Nintendo Switch im Test: Genial mit viel Potenzial

Die Nintendo Switch sorgt mit dem interessanten Mix aus Handheld und Standkonsole für Spannung.

Nachdem Heute Digital tagelang die Switch bereits testen durfte, dürfen wir nun auch unsere Testeindrücke verraten. Wir haben zusammengefasst, was uns an der Switch gefällt und wo wir noch Potenzial nach oben sehen. Ein Fragezeichen steht noch bei den Onlinefunktionen, die es erst zum Launch der Switch zu genießen gibt. Klar ist: Streaming-Apps wird es zum Start keine geben, da Nintendo ein geschlossenes System bietet.

Ebenso kein Twitter, kein Facebook, kein Netflix, kein YouTube und keine Mail-App. Eine verpasste Chance! Aber auch im Rest des Online-Universums sind noch viele Fragen offen. So soll es erst später nach dem Launch ein Matchmaking und Spieler-Chats über eigene Apps geben - das ist wohl der Rechenleistung der Switch geschuldet.

Dabei hätte in punkto Apps Nintendo den Tablet-Wert der Switch von Anfang an gut forcieren können. Hier darf zumindest gehofft werden, dass Nintendo noch nach dem Launch mehr Apps und Online-Inhalte anbietet, erwogen wird dies jedenfalls. Genial wiederum ist das Konzept der Switch generell: Als Handheld in der U-Bahn und im Bus zocken, daheim einfach in die Station schieben und am Fernseher weitergamen. So einfach funktioniert das dann auch. Doch gehen wir auf die Details ein.

Was man bekommt

Um 330 Euro wird im Switch-Paket das Tablet, die zwei Joy-Con-Controller samt Sicherheitsschlaufen-Schienen, die Basisstation, der Grip für die Joy-Con, ein HDMI-Kabel und ein USB-C-Adapter geliefert. Als Fabvarianten stehen bei den Joy-Con die grau oder neonrot/-blau zur Verfügung. Das war es auch mit der Abwechslung, verschiedene Modelle oder Zusammenstellungsvarianten gibt es nicht. Hier orten wir eine weitere verpasste Chance: Warum nicht gleich Bundles mit Spielen anbieten?

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Während die Hardware großteils sehr wertig wirkt, fallen doch zwei Komponenten auf: Das Dock und der Grip. Beides sind Kunststoffteile und im Endeffekt nur Halterungen - das Dock für das Handheld, um es per Kabel an den TV anschließen zu können, der Grip für die darin einsteckbaren Joy-Con, der die Controller zu einer Art Gamepad macht. Den Switch-Pro-Controller, der extra verkauft wird, empfehlen wir dennoch, da der Spielekomfort dabei um einiges höher ist. Allerdings kostet dieser 70 Euro.

Generell eine Preisfrage

Wie wir weiter noch zeigen werden, stellt sich bei Switch generell die große Preisfrage: Eine Speicherkarte ist Pflicht, da die 32 GB interner Speicher neben dem Betriebssystem gerade einmal 27 GB freien Platz liefert. Und wer auf Titel wie das Fun-Boxspiel Arms abzielt und es im Wohnzimmer gegen Freunde spielen will, der muss 80 Euro für ein zweites Paar Joy-Con hinlegen.

Realistisch gerechnet legt man anfangs für Swítch, Speicherkarte von zumindest 64 GB, zwei Spiele und Pro-Controller sowie einem zweiten Paar Joy-Con gut 650 Euro hin. Als Gegenargument sei erwähnt, dass herkömmliche Tablets an diesem Preis zwar vorbeiziehen - Spielekonsolen wie die PlayStation 4 und die Xbox One liegen allerdings weit unter diesem Preis. Gut, eine Xbox kann man aber auch schwer mobil verwenden. 

Was bei der Hardware auffällt

Das Kernstück der Switch bildet das Handheld, das ein 6,2 Zoll großes IPS-Touchdisplay bietet. Dieses zeigt sich mit einer tollen Bildschirmhelligkeit und kontrastreichen Farben. Einzig: Wegen der fehlenden Entspiegelung kann man zwar bei direkter Sonneneinstrahlung noch Inhalte erkennen, mehr aber auch nicht. Allerdings gilt dies für Ausnahmefälle und großteils wird man beim Spielen mit der Switch im Freien keinerlei Sichtprobleme haben. Das Handheld wiegt mit Joy-Con fast 400 Gramm und misst 239x102x13,9 Millimeter - das liegt gut in der Hand und lässt sich auch über einen längeren Zeitraum toll bedienen.

Nur vom Namen her könnte man meinen, der Chip der Switch sei veraltet. Richtig ist, dass der bekannte NVidia Tegra X1-Chip mit vier GB Arbeitsspeicher leicht angepasst wurde. Obwohl er seine Jährchen am Buckel hat, reicht der Chip mit seiner Leistung aber vollkommen für die Nintendo-Konsole aus. Nicht ausreichend ist allerdings der interne Speicher von effektiv 27 GB. Schon jetzt sind Spiele angekündigt, die diesen Platz sprengen werden - unterstützt werden deshalb microSD-Karten bis zu zwei TB. Der Akku mit etwas mehr als 4.300 mAh lässt sich zwischen 2,5 und 6,5 Stunden nutzen und lädt in rund vier Stunden.

