Obacht, Herr Präsident, das ist Chinas First Lady

Heute, Sonntag, tafeln Alexander Van der Bellen und Ehefrau Doris Schmidauer mit Chinas First Couple. Das Paar lohnt einen zweiten Blick.
Natürlich gibt es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Chinas heutiger Staatspräsident Xi Jingpin (heute 62) und seine Gemahlin Peng Liyuan (heute 55) kannten sich früher aber eher vom Wegschauen. Er sei ein "grober, ländlicher Kürbis", vorverurteilte ihn die aktuelle First Lady in den sechziger Jahren, aber man muss ein bisschen weiter ausholen, um das Besondere in dieser Beziehung zu erkunden.

Mit starken First Ladys hat China ja keine besonders guten Erfahrungen. Jiang Qing war die vierte Ehefrau von Mao, der 1949 die Volksrepublik China ausrief, führte und fast in den Ruin trieb, ehe er 1976 starb.

Zum Tode verurteilt

Da hatte sich seine First Lady längst zu einer treibenden (und hoch umstrittenen) Kraft im politischen China entwickelt. Einen Monat nach Maos Tod wurde Jiang Qing als Teil der so genannten "Viererbande" verhaftet und zum Tod verurteilt. Zu lebenslanger Haft begnadigt, erkrankte sie an Kehlkopfkrebs, wurde aus dem Gefängnis entlassen und starb 1991 zehn Tage später – laut chinesischen Angaben durch Erhängen.

Seither suchte keine Ehefrau eines chinesischen Staatschefs mehr das Rampenlicht. Bis es Peng machte.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Vater in Haft

Peng Liyuan (55) stammt aus armen Verhältnissen, anders als ihr Ehemann Xi, der Sohn eines hohen Politfunktionärs ist. Was sie verbindet: Beide hatten Elternteile, die aus politischen Gründen inhaftiert wurden. Pengs Vater wurde vorgeworfen für Taiwan zu spionieren, Xis Vater nahmen Maos Rotgardisten mit.

Als Peng 15 Jahre alt war, gewann sie gegen Tausende Mitbewerberinnen einen Gesangswettbewerb. Es war der Beginn einer steilen Karriere. Dem Mädchen vom Land war zunächst jede Schuldbildung verwehrt worden, nun bekam sie ein Stipendium am Konservatorium von Peking. Sie arbeitete hart, war zäh, schickte Geld nach Hause, hatte nie einen festen Freund – und sie war schon ein Superstar, bekannt aus dem TV als Sopranistin und Folksängerin, als sie im Winter 1986/87 Xi traf. Es gibt Gerüchte, die Beziehung sei arrangiert worden.

Der damalige Vizebürgermeister aus der Provinz, studierter Chemieingenieur und Jurist, war frisch von der Tochter des chinesischen Botschafters in London geschieden. Schon nach kurzer Zeit heirateten die beiden am 1. September 1987, daheim, kaum einer wusste davon. Gefeiert wurde diskret in einem Hotel. "Ich habe so viele Schnecken gegessen, dass mir ganz schlecht wurde", erzählte Peng Liyuan laut "Daily Telegraph" später.

Unmittelbar nach der Hochzeit trennte sich das Paar (in China nicht unüblich). Er blieb in der Provinz, sie führte in Peking das Leben eines Stars, wurde Professorin am Konservatorium, trat bis zu 350 Mal im Jahr auf.

Tochter studierte in Harvard

1992 kam die einzige Tochter Mingze auf die Welt (bis vor wenigen Jahren durften Paare in China nicht mehr als ein Nachkommen haben). Xi war bei der Geburt nicht dabei, in "seiner" Stadt Xiamen gab es Hochwasser. Mingze studierte in Harvard, lebt heute in Peking.

2012 übernahm Xi die Macht in China und baute sie aus wie niemand seit Mao. Auch Zensur gehört dazu. Nachdem jüngst Kim Jong-un mit seiner Ehefrau zu Gast gewesen war, blockierte China im Anschluss den Namen von Nordkoreas First Lady in den sozialen Medien. Zeitungen hatten die beiden Frauen einem Style-Vergleich unterzogen.

Bilder gelöscht

Das passierte nicht das erste Mal. Als nach einem Besuch von Michelle Obama danach Kopien der Roben der First Ladys in Läden auftauchten, wurden die Kleider etwa aus dem Online-Shop Taobao verbannt.

1989 hatte Peng Liyuan nach den blutigen Protesten am Tianamenplatz für die Soldaten gesungen, danach dem Militär applaudiert. Jüngst publizierte eine Zeitung in Hongkong Bilder, die Peng Liyuan bei dem Auftritt zeigen. Sie wurden entfernt.

Lieber inszeniert sich "Chinas Carla Bruni" abseits ihrer Auftritte als biedere Familie. Sie sitze am liebsten daheim, schaue fern und koche, Xi spiele gern "Go" und liebe Football, erzählte sie. Ihr Mann sei ihr "sicherer Hafen". Leidenschaft wurde schon feuriger definiert.

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