen ein Fahrverbot, nur Fahrräder sind ausgenommen. Bei kleineren Gasse wie etwa der Börsegasse wird die "coole Straße" mittels Scherengitter abgetrennt, bei größeren Straßen kommen Leitbaken zum Einsatz. 

40 eigens angestellte Mitarbeiter sind zu fixen Zeiten (Montag 8 bis 12.30 Uhr, Dienstag 13 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Freitag 12 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 13 Uhr) vor Ort und unterstützen die Nutzer bei eigenen Initiativen. Die Möglichkeizen reichen von gemeinsamen Yogaübungen übers Garteln bis hin zu Fahrradkursen für Kinder. Alle Infos dazu gibt es hier

Citybewohner protestieren gegen "coole Börsegasse"

Gar nicht cool fanden das aber einige Anrainer, die den Medientermin nutzten, um sich direkt bei Hebein zu beschweren. "Wir sind nicht gefragt worden, jetzt können wir nicht mehr zufahren. Am Eck ist ein Geschäft, dass nun nicht mehr direkt anliefern kann", kritisiert etwa Wolfgang Lanz (79). Er bewohnt mit seiner Gattin Ilse das Wohnhaus in der Börsegasse 7, direkt in der nun neuen "coolen Straße". Auch Anrainer Philipp Roessler (65) ist verärgert. Für ihn ist die "coole Straße" eine weitere "unüberlegte Aktion" und "reinste Willkür". In Coronazeiten, in denen alle Abstand halten müssen, in der Börsegasse eine Art Begegngungzone einzurichten, hält er für grundfalsch. Für Ärger sorgt auch, dass hier im Sommer auch in der Nacht mehr Leute sitzen könnten: "Dass es hier laut wird, ist keine Befürchtung, sondern hundertprozentige Sicherheit. Da heißt es, das ist eine Maßnahme gegen die Hitze der Stadt, aber ich kann in der Nacht nicht mehr das Fenster öffnen wegen dem Dreck", schmipft Roessler. 

Hebein zeigte Interesse an den Beschwerden der Bevölkerung. "Ich will wissen, warum sie so verärgert sind", erklärte sie den Anrainern. Und versprach, zu einem anderen Zeitpunkt, "wenn mehr Zeit ist", mit Kaffee zurückzukehren, um über die Sorgen der Bewohner zu sprechen. 

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