Wie die Handhabung abläuft

Hier leistet sich Nintendo keine Patzer, die Handhabung ist kinderleicht gestaltet und die Komponenten-Adaptierung klappt perfekt. Auch im weiteren Test gab es hier nichts zu bemängeln, weder im Konsolen- noch im mobilen Betrieb gibt es Schwierigkeiten, klappernde Elemente oder Abnutzungserscheinungen. Persönlich können wir mit dem Konsolen-Modus am TV wohl am wenigsten anfangen, weil die Switch hier ihre Stärken einfach nicht ausspielt. Lustig ist es allemal, wenn man Freunde eingeladen hat und mit den Joy-Con über den Fernseher gegeneinander antritt.

Beim Singleplayer-Zocken macht es aber einfach viel mehr Spaß, sich mit dem Handheld auf die Couch zu begeben oder im Bus eine schnelle Runde zu zocken. Am TV mit Stromanschluss werden 1.080p bei 60 fps wiedergegeben, im Handheld-Modus sind es immer noch eindrucksvolle 720p bei äußerst stabilen 30 fps. Und die Switch per einklappbaren Standfuß auf einen Tisch zu stellen und mit den Joy-Con gegen einen Gegner anzutreten, klappt ebenso gut wie am Fernseher, einfach das Handheld zu nutzen. 

Richtig gute Controller

Eine Meisterleistung hat Nintendo bei den kabellosen Joy-Con abgeliefert, bis auf einen Aspekt: Werden sie einzeln von Spielern benutzt, sind sie definitiv sehr klein geraten. Ansonsten ist aber eindrucksvolle Technik verbaut: Per Sensoren und Infrarot erfassen die Controller ihre Position exakt im Raum und zeichnen Bewegungen punktgenau auf - damit man beim Boxen in Arms etwa Blocken und Haken verteilen kann. Ein Beschleunigungssensor und Gyroskop erfasst ebenfalls die Bewegung - im Revolverduell bei 1-2-Switch gewinnt so der Spieler, der seinen Joy-Con schneller zieht.

Ebenfalls toll: Die im Joy-Con verbauten Motoren, die ebenfalls in 1-2-Switch über Feedback wiedergeben können, wie Kugeln in einem Behälter rollen. Schade, dass noch nicht viele Spiele die einzigartigen Joy-Con-Funktionen nutzen, denn damit hat die Switch einen richtigen Mehrwert gegenüber der Konkurrenz. Es gilt aber als sicher, dass sich das mit dem Erscheinen neuer Switch-Spiele ändern wird. Bis dahin werden aber vor allem Singleplayer eher auf den Pro-Controller zurückgreifen.

Was Nintendo bei Multiplayer und Spielen bietet

Endlich scheint auch eine Nintendo-Konsole alle Wünsche der Multiplayer-Community zu erfüllen. Am Handheld selbst kann man zu zweit per Splitscreen und den Joy-Con gegeneinander antreten, am TV spielt man zu viert gegeneinander und per Wifi lassen sich bis zu acht Switch-Handhelds zu einer Spielerunde zusammenfassen. Das dürfte auch viele Spieler befriedigen, die sich den gebührenpflichtigen Onlinedienst von Nintendo nicht leisten wollen.

Kommen wir zum Abschluss zum Spiele-Sortiment, das bereits aufgrund der Überschaubarkeit in der Kritik stand. Wie sieht es jetzt aus? Zum Release erscheinen das Partyspiel 1-2-Switch, das Rennspiel Fast RMX, der Puzzler Human Resource Machine, das Rollenspiel I Am Setsuna, die Tanzikone Just Dance 2017, der Blockbuster The Legend of Zelda: Breath of the Wild, der Puzzler Little Inferno sowie Shovel Knight: Specter of Torment, Shovel Knight: Treasure Trove, Skylanders Imaginators, Snipperclips, Super Bomberman R und World of Goo. So schlimm wie anfangs sehen wir diesen Punkt nicht mehr. Das Sortiment ist klein, bietet aber zu vielen Genres erste Titel und mit über 60 Indie-Games und weiteren Blockbustern wie einem neuen Mario-Game ist 2017 für Nachschub gesorgt. Also klare Entwarnung an dieser Front!

Fazit: Genial mit Potenzial

Unser Gesamteindruck hat sich, nachdem wir die Switch nun länger in Händen halten, sehr verbessert. Die größten Schnitzer stellen für uns die Speicher-Causa der Switch und die schwachen App-Unterstützungen zum Start dar. 32 GB für eine Konsole? Dann hätte Nintendo zumindest von sich aus eine Speichererweiterungskarte beilegen können, denn oft wird die Switch mit einem Spiel bereits voll sein. Und: Wieso stellt man die Online-Funktionen nicht von Anfang an klar und bietet auch ein Rundum-Paket mit Apps? Zumindest: Beides sind keine Dinge, die ein No-Go sind. Die Speicherfrage löst eine SD-Karte und bei den Online-Diensten bauen wir darauf, dass Nintendo das noch sauber hinbekommen wird.

Daneben fällt das Urteil positiv aus. Mit der Switch mobil zu spielen ist eine wahre Freude und rechtfertigt die Anschaffung trotz des hohen Preises bereits fast vollständig. Und kein anderes Gaming-Gerät lässt sich so leicht zu einer Heimkonsole "switchen" - in die Station geschoben, schon geht der Spaß am TV-Gerät weiter. Die Switch ist bisher keine perfekte Hardware - sie bietet aber ein dermaßen großes Potenzial, dass Nintendo sie mit Updates, tollen Spielen und einem spannenden Online-Service zur besten Nintendo-Konsole überhaupt machen könnte.

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