Wie das Duell Lunacek gegen Strache eskalierte

Im Duell zur Nationalratswahl auf Puls 4 traf "Die Grünen"-Chefin Ulrike Lunacek auf FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Die Sendung eskalierte völlig.

Es fing so freundlich mit Geschenken an. Lunacek überreichte Strache beim TV-Duell im Puls-4-Studio Kinokarten für den Film "Immer noch eine unbequeme Wahrheit", damit er mit Freiheitlichen Freunden sehen könne, dass "der Klimawandel doch Realität ist". Strache wiederum revanchierte sich mit einem Bildnis von Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

Je länger die Sendung wurde, desto untergriffiger wurden allerdings die Angriffe. Aber der Reihe nach: Halbwegs einig war man sich noch beim Thema Umwelt und, dass es Maßnahmen in Richtung erneuerbarer Energien brauche. Lunaceks Spitzen, sie bezeichnete Strache als "Austro-Trump" und warf ihm vor, mit Parteifreunden wie Marine Le Pen den Klimawandel zu leugnen, ließen den FPÖ-Chef allerdings nicht kalt.

"Nachhaltiges Pilz-Problem"

Strache konterte erst politisch: Die Grünen würden Fahrverbote am Rücken der Bürger umsetzen, statt die Konzerne in die Pflicht nehmen zu wollen. Argumente, die Lunacek den Wind aus den Segeln zu nehmen wusste: Sie kritisierte, dass FPÖ-Politiker auf EU-Ebene bei solchen Abstimmungen teils fehlen würden. Persönlich wurde es spätestens beim Thema Steuern und Sozialleistungen. Lunaceks Replik auf Straches Steuersenkungs-Pläne: "blaue Wunder". Sie wundere sich, warum gerade die FPÖ in ihrer Regierungszeit Pensionen gekürzt und Ambulanzgebühren eingeführt habe.

Völlig entglitt das TV-Duell, als Strache den Grünen "ein Pilz-Problem, ein nachhaltiges Pilz-Problem" attestierte und den Grünen mehrmals Chaos vorwarf - etwa, weil das Grüne-Heumarktprojekt von einer Grünen Mehrheit abgelehnt wurde. Während sich die Diskussion vorläufig bei der Ehe für alle (Strache dagegen, Lunacek dafür) zu entspannen schien, endete sie mit einem Knall.

"Hasszerfressen"

Strache erklärte, er sehe unter anderem massiven Antisemitismus unter vor allem muslimischen Zuwanderern. Integrationsprobleme bestätigte Lunacek zwar, ließ Strache aber die Fassung verlieren, als sie seiner Partei Antisemitismus vorwarf, "kein Einzelfall, sondern ganz viele Fälle". Es sei zum Beispiel bezeichnend, dass der FPÖ-Abgeordnete Johannes Hübner nach antisemitischen Aussagen nicht mehr kandidiere.

Dies ließ bei Strache den Kragen platzen: Er bezeichnete Lunacek und die Politik der Grünen als "hasszerfressen" und die Reaktionen als "schäbig". Lunacek forderte ihn mehrmals auf, eine Klarstellung abzugeben und diese Aussagen zurückzunehmen. Ein unrühmliches Ende nahm das Duell damit, dass Strache eine Rücknahme seiner Worte verweigerte – und Lunacek ankündigte, die Aussagen rechtlich prüfen zu lassen. Nach dem Duell könnte damit eine Klage folgen.

Hier der Liveticker vom TV-Duell zum Nachlesen:

(red)

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