Daheim am Hauptbahnhof

Obdachlosen-Drama in Wien – Kinder leben auf der Straße

Seit Monaten lebt eine slowakische Familie mit Kindern am Hauptbahnhof. Warum Hilfe so schwer ist, zeigen Polizei, Caritas und MA11.
Christoph Weichsler
20.09.2025, 11:52
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Zwischen Müll, zerschlissenen Decken und leeren Flaschen schläft ein Bub auf dem harten Beton einer Unterführung beim Wiener Hauptbahnhof, während wenige Meter daneben zwei Frauen zusammengekauert im Dreck liegen. Seit Monaten ist dieser unwürdige Ort angeblich das Zuhause einer slowakischen Familie – und mit ihnen auch ein elfjähriges Mädchen, das Tag für Tag im Chaos der Großstadt ohne Schutz und Dach über dem Kopf überleben muss.

Die Mutter kam mit ihren Kindern aus der Slowakei nach Wien, wo sie sich ein besseres Leben erhoffte. In ihrer Heimat hat sich die Zahl der Obdachlosen innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht, laut Medienberichten fehlt es dort oft an Unterstützung. Doch aus dem Neuanfang in Wien wurde nichts, die Familie landete auf der Straße.

Behörden schlagen Alarm

ÖBB-Mitarbeitern fiel die Familie bereits im Februar durch Betteln und das Sammeln von Pfandflaschen im Bahnhofsbereich auf, woraufhin man sofort Polizei und NGOs verständigte. Im April übernahm die Caritas die Betreuung, ehe die MA11 (Kinder- und Jugendhilfe) im Juli offiziell informiert wurde – doch trotz dieser Schritte hat sich die Situation der Familie bis heute nicht verändert.

Sozialarbeiter haben laut Berichten mehrfach versucht, der Familie eine Unterkunft oder Unterstützung zu vermitteln, doch die Mutter lehnte jedes Angebot ab. "Wir sind auch nicht glücklich mit der Situation", erklärt eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, während die MA11 bestätigt: "Die Familie entzieht sich konsequent unseren Angeboten."

Mädchen versteckte sich in Loch

Normalerweise greift das Jugendamt in solchen Fällen hart durch: Minderjährige, die auf der Straße leben, kommen in Krisenzentren – notfalls auch gegen den Willen der Eltern. Doch am Hauptbahnhof eskalierte die Situation, als Beamte vor zwei Wochen versuchten, das jüngste Mädchen mitzunehmen. Es versteckte sich in einem Loch unter der Unterführung, während die älteren Geschwister es mit aller Kraft festhielten und nicht losließen.

"Wenn wir die Kinder in ein Krisenzentrum bringen, dann sind sie in einer Stunde wieder weg", sagt MA11-Sprecherin Ingrid Pöschmann. Einsperren dürfe man Kinder nur in absoluten Ausnahmefällen und für sehr kurze Zeit. Deshalb setzt man auf Kooperation: Sozialarbeiter sind nun fast täglich vor Ort, beobachten die Lage und bieten der Mutter und ihren Kindern immer wieder Hilfe an – bislang vergeblich.

Letzte Chance: Rückkehr in die Heimat?

Eine Lösung könnte die Rückkehr in die Slowakei sein. Die MA11 steht bereits mit den dortigen Behörden in Kontakt, um herauszufinden, welche Schulen die Kinder zuletzt besuchten und ob sie wieder aufgenommen werden könnten. Schon einmal wurden Tickets bezahlt, und tatsächlich fuhr die Familie zurück, doch nach wenigen Wochen kehrte sie wieder nach Wien zurück – direkt zum Hauptbahnhof.

Die Mutter sammelt derzeit erneut Geld am Bahnhof, angeblich für die Heimfahrt. Noch immer verbringen minderjährige Kinder ihre Nächte im Schmutz einer Unterführung, mitten in Wien, direkt vor den Augen der Behörden.

{title && {title} } CW, {title && {title} } Akt. 20.09.2025, 12:19, 20.09.2025, 11:52
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