Massentourismus

Niemand zahlt! Eintrittsgebühr für Venedig floppt

Als erste Feriendestination hat Venedig ein Eintrittsgeld eingeführt. Doch wie sich zeigt, ist nur ein Teil der Gäste von der Gebühr betroffen.

Niemand zahlt! Eintrittsgebühr für Venedig floppt
Die Gebühr von 5 Euro soll den Massentourismus abschwächen, doch ist sie in den Augen vieler nur Augenwischerei.
Michael Bihlmayer / ChromOrange / picturedesk.com

Seit dem 25. April müssen Tagesbesuchers in Venedig Eintritt zahlen: fünf Euro werden pro Person fällig. Am 5. Mai ließ die Stadtverwaltung verlauten, dass die neue Gebühr, die den Massentourismus eindämmen soll, in den ersten elf Tagen knapp eine Million Euro in die Kassen gespült hat.

Doch welchen Effekt hat das Eintrittsgeld wirklich? Schon am ersten Tag der Einführung zeigte sich, dass von 113.000 Besuchern gerade einmal 15.700 ein "Ticket" bezahlen mussten, also nur etwa jeder Zehnte. Denn es gibt zahlreiche Gruppen, die von der Gebühr ausgenommen sind. So müssen die Bürger der Region Venetien keinen Eintritt zahlen – sie sollen ihre Hauptstadt gratis besuchen dürfen, wie RND berichtet.

Zahlreiche Personen ausgenommen

Ebenfalls ausgenommen vom Eintrittsgeld sind Studentinnen und Studenten sowie Personen, die in Venedig arbeiten. Minderjährige, Lehrpersonal, Behinderte, Teilnehmer an Sportveranstaltungen: Sie alle stellen Ausnahmen dar, wie SRF schreibt. Auch wer in Venedig übernachtet, muss nichts abdrücken, denn mit der Kurtaxe ist der Einlass in die Lagunenstadt bereits bezahlt.

Die Gebühr sollte von Anfang an auf Tagestouristen abzielen, doch machen diese letztlich keinen allzu großen Teil des "Overtourism" aus, wie die Zahlen zeigen. Hinzukommt, dass er Eintritt ab 16 Uhr entfällt: Wer fürs Abendessen auf die Piazza San Marco gehen will, muss nicht zahlen. Der "Corriere della Sera" hat diese Regelung augenzwinkernd als "Aperol-Spritz-Ausnahme" bezeichnet. Für die übrigen Besucher ist der Preist mit 5 Euro zu niedrig, um sie wirkungsvoll abzuschrecken.

Kaum Durchkommen an vielen Tagen

Mit etwa 15 Millionen Gästen pro Jahr gehört die italienische Lagunenstadt zu den meistbesuchten Reisezielen der Welt. Der Massentourismus bringt den Venezianern viel Geld in die Kassen, macht ihnen inzwischen aber auch schwer zu schaffen. An vielen Tagen ist in den engen Gassen rund um Markusplatz und Rialtobrücke kaum noch ein Durchkommen.

Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro ist ein Geschäftsmann und dem venezianischen Hotel- und Gaststättengewerbe wohlgesonnen. Böse Zungen behaupten, Brugnaros Maßnahme gehe höchstens halbherzig gegen die Touristenströme vor. Die Gebühr wird als Scheinmaßnahme verschrien, mit der verhindert werden soll, dass die Unseco Venedig als "gefährdetes" Welterbe einstuft.

Anwohnerausschüsse und -vereinigungen protestierten bereits gegen die Gebühr und argumentierten, dass diese nichts zur Lösung des Problems beitrage. Den venezianischen Behörden wird vorgeworfen, die berühmte Lagunenstadt in einen "Themenpark" zu verwandeln. Laut den Gegnern verstößt die Gebühr gegen den Grundsatz der Freizügigkeit und trägt nicht dazu bei, den Übertourismus sinnvoll zu bekämpfen.

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    Leserreporter

    Auf den Punkt gebracht

    • Die Einführung einer Eintrittsgebühr in Venedig hat nicht den gewünschten Effekt erzielt, da nur ein kleiner Teil der Besucher tatsächlich zur Kasse gebeten wird
    • Zahlreiche Ausnahmen wie Einheimische, Übernachtungsgäste und bestimmte Gruppen machen die Gebühr für den Massentourismus unwirksam
    • Kritiker behaupten, dass die Maßnahme lediglich eine Scheinmaßnahme sei und das eigentliche Problem des Übertourismus nicht löse
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